Matchday: Fischtown Pinguins Bremerhaven vs. Löwen Frankfurt (04.10.2026, GW 6)

Die Löwen kommen im Aufwind, die Pinguins im Lazarett: Wenn die Fischtown Pinguins am Sonntag (14 Uhr) die Löwen Frankfurt in der Eisarena Bremerhaven empfangen, trifft das formstarke Team vom Main auf ein Team, das nach drei Niederlagen in Folge dringend Punkte braucht. Die Frankfurter stehen vor dem Wochenende auf Rang 5, holten Zähler in Köln und München und haben in Unterzahl noch keinen Gegentreffer kassiert. Am Freitag musste man sich allerdings knapp mit 0:2 den Eisbären Berlin geschlagen geben. In Bremerhaven ist die Lage angespannter: Nach den Siegen gegen Krefeld und Iserlohn setzte es Niederlagen in München, Wolfsburg und Straubing. Dazu kommt eine lange Ausfallliste: Maxim Rausch und Bennett Roßmy sind für die Saison raus, Roman Kechter, Lenny Boos und Alex Broadhurst, der neue Center der ersten Reihe, fehlen nach Operationen bzw. Verletzungen mehrere Wochen. Hoffnung machen die Rückkehrer: Matthew Abt ist nach seiner Dreispielsperre wieder dabei, Nicholas Jensen und Colt Conrad feierten in Straubing ihr Comeback. Für die Pinguins gilt es also, sich trotz der vielen Ausfälle zu stabilisieren und die starke Frankfurter Defensive mit schnellem Passspiel zu knacken. Mit den drei Rückkehrern ist zumindest wieder etwas mehr Tiefe im Kader vorhanden.

Fischtown Pinguins - Style of Play

Muster #1 – Forecheck und Dominanz in der OZ

Die Pinguins setzen den Gegner früh unter Druck, erzwingen Scheibenverluste im Aufbau und gewinnen die Scheibe oft im gegnerischen Drittel. Das wirkt in der Eisarena zusätzlich, weil Publikum und Tempo den Gegner zu hastigen Pässen zwingen. Die gewonnene Scheibe wird konsequent in die Ecken und an die Banden verlagert. Statt schnell abzuschließen, suchen sie Positionswechsel, Überladungen und Lücken in der gegnerischen Struktur. Dies könnte der Grund sein, warum die Pinguins meist aus der Distanz abschließen (bisher 89 Abschlüsse – nur Mannheim & Krefeld haben mehr). Die Hoffnung der Pinguins: der direkte Treffer oder Rebounds durch physisch starke Akteure wie Verlic oder Wejse.

Muster #2 – Special Teams

Hier läuft es bei den Pinguins noch nicht. In Überzahl liegt Fischtown bei schwachen 11,1 Prozent, aus 18 Möglichkeiten sprangen nur zwei Tore heraus. Dabei war das Powerplay in den vergangenen Jahren eines der Prunkstücke: Ein „sneaky Pass“ von Jeglic, dazu der One-Timer von Urbas – alle kannten das Muster, keiner konnte es verteidigen. Auch in Unterzahl sieht es nur bedingt besser aus: 5 Gegentore in 18 Situationen, nur Köln und Augsburg sind bisher anfälliger. Frankfurt kommt mit einem Gegenpol: In Unterzahl sind die Löwen in dieser Saison noch ohne Gegentor, im Powerplay liegen sie bei 16,7 Prozent. Doch vielleicht sind es ausgerechnet Hirose, Tuomie und CJ Smith, die als Erste einen Überzahltreffer gegen diese Defensive erzielen kann.

