Saisonvorschau 2026/27 - Schwenninger Wild Wings

Wenn die Schwenninger Wild Wings am 18. September mit dem Heimspiel gegen die Löwen Frankfurt in die neue DEL-Saison starten, können die Fans optimistisch auf die kommenden Monate blicken. Unter Steve Walker hat man sich nämlich zu einer Mannschaft entwickelt, die um die Playoffs mitspielt. In der vergangenen Saison sprang zur Hauptrunde der 9. Tabellenplatz heraus und die Frage ist: Geht es dieses Jahr noch weiter nach oben? Die große Konstante an der Bande bleibt, denn Walker geht in seine 4. Saison als Schwenninger Head Coach. Im Kader gab es allerdings ein paar Veränderungen. Die Ära der beiden Spink-Zwillinge ist vorbei. Die beiden quirligen Flügelstürmer zieht es nach Dresden in die DEL2. Mit Thomas Larkin und Ben Marschall beendeten zwei erfahrene Defensivstützen ihre Karrieren. Offensiv wurden die Verträge mit Kontingentstürmer Tim Gettinger und Felix Scheel nicht verlängert. Neu dafür in der Uhrenstadt sind u. a. die Verteidiger Thomas Schemitsch, Bode Wild und Alex Peters. Dazu kommen neu im Angriff Austin Ortega, Eric Cornel, Reed Lebster, Vadim Schreiner und der Königstransfer aus der KHL: Curtis Valk.

Der Coach - Steve Walker

Hinter der Bande der Wild Wings steht seit 2023 ein Mann, der in Deutschland längst Kultstatus genießt. Steve Walker war zwischen 1990 und 2011 selbst aktiver Eishockeyspieler und bestritt über 600 Spiele für die Eisbären Berlin, mit denen er insgesamt fünfmal die Deutsche Meisterschaft gewann. Nach dem Karriereende blieb er dem Eishockey treu. Von 2012 bis 2015 trainierte er in einer kanadischen Jugendliga, bevor er 2015 Assistenztrainer bei den Adler Mannheim wurde. 2017 übernahm er als Cheftrainer den EC Klagenfurt in Österreich. 2019 folgte der Schritt zum EHC Red Bull München, an die Seite von Don Jackson. In Schwenningen schlug Walker sofort ein: Bereits in seiner ersten Saison als Cheftrainer wurde er zum DEL-Trainer des Jahres gewählt. Dabei begeisterte seine Mannschaft (vor allem zu Hause) mit einer aggressiven Spielweise, die Struktur und Kreativität auf dem Eis vereint. Sein Ziel lautet: "Wir wollen Schwenningen nachhaltig zu einem Team machen, das immer ein Anwärter auf die Playoffs ist." Diese Philosophie überzeugte den Klub, den Vertrag mit dem Kanadier vorzeitig bis 2028 zu verlängern. Unterstützt wird Walker von seinem neuen Co-Trainer Jack Skille. Sein Sohn Ben fungiert als Videocoach.

mögliche Aufstellung 2026(27 der Schwenninger Wild Wings.

Der Kader im Detail

Tor: Joacim Eriksson (seit 2020 im Verein) wird weiterhin als Nummer 1 das Tor hüten. Seit 6 Jahren fängt der erfahrene Schwede konstant über 90% und gehört damit zu den besten Goalies der Liga. Sein Herausforderer ist ein Neuzugang aus München - Simon Wolf.

Abwehr: Mit Thomas Schemitsch konnte man einen starken „Offensive Defender“ (Rating 17) nach Schwenningen locken. Der Kanadier wurde 2024 mit den Eisbären Berlin deutscher Meister und verbrachte die letzten 2 Saisons bei den Augsburger Panther. Seine Stärken sind sein Schlagschuss von der Blauen und seine starke physische Präsenz. Sein Partner könnte Alex Peters werden. Der Neuzugang aus Finnland (Lukko) ist der typische „Grinder“, der den Slot aufräumt und Bandenzweikämpfe gewinnt. In sein zweites Wild-Wings-Jahr geht der Schwede Eric Martinsson (letzte Saison – 5 Tore und 25 Assists in 51 Spielen). Er verfügt über eine exzellente Scheibenbeherrschung und eine ausgeprägte taktische Reife. In meinem Rating-System bekommt der „2-Way-Defender“ eine 17. An dieses Rating kommt Neuzugang Bode Wild noch nicht ganz ran. Der Amerikaner mit deutschem Pass, konnte sich mit 52 Punkten in 66 DEL-2‑Spielen für die erste Liga empfehlen. Wild kann sich trotz seiner Größe von 1,90m hervorragend bewegen und verfügt über einen starken Blueliner. Schwächen hat er allerdings in der Rückwärtsbewegung und der Entscheidungsfindung unter Druck. Mit einem Rating von 14, hat er das Potenzial, sich langfristig in der DEL zu etablieren. Weitere Verteidiger im Kader sind Alex Trivellato, Arkadiusz Dziambor, Dominik Bittner, Will Weber und die beiden Youngster Niclas Hempel und Niklas Hübner.

