Saisonvorschau 2026/27 - Löwen Frankfurt

Die letzte Saison verlief so, wie die Vorderseite ihres Trikots aussieht: relativ langweilig. Nur die (Nicht‑)Leistung der Dresdner Eislöwen rettete die Löwen Frankfurt davor, mit in den Abstiegskampf verwickelt zu werden. Trotzdem entspricht der 13. Platz natürlich nicht den Erwartungen. Für einen Standort mit diesen Möglichkeiten (Infrastruktur, Wirtschaft) ist das einfach zu wenig. Statistisch auffällig und beunruhigend - im Corsi-Ranking belegten die Löwen mit 42,38% den letzten Platz. Es zeigt, wie harmlos die Löwen offensiv waren, denn sie haben nur 1689 Schüsse abgegeben (zum Vergleich: der Topwert lag bei 2402/Ingolstadt). Defensiv war es nur bedingt besser mit 2296 zugelassenen Schüssen (nur Dresden und Augsburg waren schlechter). Man kann den Corsi-Wert zwar nicht als „wahre Leistung“ bezeichnen (da wären die XGoals interessanter), dennoch sollten sich die Löwen offensiv steigern. Positiv: Tom Pokel darf diesmal seinen eigenen Kader zusammenstellen, nachdem er im Laufe der letzten Saison von Tom Rowe übernahm. Ein weiteres positives Zeichen: Eintracht Frankfurt steigt als Minderheitsgesellschafter ein und übernimmt u.a. die Verantwortung für Vermarktung und Sponsoring. Wirtschaftlich sollte das nochmal neue Türen öffnen…

Der Coach - Tom Pokel

Seit November 2025 steht Tom Pokel an der Bande der Löwen Frankfurt. Er folgte damit auf den entlassenen Tom Rowe, unter dem die Mannschaft schlecht in die Saison gestartet war. Pokel bringt enorm viel DEL-Erfahrung mit. Acht Jahre lang war er Cheftrainer der Straubing Tigers, führte den Club dreimal in die Champions Hockey League und erreichte zweimal Platz drei in der DEL-Hauptrunde. Nach dem Trainerwechsel wirkten die Löwen deutlich selbstbewusster und wacher. Ein Derbysieg gegen Mannheim und eine knappe Niederlage beim Rekordmeister aus Berlin machten den Anfang. Die Defensive konnte er im Laufe der Saison deutlich stabilisieren. Die Baustelle „Angriffsspiel“ blieb. Generell ist Tom Pokel ein Trainer, der für ein strukturiertes und intensives Eishockey steht. Er fordert von seinen Spielern Disziplin, Laufbereitschaft und setzt auf schnelle Umschaltmomente. In Straubing hat er bewiesen, dass er einen Standort entwickeln kann, wenn man ihm die Zeit lässt. Die Löwen Frankfurt sind also gut beraten, sich Zeit zu lassen und auf Kontinuität zu setzen. Unterstützt wird Pokel von seinem Co-Trainer Emil Rasmussen.

mögliche Aufstellung Löwen Frankfurt 26/27

Der Kader im Detail

Tor: Adam Scheel ist der neue Mann zwischen den Pfosten. Der 27-jährige Amerikaner stand zuletzt in der KHL für Barys Astana auf dem Eis. Dort überzeugte er mit einer Fangquote von 90,8%. Vorher war er im amerikanischen Unterbau (AHL/ECHL) unterwegs. Sein Karrierehighlight dürfte die Hauptrunde der Saison 22/23 gewesen sein, in der er für die Idaho Steelheads mit einer Fangquote von 93,2 % und einem Gegentorschnitt von nur 1,97 seinen Kasten sauber hielt. Sein Back-up ist Cody Brenner, der in Frankfurt auch schon überzeugen konnte (Fangquote von 91,5 % in der Saison 24/25).

