Der EHC Red Bull München startet mit großen Ambitionen in die neue DEL-Saison. Nach einer Spielzeit, die mit dem Einzug ins Halbfinale und einer knappen Niederlage gegen die Adler Mannheim endete, wollen die Münchener den nächsten Schritt gehen und zum fünften Mal den Titel an die Isar holen. Für dieses Projekt hat Trainer Oliver David einen Kader beisammen, der auf einem stabilen Kern aufbaut, punktuell aber verstärkt wurde. Den Kader schauen wir uns gleich genauer an, doch schonmal vorab… München setzt auf Kontinuität: 21 Spieler aus dem aktuellen Kader werden auch in der kommenden Saison für das Team von Trainer Oliver David auflaufen. Zudem ist ihnen mit der Verpflichtung und Rückkehr von Dominik Kahun ein echter Coup gelungen. Die Rückkehr ins Halbfinale allein wird den eigenen Ansprüchen aber kaum genügen – nach der knappen Niederlage gegen Mannheim ist der nächste logische Schritt der Sprung ins Finale und der Angriff auf den fünften Meistertitel der Vereinsgeschichte.
Hinter der Bande der roten Bullen steht Oliver David. Der 47-jährige US-Amerikaner aus Los Angeles begann seine Trainerlaufbahn vor 16 Jahren in der amerikanischen Juniorenliga NAHL. 2013 wechselte er in die höherklassige USHL, wo er 2020 zum „Head Coach of the Year“ gewählt wurde. Danach führte ihn sein Weg nach Europa – zunächst als Assistenztrainer beim Schweizer Erstligisten EHC Biel-Bienne, ehe er 2023 das Cheftraineramt beim EC Red Bull Salzburg übernahm. Dort war er direkt erfolgreich: Mit den Salzburgern gewann David zwei Jahre in Folge, 2024 und 2025, den Titel in der ICE Hockey League. Zum 1. Mai 2025 wechselte er innerhalb der Red-Bull-Organisation nach München. David versteht sich als moderner, kommunikativer Coach, der seinen Spielern bewusst Freiräume lässt Für seine Mannschaft setzt er auf: viel Tempo und Variabilität in der Offensive. Unterstützt wird David von einem erfahrenen Stab. An seiner Seite arbeitet Co-Trainer Rob Leask, ein Deutsch-Kanadier, der als Verteidiger über zehn Spielzeiten in der DEL aktiv war und zuvor zehn Jahre lang Assistenzcoach bei den Straubing Tigers war. Ergänzt wird das Trainerteam durch Max Kaltenhauser, der bereits seit 2024 in München im Verein ist, dort zwischenzeitlich sogar als Cheftrainer ausgeholfen hatte und sich inzwischen wieder auf seine Rolle als Co-Trainer konzentriert.

Tor: München geht mit einem der besten Goalie Duos in die Saison. Zum einen haben sie Matthias Niederberger. Mit starken Leistungen in der DEL und im DEB-Dress verdiente er sich einst den Spitznamen „die Krake“. Letzte Saison kam er verletzungsbedingt nur auf 18 Spiele. Antoine Bibaeu, letzte Saison nachverplichtet, konnte in München direkt überzeugen. Mit einer Fangquote von 92,4 % und einem Gegentorschnitt von nur 1,92 konnte der ehemalige NHLer direkt überzeugen. Wenn beide fit sind, hat Oliver David und sein Trainerteam hier die Qual der Wahl.
Abwehr: Trevor Carrick heißt der neue Mann, der in der SAP-Arena von der Blauen scoren soll. Carrick ist einer der komplettesten Spieler der DEL und bringt eine enorme Erfahrung von über 800 AHL‑Spielen mit an die Isar. Neben seiner physischen Präsenz verfügt er über einen wirklich brutalen Schlagschluss, der bei einer All-Star-Competition mal mit 162 km/h gemessen wurde. Zum Vergleich: Fischtowns Bruggisser kommt auf 160 km/h. Bedienen soll ihn in Zukunft Ryan Murphy. Der offensiv-denkende Verteidiger hatte eine starke erste Saison in München (55 Spiele, 43 Punkte). Mit seinen Stärken im Puckhandling und im Passspiel würden die beiden hervorragend harmonieren. Als wirklich starke Verpflichtung bewerte ich den Transfer von Lukas Klok. Klok ist ein kompletter und robuster Two-Way-Verteidiger. Durch seine Stationen in der KHL, der schweizer National League (SC Bern, EHC Kloten), SHL (Rögle) sowie Einsätze bei Olympia und Weltmeisterschaften bringt er eine immense internationale Klasse
nach München. Klok verfügt über Zweikampfhärte, Spielverständnis und am wichtigsten… einen deutschen Pass. Sein Reihenpartner könnte der Finne Ville Pakko werden, der ein weiteres Jahr in München bleibt. Die Abwehr wird vervollständigt von Maxi Kastner, Fabio Wagner, Maximilian Daubner und den U23-Spielern Rio Kaiser und Moritz Warnecke.
