Die Straubing Tigers haben 2025/26 mit 101 Punkten einen neuen Vereinsrekord aufgestellt und die Hauptrunde auf Platz 3 beendet. Der große Wurf blieb allerdings aus, denn im Playoff-Viertelfinale war gegen den späteren Meister aus Berlin Endstation. Straubing gehört mittlerweile zu einem Topclub in der DEL und das zeigen auch die Zahlen: Im Corsi-Ranking belegten die Tigers den ersten Platz mit 56,52 %. Daraus kann man ableiten: Die Tigers dominieren, haben den Puck und damit die Spielkontrolle. Damit dies so bleibt, steht in der neuen Saison weiterhin Craig Woodcraft an der Bande. Im Kader gibt es allerdings einige Veränderungen. Torwart und Schlüsselspieler Henrik Haukeland ging überraschend in die KHL, in seine Fußstapfen soll der Tscheche Jakub Škarek treten. Mit Hudson Elynuik, Spencer Kersten, Joseph Duszak und Jamieson Rees wurde einiges an Speed und Power verpflichtet. Dazu bleiben Stützen wie Marcel Brandt, Tyler Madden, Stefan Loibl und Top-Stürmer Nick Halloran den Tigers erhalten. Die neue Spielzeit beginnt für die Niederbayern auswärts beim amtierenden Meister Berlin am 17. September 2026 – dort können sie direkt eine offene Rechnung begleichen.
Der Coach - Craig Woodcraft
Craig Woodcroft kennt die DEL in- und auswendig. Als Spieler war er zwischen 1996 und 2002 unter anderem für die Kölner Haie, Kassel Huskies, Frankfurt Lions und Moskitos Essen in der DEL aktiv. Seine Trainerkarriere startete allerdings in der NHL als Skills- und Development-Coach. 2014 ging es zurück nach Deutschland, wo er als Co-Trainer mit den Adler Mannheim die Meisterschaft gewinnen konnte. Danach ging es steil weiter – als Cheftrainer zu Dinamo Minsk in der KHL. Im Februar 2025 übernahm Woodcroft die Tigers als Nachfolger des freigestellten Tom Pokel, der die Tigers-Organisation lange geprägt hatte. Sein Konzept lässt sich klar umreißen: Woodcroft setzt auf eine aggressive und strukturierte Spielweise mit einem klaren taktischen Konzept, das auf Dominanz und Spielkontrolle ausgerichtet ist. Zudem wird ihm eine ausgeprägte Stärke in der Talentförderung zugeschrieben. In seinem Trainerteam gibt es zur neuen Saison eine Änderung. Der ausscheidende Marc-André Gragnani, wird durch Gary Shuchuk ersetzt. Der 59-Jährige bringt enorm viel DEL- und amerikanische College-Erfahrung (NCAA) mit an den Pulverturm.

Der neue Mann zwischen den Pfosten heißt Jakub Škarek. Der 26-jährige Tscheche wechselt von der Organisation der San Jose Sharks nach Straubing. In meinem Rating-System erhält der Mann, der auf 2 × NHL-Einsätze kommt, eine Overall 16. Überdurchschnittlich gut, aber (noch) nicht auf Haukeland-Niveau. Hinter ihm lauert Florian Bugl auf seine Chance.
Abwehr: Schlüsselspieler ist hier weiterhin Marcel Brandt. Mit 18 Toren und 29 Assists in 57 Spielen konnte sich der 34-Jährige letzte Saison nochmal steigern. Der „Offensive Defender“ gehört mit einem Rating von 19 zur spielerischen Ligaspitze. Seine größte Waffe ist der „Slap Shot“ von der Blauen. Sein neuer Reihenpartner könnte Joseph Duszak werden. Duszak ist ebenfalls „Offensive Defender“ und hat in der AHL und KHL bereits nachgewiesen, dass er Punkte am Fließband produzieren kann. Mit seiner Übersicht und Passfähigkeit, wird er das Powerplay und den Spielaufbau der Tigers steuern. Schwächen hat er, ähnlich wie Brandt, in der Rückwärtsbewegung und in physischen Duellen. Ein weiterer wichtiger Baustein in der Straubinger Abwehr bleibt Nicolas Beaudin. Der „2-Way-Defender“ hat seine Stärken ebenfalls im Passspiel. Zudem verfügt der ehemalige First-Round-Pick der Carolina Hurricanes über eine Spielübersicht, die in der DEL ihresgleichen sucht. Gespannt bin ich auf die weitere Entwicklung von Adrian Klein. Durch seine physischen Voraussetzungen (190 cm, 96 kg) bringt er exzellente körperliche Voraussetzungen mit, um die eigene Zone zu verteidigen. Bei der vielen Offensivqualität im Straubinger Kader, wird der U24-Spieler eine wichtige Rolle einnehmen. Weitere Kaderspieler sind Alex Green, Mario Zimmermann, Stephan Daschner und die jungen Moritz Kukuk und Max Bleicher.
