Meine DEL-Datenbank - die „Ratings“ (Teil 1)

Wie in der „Über mich“-Sektion beschrieben, ist meine ursprünglich für Sportwetten entwickelte Datenbank (im Rahmen eines Wettmodells) das Fundament meines Wissens. Ein kurzer Exkurs: Was will ein Wettmodell überhaupt? Wenn man es kurz zusammenfassen möchte, ist ein Modell eine „Vereinfachung der Realität“. Genau das habe ich mit der DEL (und einigen anderen Ligen) ebenfalls versucht – die Realität auf einige wesentliche Variablen „runterzudampfen“. Die Kernfrage dabei: Wie gut ist ein Team wirklich? Wie stark sind die Spieler im Kader? Wo liegen seine konkreten Stärken im System und wo hat er Schwächen? Herausgekommen ist ein „Rating-Modell“:

Ryan Murphy
PLAYSTYLE offensive defender
POSITION JAHRGANG GRÖSSE GEWICHT
Defender 1993 180 cm 83 kg
Puck Skills 18
Skating 17
Hockey IQ 17
Physical 13
Shooting 15
Defense 15
OVERALL 17

Diese Player Cards sind meine Grundlage, und ich werde in diesem Blog häufig auf sie Bezug nehmen. Wie die Karten entstehen, welche Daten einfließen und was die Werte auf den Visuals genau bedeuten, erfährst du jetzt.

Das Fundament: Die letzten 3 Saisons & Datenquellen

Da die DEL im Vergleich zu Ligen wie der NHL leider noch sehr dünn mit öffentlich zugänglichen Statistiken bestückt ist (zumindest für Privatpersonen), basiert mein Modell auf einem Mix aus quantitativen Fakten und Video- & Spielbeobachtung. Jedes Rating setzt sich aus der Performance der letzten drei Saisons zusammen (wobei die jüngste Saison das höchste Gewicht hat). So verhindere ich, dass ein Ausreißer-Jahr (nach oben oder unten) das Bild komplett verzerrt. In die Ratings fließen ein:

  • Offizielle Ligadaten der DEL & internationalen Ligen (Punkte, Assists, TOI, Strafminuten, Plus-Minus, Faceoff-%).
  • Profil- & Scoutingdaten von Eliteprospects (Physische Parameter, historische Ligen-Erfahrung, Draft-Positionen).
  • Journalistische Berichte & Scouting-Reports aus Nordamerika/Europa (für Importe aus der AHL/NHL oder europäischen Top-Ligen).
  • Eigenbeobachtung: Mein Blick auf Puck-Handling, Stellungsspiel und Entscheidungsfindung unter Druck.

6 Kern-Attribute: Das Profil eines Spielers

Jedem Spieler werden Werte in sechs fundamentalen Kategorien zugewiesen. Diese Werte ergeben ein präzises Profil seiner Fähigkeiten und werden unterschiedlich gewichtet:

  1. Puck Skills: Wie sicher ist der First Touch? Wie gut behauptet der Spieler die Scheibe auf engem Raum oder im Zone Entry?
  2. Shooting: Schussgewalt, Release-Geschwindigkeit, Präzision und Torgefahr (Egal ob Onetimer von der Blauen Linie oder Snipe aus dem Slot).
  3. Hockey IQ: Spielverständnis, Antizipation, Timing bei Pässen und das Erkennen von Räumen mit und ohne Puck.
  4. Defense: Rückwärtsbewegung (Backcheck), Schussblock-Verhalten, Stick-Work an der Bande und Stellungsspiel im eigenen Drittel.
  5. Physical: Zweikampfstärke, Bodychecks, Net-Front-Presence und die Bereitschaft, dorthin zu gehen, wo es wehtut.
  6. Skating: Antritt, Top-Speed, Kantenarbeit und Agilität auf dem Eis.

Wie du das Visual liest: Um das Ganze auf einen Blick erfassbar zu machen, bündele ich diese Faktoren auf den Player Cards Ein Beispiel aus der Praxis: Ryan Murphy

  • Gesamtstärke (OVR): Eine komprimierte Kennzahl der Leistungsfähigkeit im Liga-Vergleich (BSP: 17 von 20)
  • Playstyle (Rollen-Profil): Offensive Defender (Zeigt, in welcher Rolle der Spieler seinem Team am meisten hilft).

Wichtig: Ein Spieler mit einem niedrigeren Gesamt-Rating ist nicht automatisch „schlecht“. Ein spezialisierter 2-Way Attacker mit einem OVR von 14 kann für die Penalty-Kill-Formation eines Teams wertvoller sein als ein Offensiv-Spezialist mit OVR 17, der defensiv nicht mitarbeitet. Es geht immer um „Passung“ und Teamchemie.

Was bedeuten die Zahlen (1–20)?

Die Bewertung der einzelnen Attribute basiert auf einer 1-20-Skala. Wichtig dabei: Alle Ratings sind relativ zum Niveau der DEL zu verstehen. Ein Wert von 20 bedeutet also nicht, dass der Spieler der Beste der Welt ist, sondern dass er die absolute Spitze der Deutschen Eishockey Liga darstellt.

RatingNiveau / EinordnungDEL-Beispiel
19 – 20Elite / Absolute LigaspitzeRiley Barber, Ty Ronning
16 – 18Top-Spieler / First-Line-NiveauRyan Murphy, Marc Michaelis etc.
14 – 15Gestandener DEL-StammspielerNicolas Krämmer, Andi Jenike etc.
12 – 13Spieler der DEL2 / Borderline-DELsolider DEL2-Spieler
10 – 11Oberliga-Spieler / TieferSolider Oberliga-Spieler

Warum dieser Ansatz? Durch diese Einordnung wird auf einen Blick klar, wo die Reise hingeht: Wenn ein Neuzugang aus der DEL2 ein Skating-Rating von 15 mitbringt, weißt du sofort, dass er das Tempo in der DEL mitgehen kann, aber im Passing (z. B. Rating 11) Anpassungsprobleme bekommen könnte.

Ratings nicht gleich Spielprognose!

Ein wichtiger Hinweis zum Schluss: So detailliert diese Spieler-Ratings auch sind – sie sind nicht das alleinige Modell, das hinter meinen früheren Wettanalysen stand. Ein reiner Aufsummierungs-Vergleich von Spielerwerten reicht niemals aus, um ein Eishockeyspiel vorherzusagen. In ein echtes Prognose-Modell fließen noch viele weitere, dynamische Faktoren ein:

  • Trainer & System-Passung: Passt die Taktik des Coaches zum Spielermaterial?
  • Teamchemie & Reihen-Zusammenstellung: Welche Synergien entstehen auf dem Eis?
  • Kontext-Faktoren: Heim-/Auswärtsstärke und Reisebelastung
  • Kader-Situation: Aktuelle Verletzungen und Sperren.
  • Das Element „Form“: Regression zum Mittelwert – also das Unterscheiden von echtem Trend und reinem Glück/Pech (z. B. extrem hohe oder niedrige Shooting-Percentages).
  • Die Wettquote: Der mathematische Gegenwert des Marktes.

In Teil 2 geht’s weiter mit den Spielertypen...

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Autor
Malte Petz
Beitrag vom
07. September 2026