Matchday: Eisbären Berlin vs. Straubing Tigers (17.09.2026, GW 1)

Endlich wieder Eishockey! Die neue DEL-Saison steht vor der Tür und beginnt direkt mit einer Neuauflage. Der Titelverteidiger aus Berlin eröffnet die neue Spielzeit ausgerechnet gegen die Straubing Tigers – jenen Gegner, den man im vergangenen Frühjahr erst im Viertelfinale der Playoffs mit 4:2 aus dem Weg räumen musste, ehe der zwölfte Meistertitel der Vereinsgeschichte folgte. In Berlin hat sich seitdem einiges getan, denn hinter der Bande steht nun Éric Dubois. Er beerbt den fünffachen Meistertrainer Serge Aubin, der in Bern ein neues Projekt angeht. Straubing hingegen hält an Trainer Craig Woodcroft und dem Kern seines Spielsystems fest. Umbauen mussten die Tigers allerdings im Tor, denn Henrik Haukeland bekam ein lukratives Angebot aus der KHL und steht inzwischen für Traktor Chelyabinsk zwischen den Pfosten. Ihn beerben soll der Tscheche Jakub Skarek, der von der Organisation der San Jose Sharks an den Pulverturm wechselt. Die zentrale Frage zum Auftakt: Kann der Rekordmeister sein Tempo-Eishockey unter neuer Leitung nahtlos fortsetzen, oder nutzt Straubing den Berliner Umbruch und kann zum Start Punkte aus der Uber Arena entführen?

Eisbären Berlin

Wie werden die Eisbären Berlin auflaufen? Trotz des Trainerwechsels bleibt der Kern des Meisterkaders zusammen. Kapitän Kai Wissmann und Jonas Müller bilden weiterhin das erste Verteidiger-Pärchen, unterstützt von Korbinian Geibel, Mitch Reinke und Adam Smith. Für noch mehr defensive Stabilität könnte Brandon Davidson ins Line-up rutschen. Der erfahrene Kanadier wechselte aus Brno in die Hauptstadt und soll Markus Niemeläinen ersetzen. Er agiert physisch, zweikampfstark und spielte nach langer Verletzungspause eine gute Vorbereitung. Für ihn könnte Eric Mik in den Angriff rücken. Im Tor gibt es dagegen einen kompletten Umbruch: Die Meister-Goalies Jake Hildebrand und Jonas Stettmer – Final-MVP der Vorsaison – haben den Verein verlassen. Neue Nummer eins ist Jack LaFontaine, ein ehemaliger Zweitrunden-Pick der Carolina Hurricanes, der zuletzt in der ECHL mit einer Fangquote von 92,8 % überzeugte. Offensiv liegt die Last weiterhin auf Ty Ronning und Liam Kirk, den beiden Top-Scorern der Mannschaft. Ronning kam in der Vorsaison auf starke Werte, Kirk erzielte in 52 Spielen 32 Tore und 55 Punkte – ebenfalls Topwerte. Als Center zwischen den beiden erwarte ich Gabriel Fontaine, der aus München zurück in die Hauptstadt wechselt. Fontaine ist ein 2-Way-Attacker und Allrounder, der seine größte Stärke im defensiven Stellungsspiel hat. Somit ist er die perfekte Ergänzung zu den offensiv-denkenden Ronning & Kirk. Die zweite Reihe dürften Leo Pföderl, Andi Eder und Eric Hördler (Tiffels, wenn fit) bilden. Gespannt sein darf man auf die Rolle von U23-Stürmer Tobias Krestan. In den ersten CHL-Spielen war Krestan bereits Teil der Rotation und kam auf ordentlich Spielzeit. Der 18‑jährige Draftpick der LA Kings ist körperlich definitiv ready für die DEL (88kg bei 1,88 m). Im Rating-System startet der Spielertyp „Scorer“ mit einer 13, doch ich traue ihm durchaus zu, diesen Wert schnell nach oben zu schrauben. Fraglich für die Partie ist Freddy Tiffels, der zuletzt in der CHL fehlte. US-Center Patrick Khodorenko wird definitiv ausfallen, da er weiterhin auf Krücken unterwegs ist.

Tobias Krestan
PLAYSTYLE scorer
POSITION JAHRGANG GRÖSSE GEWICHT
Attacker 2008 188 cm 88 kg
Puck Skills 14
Skating 14
Hockey IQ 13
Physical 12
Shooting 14
Defense 12
OVERALL 13

Style of Play - Eisbären Berlin

Was die taktische Idee der Eisbären Berlin ist, lässt sich natürlich noch nicht seriös beantworten, da die Stichprobe unter Dubois einfach zu gering ist. Die bisherigen CHL-Auftritte (2:6 in Genf, 2:8 in Davos + Siege gegen Graz und Herning) sind noch keine verlässliche Basis, aber ein erster Einblick.