Sturm: Die Tigers haben die schnellste und agilste erste Reihe der DEL. Angeführt wird sie von Nicholas Halloran (letzte Saison – 58 Spiele, 25 Tore und 38 Assists). Halloran vereint Speed, einen gefährlichen Schuss und eine technisch starke Scheibenführung. In der DEL-Topscorer-Liste wird er wieder oben zu finden sein. Auf der anderen Seite der Reihe agiert ein ähnlicher Spielertyp – Tyler Madden. Mit 22 Toren und 19 Assists in 45 Spielen hatte er eine starke erste Saison im Tigers Trikot. Auch er verfügt über einen explosiven Antritt und eine enge Scheibenführung. Der neue Center zwischen diesen beiden „Speedstern“ heißt JC Beaudin. Er ist ein „2-Way-Attacker“, der stark im Backchecking und im defensiven Stellungsspiel ist. Das auch er über Scoring-Touch verfügt, hat er vor 2 Jahren in Finnland gezeigt, wo ihm in 57 Spielen 42 Punkte gelangen. In dieser Reihe, traue ich dem Ex-Wolfsburger ähnliche Werte zu. In der zweiten Reihe agiert ebenfalls ein sehr starker Center mit einem Rating von 17. Stefan Loibl, wahrscheinlich einer der komplettesten deutschen Stürmer. Er verfügt über ein exzellentes Stellungsspiel, ist ein starker Backchecker und kann seine Mitspieler offensiv einbinden. An seiner Seite agieren wird wahrscheinlich Taro Jentzsch. Nach einer verhaltenen letzten Saison, soll es für den Neuzugang aus Iserlohn, nun wieder bergauf gehen. Der gebürtige Berliner hat feine Hände, ein solides Grundtempo und eine hohe Passgenauigkeit. Mit diesen Skills passt er perfekt ins System von Craig Woodcraft. Passen und zu alter Stärke zurückfinden, soll auch Neuzugang Jamieson Rees. Der Kanadier wechselt von den Belleville Senators aus der AHL an den Pulverturm. Er wurde in Runde 2 gedraftet und konnte früh überzeugen. 2022/23 gelangen ihm für die Chicago Wolves (AHL) 42 Punkte in 65 Spielen. Es folgten Saisons, in denen er mehr auf die Verteidigung fokussiert war. Er kann aggressiv spielen und mit seinem Tempo für Kontergefahr sorgen. Ich erwarte ihn in einer Reihe mit Danjo Leonhardt und Spencer Kersten. Weitere Offensiv-Akteure sind Simon Seidl, Tim Brunnhuber, Skyler McKenzie, Hudson Elynuik, Filip Varejcka und Linus Brandl.
Nick Halloran
PLAYSTYLE
speedster
| POSITION |
JAHRGANG |
GRÖSSE |
GEWICHT |
|
Attacker
|
1997
|
178 cm
|
80 kg
|
OVERALL
19
Unter Craig Woodcroft setzen die Straubing Tigers auf ein aggressives, forecheck-basiertes System. Der Schlüssel liegt im hohen Druck auf den Puckträger bereits im gegnerischen Drittel. Das Ziel: ein früher Schreibengewinn. Direkt daran gekoppelt ist ihr Umschaltspiel. Spieler wie Nick Halloran und Tyler Madden sind dafür prädestiniert, das Spiel schnell zu machen und den Gegner zu überrumpeln. Auch im Puckbesitz (Cycling) sind die Straubinger brandgefährlich. Die Verteidiger rücken in der Offensivzone aktiv nach, um den Puck abzufangen, den Druck dauerhaft aufrechtzuerhalten oder selber abzuschließen. Straubings Erfolg basiert also weniger auf Sondersituationen oder Einzelkönnern, sondern mehr auf einem disziplinierten Kollektivsystem mit Tempo, Zweikampfstärke und konsequentem Forechecking.
Ein mögliches Tormuster, inspiriert aus der Vorsaison. Halloran spielt die Scheibe in die Rundung und hinter das Tor. Der gegnerische Torwart spielt einen Fehlpass und der Puck landet bei Duszak. Der fackelt nicht lange, doch sein Slap Shot landet wieder hinterm Tor. Tyler Madden ist schneller am Puck, spielt seinen Gegenspieler aus und spielt mit der Rückhand durch die "Royal Road". Die Abwehr ist unsortiert, Nicholas Halloran steht frei und kann abziehen. Der Puck zappelt im Netz.
Klar, der Abgang von Henrik Haukeland tut weh, hier büßt man einiges an Qualität und Erfahrung ein. Trotzdem ist mit den Straubing Tigers zu rechnen. Sie haben clevere Transfers getätigt. Duszak, Jentzsch, Rees oder ein JC Beaudin passen perfekt ins System von Woodcraft. Škarek hat Potenzial und mit Halloran, Brandt und N.Beaudin hat man wichtige Stützen gehalten. Mit am wichtigsten: Die Tigers sind perfekt gecoacht, eingespielt und haben eine klare taktische Identität. Ob es qualitativ reicht, um die Liga-Elite um Köln, Mannheim und Berlin zu schlagen, wird man sehen. Sicher ist: Am Pulverturm wird keine gegnerische Mannschaft leichtes Spiel haben. Meine Prognose: Kampf um die direkten Playoffs