Die Nürnberg Ice Tigers haben sich in der DEL zu einem gestandenen Mittelfeld-Klub entwickelt, der Jahr für Jahr um die (Pre-)Playoffs mitmischt. Für die IceTigers verantwortlich ist der Sportdirektor Stefan Ustorf – und der hatte in diesem Sommer alle Hände voll zu tun. Gleich elf Abgänge galt es zu kompensieren, darunter mit Brett Murray, Will Graber, Cole Maier und Roman Kechter mehrere tragende Säulen des Teams. Insgesamt haben 145 Scorerpunkte die Franken verlassen. Für frischen Wind sorgen sollen mehrere Neuzugänge aus Nordamerika: Mit Ryan Jones, William Dufour, Austin Magera und Jackson Cates holte man Spieler, die neue Impulse ins Nürnberger bringen sollen. Ergänzt wird das Aufgebot durch die beiden jungen deutschen Stürmer Nikolaus Heigl und Noah Samanski, deren Entwicklung noch lange nicht abgeschlossen ist. Für Kontinuität an der Bande sorgt weiterhin das eingespielte Trainerduo um Cheftrainer Mitch O'Keefe und seinen Assistenten Jochen Hecht. Ob die neu formierten IceTigers die nötige Qualität besitzen, um ernsthaft die obere Tabellenregion anzugreifen, wird sich zeigen. Fest steht schon jetzt: An Talent und Potenzial mangelt es den Franken nicht.
Der Coach - Mitch O’Keefe
Der Coach der Nürnberg IceTigers heißt Mitch O'Keefe. Der 41-jährige Kanadier, war selbst kein Stürmer oder Verteidiger, sondern stand als Torhüter zwischen den Pfosten – zunächst am College, später in der ECHL und AHL. 2010 ging es erstmals nach Europa zum slowenischen Verein HK Jesenice. Seine Spielerkarriere ließ er von 2014 bis 2017 beim HC Amiens in Frankreich ausklingen. Seine Trainerkarriere begann 2018 als Torwarttrainer beim HC Innsbruck, wo er 2020 zum Cheftrainer befördert wurde. In dieser Rolle führte er Innsbruck in der Saison 2022/23 auf den dritten Platz der österreichischen Liga und damit bis in die CHL. Nürnberg wurde auf ihn aufmerksam und verpflichtete ihn. In seiner ersten DEL-Saison führte O'Keefe die Ice Tigers auf den achten Tabellenplatz der Hauptrunde und durch den Sieg in der ersten Playoff-Runde gegen Schwenningen erstmals seit 2019 wieder ins Viertelfinale. Der Klub belohnte ihn mit einer vorzeitigen Vertragsverlängerung bis 2028. Taktisch steht O'Keefe für Kontinuität. Er setzt auf strukturierte Defensivarbeit, die gezielte Entwicklung junger Talente und einen aggressiven Forecheck in der gegnerischen Zone.

Tor: Hier geht man mit einer deutsch-deutschen Lösung in die neue Saison. Niklas Treutle, seit 2017 ein IceTiger, wird weiterhin das Tor hüten. Der 35-Jährige verfügt über eine Menge Erfahrung. Letzte Saison kam er in der Hauptrunde auf 31 Spiele (Fangquote: 89,6 %). Sein neuer Herausforderer heißt Luis Janett, er wechselt aus Biel - Bienne in die Frankenmetropole. In den letzten Jahren pendelte er zwischen erster und zweiter schweizer Liga. Seine beste Saison hatte er 2024 in Thurgau, wo er auf eine Fangquote von 94,1 % kam. In meinem Rating-System erhalten beide (stand jetzt) eine 15, das ist zusammen mit Iserlohn der schwächste Wert. Nürnberg geht hier ins Risiko.
Abwehr: Owen Headrick trägt weiterhin das Trikot der IceTigers und das ist nicht selbstverständlich. Mit einem Rating von 18 gehört er nämlich zu den stärksten Verteidigern der Liga. Headrick ist ein moderner und offensiv ausgerichteter „2-Way-Defender“. Er wird weiterhin eine Schlüsselrolle im Spielaufbau und an der blauen Linie einnehmen. Harte Body-Checks hingegen überlässt er seinen Kollegen – zum Beispiel Ryan Jones. Jones kommt aus Kansas City/ECHL und soll physische Präsenz, harte Bodychecks und ein hohes Durchsetzungsvermögen in die Nürnberger Abwehr bringen. Nicht neu in Bayern, aber neu in Nürnberg ist Chris Jandric. Als frisch gebackener Kelly-Cup-Champion (ECHL-Titel) konnte er die Erwartungen in Ingolstadt (1 Tor, 4 Assists in 30 Spielen) nicht ganz erfüllen. In Nürnberg bekommt der offensive Verteidiger eine neue Chance. Angeführt wird die Verteidigung vom Kapitän Marcus Weber. Er verfügt über ein hervorragendes Stellungsspiel, starke Zweikampfwerte und ist ein verlässlicher Penalty-Killer. Zudem im Kader stehen Jakob Weber, Julius Karrer und Constantin „Tine“ Braun.