Muster #1 - aggressiver Forecheck

Das Markenzeichen unter Aubin war ein schnelles und gut strukturiertes Spiel. Es basierte auf Tempo, Laufbereitschaft, harter Verteidigung vor dem eigenen Tor und einer starken Mannschaftsarbeit. Aubin selbst sagte, dass die Mannschaft den Forecheck nutzt, weil das immer ihre Stärke war. Durch den harten Forecheck nervt man den Gegner und bleibt eng am Spieler, um ihm wenig Raum und Zeit zu lassen. Dieses Prinzip – F1 attackiert früh und hart, die Defensive verkürzt den Gap, um so den Gegner zu schlechten Entscheidungen zu zwingen – machte Berlin zu einem der besten „Corsi“-Teams der Liga. Dubois ist gut beraten, dies in Zukunft so beizubehalten.

Muster #2 - taktische Flexibilität

Aubin fand eigentlich immer die passende Strategie für den jeweiligen Gegner. Wenn der Gegner Aufbauprobleme hatte, wurde der eigene Forecheck intensiviert, ohne dass die Mannschaft dabei „overcoacht“ wirkte. Diese Fähigkeit, das System situativ nachzuschärfen statt starr zu bleiben, war eine seiner größten Stärken. Unter Dubois soll dieses Prinzip weiterleben. Am System festhalten und situativ anpassen.

Wo sind die Eisbären verwundbar?

Ein Muster, das sich bereits unter Aubin zeigte, konnte man auch in den ersten Dubois-CHL‑Spielen beobachten. Verwundbarkeit gegen schnelle, konterstarke Gegner – genau dann, wenn der eigene hohe Druck durchbrochen wird. Bei der 8:2 Niederlage gegen den HC Davos fing man sich gleich mehrere Gegentore aus schnellen Kontern und zwei Powerplay-Treffer innerhalb einer Minute im zweiten Drittel. Der aggressive Forecheck-Stil, der die Eisbären offensiv so stark macht, ist riskant. Er lebt davon, dass die Mannschaft schneller im Zugriff ist als der Gegner. Statt selbst Fehler zu erzwingen, produziert Berlin die eigenen Fehlpässe und Zuordnungsprobleme, die zu Kontern und Überzahlsituationen führen.

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Nachstellung des 2:0 gegen Herning in der CHL. Der Befreiungsschlag von Reinke landet beim dänischen Verteidiger, der eigentlich genug Zeit hat. Eric Hördler setzt aggressiv nach, setzt sich gegen beide Verteidiger durch und schließt erfolgreich ab. Hördler kombiniert hier eine tolle Einzelleistung mit Laufbereitschaft und harter Arbeit. Dafür möchte Berlin stehen.

Straubing Tigers

Die Tigers haben ihre starke Offensiv-Achse zusammengehalten: Die beiden „Speedster“ Nick Halloran (57 Punkte in 50 Spielen) und Tyler Madden haben ihre Verträge verlängert und bilden gemeinsam mit Kapitän Marcel Brandt sowie den Assistant-Kapitänen Alex Green und Stefan Loibl das Rückgrat des Teams. Verstärkt wurde die Offensive zusätzlich durch „hungrige“ Neuzugänge wie Jamieson Rees und Spencer Kersten. Wie bereits oben erwähnt gab es einen Umbruch im Tor, denn Jakub Skarek bildet nun mit Florian Bugl zusammen das neue Goalie-Duo. Ob er in die großen Fußstapfen von Haukeland treten kann, bleibt abzuwarten. In der Verteidigung setzt man auf das bewährte Personal. Mit Nicolas Beaudin behält man einen pucksicheren und intelligenten Verteidiger. Adrian Klein bekleidet die U24‑Position und auch der talentierte Max Bleicher kann sich Hoffnungen auf Eiszeit machen. Neu am Pulverturm ist der „Offensive Defender“ Joseph Duszak. Duszak ist quirlig, ein guter Skater und hat seine Stärken im Spielaufbau. Im defensiven Spiel ist der Neuzugang aus Niznekamsk allerdings verwundbar. Er wird an der Seite von Marcel Brandt agieren.

Joseph Duszak
PLAYSTYLE
POSITION JAHRGANG GRÖSSE GEWICHT
Attacker 1997 175 cm 80 kg
Puck Skills 18
Skating 17
Hockey IQ 16
Physical 13
Shooting 16
Defense 14
OVERALL 17

Style of Play - Straubing Tigers

Muster #1 - Transition als Identität

Das prägendste Muster ist nicht die Offensive selbst, sondern der Übergang dorthin. Straubing kreiert Chancen und macht Tore, indem sie Fehler des Gegners – Scheibenverluste, schlechte Wechsel, riskante Pässe – in unmittelbaren Druck verwandelt. Mit Halloran und Madden hat man zwei Spieler, die perfekt dafür geeignet sind, diese Puckgewinne in Tore umzuwandeln. Auch Neuzugang Jamieson Rees könnte dieser Spielstil entgegenkommen.