Sturm: Dominik Kahun ist zurück! 2018 verließ der 31‑jährige Stürmer die Landeshauptstadt Richtung Übersee. 182 NHL-Spiele, 5 Jahre NL (SC Bern, Lausanne HC) und eine Olympia-Silbermedaille später ist er zurück. Kahun kombiniert Agilität, geschmeidiges Puck-Handling und eine starke Spielintelligenz. Er ist kein physisch starker Power-Forward, sondern eher Kategorie „Edeltechniker“. Mit einem Rating von 18 gehört er zur Ligaspitze. Für Physis könnte sein möglicher Reihenpartner sorgen – Brady Ferguson. Der „2-Way-Attacker“ hat seine Stärken am Bullypunkt und verfügt über ein starkes defensives Stellungsspiel. Ein weiterer Center, der in München bleibt, ist Chris de Sousa. Er kombiniert eine enorme Torgefahr, mit starkem Puck-Handling und einer extrem physischen (und provozierenden) Spielweise. Verletzungsbedingt kam er letzte Saison nur auf 28 Hauptrundenspiele, konnte dort aber mit genau 28 Punkten überzeugen. An seiner Seite agiert Taro Hirose. Der Left-Wing verfügt über die Skills eines klassischen Playmakers. Er ist kein Spieler, der gegnerische Abwehrreihen mit Top-Speed & Physis überrennt, sondern ein „Intellektueller“. Hirose seziert Verteidigungen durch herausragende Übersicht und präzise Pässe. Eine weitere Importlizenz geht etwas überraschend nach Österreich, denn Lucas Thaler wechselt innerhalb der Red-Bull-Organisation nach München. Thaler ist der klassische „2-Way-Attacker“, der mit sehr viel Fleiß gegnerische Angreifer anläuft und über ein hohes Grundtempo verfügt. In meinem Rating-System steigt er mit einer Overall 15 ein, doch ich traue dem Österreicher zu, diesen Wert weiter zu steigern. Ein etwas höheres Rating (aktuell 16) hat ein anderer Neuzugang, denn Elis Hede wechselt aus Straubing zu den Red Bulls. Mit 18 Toren und 16 Assists in 45 Spielen machte der junge deutsche Flügelstürmer in der letzten Saison auf sich aufmerksam. Hede gehört in die Kategorie „Speedster“, denn er gehört zu den schnellsten Schlittschuhläufern der Liga. Im auf Tempo ausgerichteten Münchener Offensivspiel, könnte Hede den Fans im SAP-Garden in Zukunft viel Freude bereiten. Weitere Spieler im Münchener Angriff sind Veit Oswald, Tobias Rieder, Jeremy McKenna, Yasin Ehliz, Patrick Hager, Markus Eisenschmid, Philipp Krening und Luis Becker.
Dominik Kahun
PLAYSTYLE
playmaker
| POSITION |
JAHRGANG |
GRÖSSE |
GEWICHT |
|
Attacker
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1995
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180 cm
|
79 kg
|
OVERALL
18
Die Red Bulls unter Oliver David setzen auf ein hohes Tempo-Eishockey mit aggressivem Forecheck und schnellem Umschaltspiel. Statt auf starre Systeme vertraut David auf variable Laufwege und viel Bewegung ohne Puck, wodurch die Offensivreihen – allen voran um de Sousa, Hirose, Kahun und Ehliz – für gegnerische Verteidigungen schwer auszurechnen sind. Defensiv setzt München auf druckvolles Forechecking bereits in der neutralen Zone, um gegnerische Angriffe früh zu unterbinden. Insgesamt steht die Spielidee für Intensität, Flexibilität und Tempo. Statistisch auffällig: Der Corsi-Wert ist mit 56 % bereits titelreif. Was genau das bedeutet, kannst du in meiner Hockeyschule nachlesen (kommt im Laufe der Saison).
Ein typisches Tormuster: Ryan Murphy versucht Chris de Sousa anzuspielen, doch der kann den Puck nicht kontrollieren. Der Puck geht in die gegnerische Zone und der Angriff ist erstmal vorbei. Die beiden Flügelstürmer, insbesondere Veit Oswald, schalten sofort um und gehen aggressiv und mit viel Tempo in den Forecheck. Der Verteidiger geht hinter das Tor, doch vertendelt da den Puck. Oswald gewinnt die Scheibe, spielt zum freistehenden Hirose, der sofort zu de Sousa weiterleitet. Die Verteidiger kommen nicht mehr in den Zweikampf bzw. Block und der Puck zappelt im Netz.
Ausblick: München geht als einer der Topfavoriten in die Saison 2026/27. Der eingespielte Kader, verstärkt mit u. a. Carrick, Klok, Hede und Kahun, sowie ein zweites Jahr unter Oliver David sprechen für eine stabile Hauptrunde im vorderen Tabellendrittel – Platz 1 bis 3 erscheinen realistisch. Ich finde das Team qualitativ stärker als letzte Saison und mit Kahun hat man einen weiteren Spieler im Line-Up, der den Unterschied machen kann. Wenn Oliver David und sein Team es schaffen, eine Einheit zu bilden, traue ich ihnen den großen Wurf zu. Meine Prognose: Meisterschaftskandidat