Sturm: Der neue „Playmaker“ der Wild Wings hört auf den Namen Curtis Valk. Nach 8 Jahren KHL und einem Kurzausflug zum HC Lugano in die Schweiz, geht es für den 33-Jährigen nun in die DEL. Durch seinen niedrigen Schwerpunkt (1,75m groß) ist er sehr quirlig, verfügt über einen guten Offensivinstinkt und findet immer eine Lücke für seine Mitspieler. Bedienen soll er in Zukunft seinen Reihenpartner – Austin Ortega. Ortega ist ein starker Scorer, den seine Agilität und ein gefährlicher Handgelenkschuss auszeichnen. Bei Ortega allerdings mit eingepreist, ist eine mangelhafte defensive Mitarbeit. Die erste Reihe komplett macht Alexander Karachun. Der „Power Forward“ überzeugt durch Kaltblütigkeit im Slot, physische Präsenz und eine starke Schusspräzision. Neu bei den Wild Wings ist der Flügelstürmer Reed Lebster. Lebster hat einen etwas ungewöhnlichen Karriereweg, denn er blieb bis Mitte 20 am College (University of Massachusetts). Die letzten zwei Jahre verbrachte er bei den Utah Grizzlies in der ECHL (letzte Saison – 62 Punkte in 72 Spielen). Dort arbeitete er mit dem neuen Co-Trainer Jack Skille zusammen. Lebster scheut keinen Zweikampf, hat eine tolle Arbeitsmoral und macht viele seiner Tore im Slot. Mit einem Rating von 15 gehört er zu den schwächeren Importspielern in der DEL, hat aber mit erst 27 Jahren noch genug Raum, um sich weiterzuentwickeln. Auch gespannt bin ich auf die weitere Entwicklung von Phillip Feist. Der U24-Spieler verpasste verletzungsbedingt einige Spiele, konnte aber zuvor überzeugen. Feist agiert auf dem Eis mit viel Laufbereitschaft und hoher Arbeitsrate im Forecheck, was ihn zu einem wichtigen Baustein in Walkers System macht. Wichtig für das System sind auch die beiden Center Kyle Platzer und Eric Cornel, die ich in Reihe 2 und 3 erwarte. Beide agieren clever, arbeiten stark nach hinten und haben ihre Stärke im Passspiel. Philipp Hungerecker, Mirko Höfflin und Sebastian Uvira, allesamt „2-Way-Attacker“, ergänzen die deutsche Rotation. Weitere Angreifer sind Hakon Hänelt, Vadim Schreiner und Boaz Bassen.

Curtis Valk
PLAYSTYLE playmaker
POSITION JAHRGANG GRÖSSE GEWICHT
Attacker 1993 175 cm 77 kg
Puck Skills 17
Skating 17
Hockey IQ 18
Physical 13
Shooting 16
Defense 15
OVERALL 17

Der taktische Ansatz

Steve Walker erwartet von seiner Mannschaft einen aggressiven und druckvollen Forecheck. Gerade zu Hause auf der kleineren Eisfläche wird der Gegner früh und tief in der eigenen Zone attackiert. Das Ziel ist es, den gegnerischen Spielaufbau zu überfordern, Scheibenverluste zu provozieren und Zeit in der offensiven Zone zu gewinnen. Eng daran verknüpft ist ein schnelles Umschalten nach Scheibengewinn. Spieler wie Valk und Ortega sind dafür prädestiniert, die ungeordnete gegnerische Abwehr zu überlaufen. Mit Thomas Schemitsch hat man nun eine weitere Facette im Spiel, da er von der Blauen eine permanente Gefahr darstellt. Defensiv versucht Schwenningen, kompakt zu stehen, Pässe zu unterbinden und schnell wieder in den Gegenangriff zu kommen.

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Ein typisches Tormuster. Der Gegner befindet sich im Spielaufbau. Curtis Valk geht aggressiv auf den puckführenden Gegner, auch Ortega und Karachun pressen. Der aufgerückte Peters gewinnt den Zweikampf an der Bande und bedient Austin Ortega. Ortega lässt seinen Gegenspieler aussteigen und spielt den Puck zu Thomas Schemitsch. Währenddessen sind Karachun und Valk im Slot präsent. Schemitsch kommt frei zum Abschluss und der Puck zappelt im Netz.

Ausblick

Die Kaderplanung der Wild Wings spricht für Kontinuität statt für Umbruch. In der Defensive sehe ich Schwenningen gut aufgestellt. Eriksson, Schemitsch, Martinsson und auch Peters besitzen Ratings von über 16. Auch der deutsche Sektor um Trivellato, Bittner oder weiter vorne Höfflin, Hungerecker und Uvira ist sehr solide besetzt. Ein großer Vorteil: Walkers System ist bekannt und der Kern eingespielt. Zudem bleibt der Heimvorteil, durch die kleinere Eisfläche im heimischen Stadion. Ein paar Fragezeichen habe ich bei der offensiven Qualität. Valk hatte die letzten 2 Jahre nicht den besten Scoring-Output. Ortega hat zwar Scoring-Output, doch ob er in Walkers aggressives Forecheck-System passt, ist fraglich. Lebster und Cornel hingegen stehen für harte Arbeit und nicht für Tore am Fließband. Ich bin gespannt wohin die Schwenninger sich entwickeln werden und erwarte sie im Kampf um die (Pre‑)Playoffs.

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Autor
Malte Petz
Beitrag vom
12. September 2026