Player to Watch - Parker Tuomie

Bei den Pinguins gäbe es mehrere Kandidaten. CJ Smith zum Beispiel ist bislang ziemlich kalt geblieben. Letzte Saison war er mit 16 Punkten in 14 Spielen noch ein „Scoring-Garant“, aktuell steht er bei null Toren und einer Vorlage. Er wirkt noch nicht richtig ins Spiel der Pinguins eingebunden: Nur sechs Abschlüsse, davon drei aus der Distanz, und ein xGoals-Wert von lediglich 0,34. Für Bremerhaven wäre es wichtig, den technisch versierten Amerikaner häufiger in Abschlusspositionen zu bringen. Ein weiterer Schlüsselspieler ist Phillip Bruggisser. Der 35-jährige Deutsch-Däne steht bei zwei Toren und einer Vorlage. Die Schlagschüsse des „Offensive Defenders“ sind ligaweit gefürchtet, er ist damit immer eine Option für das Fischtown-Scoring. Mein Player to Watch für diese Matchday-Episode ist aber ein anderer: Parker Tuomie. Er ist ein ganz besonderer Neuzugang. Sein Vater Tray schnürte einst die Schlittschuhe für den REV Bremerhaven, während Parker seine ersten Schritte auf dem Eis machte. Nun setzt der Sohn die „Tuomie-Ära“ in der Seestadt fort. Ausgebildet wurde Parker in den USA an der Minnesota State University, danach führte ihn der Weg zunächst nach Berlin und dann zu den Straubing Tigers. Dort entwickelte er sich zu einem wichtigen Akteur und Nationalspieler. Sein Highlight: die Olympischen Spiele in Mailand an der Seite von Draisaitl, Stützle, Seider und Peterka. Nach zwei Jahren in Köln ist der „Two-Way Attacker“ nun zurück in Bremerhaven. Tuomie gilt als sehr schlauer Spieler mit starkem Stellungsspiel in der Defensive. Technisch ist er stark und läuferisch einer der besten der Liga. In Köln und in der Nationalmannschaft spielte er meist in der „Bottom Six“, um defensive Stabilität und Physis zu liefern und die Top-Reihen zu entlasten. Bei den Pinguins steht er in der ersten Reihe und in der ersten Powerplay-Formation. Er ist nun also selbst in der Top-Reihe angekommen.

Parker Tuomie
PLAYSTYLE two way attacker
POSITION JAHRGANG GRÖSSE GEWICHT
Attacker 1995 178 cm 84 kg
Puck Skills 16
Skating 17
Hockey IQ 17
Physical 15
Shooting 15
Defense 16
OVERALL 16

Löwen Frankfurt - Style of Play

Muster #1 – Fast Transition

Die Frankfurter sind ein Konterteam und dabei wahnsinnig Effizienz. Sie geben den Puck bewusst ab und holen ihre Punkte über Defensivorganisation, Torhüter und Special Teams. Ihr Corsi-Wert liegt bei 38 %, aber die wenige Zeit in der Offensivzone und die zweitwenigsten Schüsse in der Liga sind kein Betriebsunfall, sondern Teil des ihres Plans. Frankfurt gibt den Puck ab, verteidigt kompakt und schlägt zu, sobald die Scheibe erobert ist. Die Zahlen sind das exakte Spiegelbild der Fischtown Pinguins: Bremerhaven will den Puck, Frankfurt überlässt ihn. Mit Cameron Brace, Brandon Biro oder auch Markus Schweiger haben die Frankfurter einige „Speedster“ im Kader, die diese Transition-Situationen erfolgreich abschließen können.

Muster #2 – Kompakte Defensive

Die Basis für Frankfurts Spiel liegt hinten. Die Löwen verteidigen eng um den Slot, lassen Schüsse von außen zu und blocken die Wege nach innen. Das zeigt sich auch in Unterzahl: In dieser Saison haben sie noch keinen Gegentreffer kassiert. Für die Pinguins, die gern von der Blauen schießen, ist das eine unangenehme Konstellation. Ein wichtiger Baustein ihres Systems ist der Goalie Adam Scheel. Der Neuzugang aus der KHL feierte bereits ein Shutout und liegt aktuell bei einer Fangquote von 93,4%.