Sturm: Auch hier verfügt man über einen Outstanding Player mit enormer Qualität – Evan Barratt. Er ist das offensive Gehirn der Nürnberger (letzte Saison – 16 Tore, 49 Assists in 51 Spielen). Seine größte Waffe ist sein Hockey-IQ. Er antizipiert die Laufwege seiner Mitspieler extrem früh und ist in der Lage millimetergenaue Pässe zu spielen. Ein starker Handgelenkschuss rundet sein offensives Profil ab. Einen ähnlichen Weg soll in Zukunft auch Austin Magera gehen. Der US-Amerikaner wechselt von den Fort Wayne Comets (ebenfalls ECHL) nach Nürnberg. Letzte Saison gelangen ihm in 88 Spielen 40 Treffer und 49 Assists. Magera agiert enorm effizient, kann den Angriff strukturieren und arbeitet verantwortungsbewusst mit nach hinten. Mit im Gepäck hat er einen Teamkollegen, denn auch William Dufour wechselt an die Pegnitz. Dufour ist ein hochspannender Transfer mit einem ungewöhnlichen Karriereweg. Die Karriere des ehemaligen 5.Runden-Picks begann in der NHL bei den New York Islanders. Die schickten ihn „runter“ in die AHL, wo er direkt zum Scorer avancierte. In den letzten zwei Jahren geriet seine Karriere ins Stocken. Die Scoring-Werte ließen nach, ein Ausflug in die russische KHL scheiterte und eine Leihe erneut in die AHL ebenfalls. An der Seite von Magera bei den Fort Wayne Comets lief es dann wieder besser (19 Punkte in 17 ECHL-Playoffspielen). Dufours größte Stärke ist sein Wristshot im vollen Lauf und sein One-Timer. Zudem ist er mit 96kg ein sehr physischer „Power Forward“. Über NHL-Erfahrung verfügt auch ein weiterer Neuzugang – Jackson Cates. Cates ist kein risikofreudiger Show-Maker, sondern der Prototyp eines taktisch starken „2-Way-Attackers“, der an beiden Enden der Eisfläche ackert. Viele Nordamerikaner in Nürnberg, doch auch der deutsche Sektor wurde verstärkt. Dafür wurden die Heigl-Zwillinge wiedervereint. Neben Thomas (letzte Saison – 24 Punkte in 52 Spielen) spielt nun Nikolaus bei den IceTigers – er kommt neu aus München. Angeführt wird der deutsche Sektor von Samuel McDove-Falls, der sich in Nürnberg sogar zum Nationalspieler entwickelt hat. Mit einem Rating von 17 gehört er zu den besten deutschen Centern. Er vereint eine starke Physis, mit effektiver Scheibenbehauptung und einer hohen Effizienz vor dem gegnerischen Tor. Weitere Spieler im Angriff sind Tyler Spezia, Greg Meireles, Noah Samanski, Josef Eham, Jake Ustorf und Timo Bakos.
Evan Barratt
PLAYSTYLE
playmaker
| POSITION |
JAHRGANG |
GRÖSSE |
GEWICHT |
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Attacker
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1999
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181 cm
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87 kg
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OVERALL
18
Nürnberg versucht den Gegner bereits im eigenen Drittel zu attackieren und die Scheibe
zu gewinnen. Mit Spezia, Cates oder Dove-McFalls hat man einige Spieler, die ordentlich Kilometer machen und den Gegner im Aufbauspiel stressen können. Der gewonnene Puck geht entweder sofort steil auf die Stürmer oder zu einem der offensiven Verteidiger. Headrick und Jandric werden sich häufig in den Angriff mit einschalten und als Anspielstation fungieren. Was aber definitiv besser werden muss im Nürnberger Spiel, sind die Special Teams. Während das Powerplay mit 18,9 % noch im Liga-Mittelfeld lag, war das Penalty-Killing mit 75,2 % wirklich schlecht.
Tormuster: Der Gegner befindet sich im Aufbau, Nürnberg positioniert sich im 1-2-2 Forecheck. Magera presst den puckführenden Verteidiger und drängt ihn zur rechten Seite. Als einzige Option bleibt ihm der Pass auf seinen RW, der aber von Tyler Spezia attackiert wird und den Puck verliert. Spezia schaltet direkt um und spielt in den Lauf von Austin Magera. Der geht Richtung Tor, legt nochmal ab, Dufour lässt den Goalie aussteigen und der Puck zappelt im Netz.
Stefan Ustorf hat nicht nur einen tollen NHL-Podcast, sondern auch ein tolles Gespür für „moneyballartige“ Transfers. Damit meine ich Spieler, die aus vermeintlich schwächeren Ligen kommen oder zuletzt nicht die besten Zahlen aufgelegt haben und dann in Nürnberg funktionieren. Vom Tor der IceTigers bin ich allerdings nicht vollends überzeugt – Treutle ist solide, Janett ein kleiner Gamble. Ob die Wette aufgeht, wird man sehen. Die Abwehr ist gut aufgestellt. Headrick ist einer der besten „2-Way-Defender“ der Liga. Karrer, die Webers, Jones und Braun stehen für Konstanz und gute Defensivarbeit. Chris Jandric hat das Potenzial, wenn man ihm das Vertrauen schenkt, sich zu einem guten DEL-Verteidiger zu entwickeln. Die Offensive ist für Nürnberger Verhältnisse wirklich stark besetzt. Evan Barratt wird wieder abliefern und ist für 40+ Assists gut. Bei Magera und Dufour besteht Explosionspotenzial. Den Heigls und Samanski traue ich zu, sich ins Blickfeld des DEBs zu spielen (wo McDove-Falls ja bereits ist). Mit Cates, Meireles und Spezia verfügt der Kader zudem über defensivstarke 2-Way-Attacker, sie runden den Kader ab. Nürnberg ist definitiv eines der spannendsten Projekte der Liga. Ich erwarte sie im Kampf um die Playoffs. Meine Prognose: Pre-Playoffs