Muster #2 - Kontrolle statt Verwaltung

Woodcroft steht für eine klare Struktur. Das bedeutet, die Tigers wollen die neutrale Zone eng machen und den Gegner zwingen, Pucks tief zu spielen oder Fehler zu produzieren – nicht durch einen offenen Schlagabtausch, sondern durch kompakte Positionierung.

Wo sind die Tigers verwundbar?

Man muss den Tigers die Transition nehmen und sie in lange und körperbetonte Zonenphasen zwingen. Die Tigers-Identität lebt vom Umschaltspiel – sie wollen Fehler des Gegners sofort bestrafen und über Tempo Nadelstiche setzen. Es macht also Sinn, das Spiel bewusst zu verlangsamen: knappe, sichere Pässe statt riskanter Stretch-Pässe, längere Scheibenbesitzphasen in der Offensivzone, viel Körperkontakt an der Bande und das Spiel in die "hard areas" ziehen, wo Tempo keine Rolle spielt.

0:00/0:00

Inspiriertes Tor von der Berlin vs Straubing Playoff-Serie aus der letzten Saison. Die Berliner haben Straubing eigentlich in der gegnerischen Zone eingeschnürt. Der rechte Verteidiger hat keine optimale Position, sein Schussversuch wird von Straubings Center JC Beaudin abgefangen. Er schaltet direkt um und bringt Nick Halloran ins Spiel. Der "Speedster" hat viel freie Fläche vor sich und kann nicht mehr eingeholt werden. Er lässt den Goalie im 1‑gegen-1 keine Chance und der Puck zappelt im Netz.

Statistischer Vergleich

Was sagen die Zahlen? Die Teamstatistiken sagen noch gar nichts – was aber vor dem ersten Spieltag auch kein großes Wunder ist. Mein Ratingmodell sieht Berlin vorne. Zur Erklärung: Ich rechne hier die Ratings der 2 × Goalies, 7 × Verteidiger, 12 × Stürmer und den Wert für die Teamchemie zusammen, daraus ergibt sich ein Gesamtscore. Hier kommt Berlin auf 424 Punkte und Straubing auf 409 Punkte. Die reine Kaderqualität + Passung spricht also für Berlin. Diese Favoritenrolle sehen auch die Buchmacher so. Hier ist Berlin aktuell vorne mit einer Siegwahrscheinlichkeit von 70,9% (inklusive OT/Penalty).

Fazit

Beide Teams haben keine gute Vorbereitung gespielt. Die Eisbären agierten in der CHL anfangs wirklich schwach, als man sich u. a. von Davos „abschlachten“ ließ. Die Heimspiele im „Welli“ gegen Graz und Herning sahen aber schon deutlich besser aus. Ich gehe trotzdem von Durchhänger-Phasen im Spiel der Berliner aus, da ein neues Goalie-Duo + komplett neuer Coaching-Stuff schon ein großer Einschnitt sind. Die Berliner werden ein bisschen Zeit brauchen, um sich neu zu (er)-finden. Auf die Leistung der Tigers bin ich wirklich gespannt. Auf dem Papier hat man einen eingespielten Kader, eine feste Achse und spannende Neuzugänge. In den letzten Wochen hagelte es trotzdem Niederlagen – 3:6 gegen Wolfsburg, 1:3 gegen Mountfield und ein 2:7 gegen Budějovice. Ich habe leider keine Bilder und keine Statistiken zu den Spielen, doch für gute Stimmung sorgen solche Ergebnisse sicher nicht. Ich bin Fan davon, Testspiele nicht überzubewerten und deshalb den Fokus auf den 17.09. zu legen. Meisterbanner-Zeremonie vor dem Spiel – emotional aufgeladene Stimmung, ausverkaufte Halle. Ich erwarte eine umkämpfte Partie. Ein hohes Schussvolumen, Rushes von Halloran und Ronning und zwei neue Goalies unter besonderer Beobachtung. Am Ende sehe ich leichte Berliner Vorteile aufgrund der qualitativ (leicht) besseren Offensive und des Heimvorteils. Darauf wetten würde ich aber nicht…

Berlin gewinnt, wenn… sie Straubing in ihrer eigenen DZ einschnüren, das Spiel verlangsamen und das Transition-Spiel der Straubinger stoppen.

Straubing gewinnt, wenn… sie kompakt in der NZ stehen, Berlin zu Turnover zwingen und die Konter erfolgreich abschließen.

Mein Kicktipp-Tipp: 3:2 für Berlin

Mein DEL-Fantasy-Manager Geheimtipp: Tobias Krestan (1 Puck)

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Autor
Malte Petz
Beitrag vom
04. Oktober 2026