Player to Watch - Konrad Abeltshauser

Mein Player to Watch auf Frankfurter Seite ist Konrad Abeltshauser. Der großgewachsene deutsche Nationalspieler wechselte nach 9 Jahren beim EHC Red Bull München an den Main. Angefangen hat die Karriere des Bad Tölzers allerdings in der kanadischen Jugendliga QMJHL, wo er 2010 von den San Jose Sharks in Runde gedraftet wurde. Nach drei Jahren in der AHL beendete er das „Abenteuer Übersee“ und schloss sich 2016 dem EHC Red Bull München an. Mit seiner Körpergröße von 1,95m und über eine Dekade Profierfahrung bringt er enorme Physis, Ruhe und Sieger-Mentalität in die Defensive der Löwen. Seine größte Stärke: seine Reichweite und sein Stellungsspiel. Sein langer aktiver Schläger macht es Angreifern schwer, im 1-gegen-1 an ihm vorbeizukommen. Doch er ist kein reiner „Enforcer“, er verfügt über solide Puck-Skills und spielt einen präzisen ersten Pass aus der eigenen Zone. Für die Frankfurter Defensive ist er enorm wertvoll. Aktuell kommt er auf viel Eiszeit (+20 Min im Schnitt), einer Zweikampfquote von 57% und 5 geblockten Schüssen.

Konrad Abeltshauser
PLAYSTYLE grinder
POSITION JAHRGANG GRÖSSE GEWICHT
Defender 1992 196 cm 107 kg
Puck Skills 15
Skating 14
Hockey IQ 17
Physical 17
Shooting 14
Defense 17
OVERALL 16

Fazit

Klare Rollenverteilung vor der Partie. Die Pinguins wollen den Puck, die Löwen überlassen ihn ihnen gern. Bremerhaven wird mit Forecheck und Passstaffeten (Cycle) versuchen, Frankfurt in der eigenen Zone festzusetzen. Die Löwen werden genau das zulassen, eng um den Slot verteidigen und auf den Moment warten, in dem die Scheibe erobert ist und es schnell nach vorn geht. Für Fischtown liegt die Gefahr im eigenen Erfolg. Viel Offensivzeit und Schüsse von der Blauen sind gegen diese Defensive kein Rezept, sondern der Plan des Gegners. Wenn sie gewönnen möchten, müssen sie Verkehr vor das Tor bringen, Rebounds erzwingen und in Überzahl endlich liefern. Gerade Verlic und Wejse sind hier gefragt, und mit Tuomie in der ersten Reihe und Smith, der dringend in Abschlussposition kommen muss, hat Bremerhaven auch die Mittel dazu. Zugleich dürfen die Pinguins nicht zu offen agieren: Jeder Scheibenverlust im Angriffsdrittel ist eine Einladung für das Frankfurter Umschaltspiel. Für die Löwen gilt das Gegenteil: Disziplin ist alles. Jede Strafzeit gibt den Pinguins die Chance, ihr Powerplay aus der Krise zu holen, und mit nur wenigen eigenen Abschlüssen können sich die Gäste keine Fahrlässigkeiten leisten. Die Buchmacher sehen die Fischtown Pinguins deutlich vorne. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 68,8% verlassen sie das Eis als Sieger. Ich und auch meine Datenbank sehen es enger, denn laut meinem Rating-System sind der ausgedünnte Pinguins Kader und der Löwen Kader gleichstark. Mein Tipp: Ein enges Spiel mit wenigen Toren, in dem Special Teams und das erste Tor den Ausschlag geben. Geht Frankfurt in Führung, wird es für Bremerhaven doppelt schwer. Treffen die Pinguins zuerst, müssen die Löwen ihre Komfortzone verlassen.

Die Fischtown Pinguins gewinnen... wenn sie bei Scheibenverlusten diszipliniert bleiben und den Weg in den Slot finden.

Die Löwen Frankfurt gewinnen, wenn sie den Slot dichthalten und ihre wenigen Chancen nutzen.

Mein DEL-Fantasy-Manager Tipp: Phillip Bruggisser (3 Pucks)

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Autor
Malte Petz
Beitrag vom
04. Oktober 2026