Abwehr: Ein ehemaliger Stürmer taucht hier ganz oben in meiner Liste auf. Linus Fröberg, ursprünglich mal Center & Playmaker, wurde im Laufe der letzten Saison zum Verteidiger umfunktioniert. Mit 10 Toren und 26 Assists führte er die interne Scorerliste der Löwen an. Er hat seine Stärken in der Spielübersicht und Puckkontrolle. Diese Skills bringt er nun in den Frankfurter Spielaufbau ein. Wenn man ihm einen defensiv starken Partner an die Seite stellt, können die Löwen von dieser Entscheidung enorm profitieren. Dieser Partner könnte Konrad Abeltshauser sein. Für den Routinier ist Frankfurt die erste DEL-Station, außerhalb von München. Mit knapp 2 Metern Körpergröße und über 100 kg bringt er körperlich Präsenz, eine enorme Reichweite (Stick Checking) und einen ruhigen ersten Pass mit an den Main. Über viel Erfahrung verfügt auch der Kapitän – Maksim Matushkin. Der „Offensiv Defender“ geht in seine vierte Saison im Löwen Dress. In meinem Rating-System bekommt er eine Overall „17“, was ihn zu einem Top-Defender in der DEL macht. Er leitet das Powerplay der Löwen, verfügt über einen starken One-Timer und hat eine enorme Ruhe am Puck. Verwundbar ist er allerdings in der Rückwärtsbewegung und in physischen Duellen. Matushkin wird wieder viel Eiszeit „fressen“, ähnlich wie der junge Fabio Kose. Der U-20 Nationalspieler konnte letzte Saison überzeugen und entwickelte sich auf Anhieb zu einer festen Größe in Pokels System. Mit 1,90 m und über 90 kg ist er enorm robust in Zweikämpfen und nutzt seinen Schläger clever, um Angriffe zu unterbinden. In meinem Rating-System schloss er die Saison mit einer „14“ ab, hat aber durchaus das Potenzial, seinen Wert zu steigern. Ein kleiner Rückschlag: Aufgrund einer Oberkörperverletzung wird er zum Start der neuen Saison fehlen. Weitere Verteidiger im Kader sind Michael Joyaux, Björn Krupp (neu aus Wolfsburg), Daniel Wirt und Philipp Bidoul.

Sturm: Brandon Biro, so heißt der neue Center für die erste Reihe. Der 28-jährige Amerikaner war zuletzt in der KHL unterwegs. Erst für AK Bars Kazan, später für Spartak Moskau. Biro verfügt über Speed, ein exzellentes Offensivbewusstsein und ein starkes Passspiel. In der Saison 2023/24 gelangen ihm für die Rochester Americans in der AHL in 59 Spielen 16 Tore und 27 Assists. In der Saison verdiente er sich Einsätze in der NHL und traf gegen die Philadelphia Flyers sogar doppelt. Im Jahr zuvor performte er noch stärker (51 Punkte in 49 Spielen/AHL). Seine Stats und Scoutingberichte gefallen mir sehr und sorgen für einen Overall-Wert von 18. Das ist dasselbe Niveau wie beispielsweise ein Michaelis oder Agostino. Er wird den Frankfurtern viel Spaß machen. Bedienen soll er in Zukunft seinen Flügelstürmer – Anthony Romano. Der 25-Jährige kommt als frisch gebackener Kelly-Cup-Champion in die DEL. Mit 17 Punkten in 20 Spielen schoss er seine Florida Everblades zum Titel in der ECHL. Romano ist der typische „Sniper“ mit gutem Torinstinkt und hartem Schlagschuss. Er ist gut auf den Schlittschuhen, bringt ein physisches Fundament mit (1,80 m – 88 kg), wird sich aber an die Defensivarbeit in der DEL gewöhnen müssen. Die Reihe wird komplettiert von Austin Wagner. Der dynamische „2-Way-Attacker“ hat lange auf höchstem Niveau gespielt und kommt auf 178 NHL-Spiele für die LA Kings & Chicago Blackhawks. Es folgten Stationen in Schweden und Russland. Wagner wurde nicht als Scorer verpflichtet, sondern als Umschalt- und Unterzahlspieler. Seine absolute Top-Disziplin ist sein Speed und Antritt, hier ist er Liga-Spitze. Dazu kommen ein gutes Gespür beim Forecheck, gepaart mit einer hohen Arbeitsrate. Auffällig: Teilweise sehr viele Strafzeiten, zum Beispiel 118 PIM in der schwedischen SHL vor drei Jahren – das ist Ryan-Olsen-Level. Ein Akteur, der weiterhin offensiv Verantwortung übernehmen wird, ist Cameron Brace. Der quirlige Kanadier geht in seine 4. Löwen-Saison und war bisher einer der konstantesten im Frankfurter Offensivspiel. Letzte Saison gelangen ihm in 52 Spielen 15 Tore und 20 Assists. Seine größte Stärke ist der „Wrist Shot“, ein präziser und schneller Handgelenkschuss. Ansonsten verfügt der Löwenangriff über einige starke „2-Way-Attacker“, die Frankfurt zu einem unangenehmen Gegner machen sollen: Daniel Pfaffengut, Matthew Wedman (in meiner Datenbank sogar ein „Hooligan“), Dominik Uher, Robin van Calster, Eric Uba, Markus Schweiger, Noah Dunham und der 10. Importspieler Ty Glover. Die U23-Stellen besetzen Matej Leden und Timo Kose.

Maksim Matushkin
PLAYSTYLE offensive defender
POSITION JAHRGANG GRÖSSE GEWICHT
Defender 1990 179 cm 82 kg
Puck Skills 18
Skating 16
Hockey IQ 18
Physical 15
Shooting 17
Defense 14
OVERALL 17

Die taktische Identität

Wenn ich mir den Frankfurter Kader anschaue, denke ich an eins: „Physical Grind“. Ich erwarte eine körperbetonte und hart spielende Mannschaft. Spieler wie Matthew Wedman (94 kg), Dominik Uher (92 kg), Ty Glover (91 kg), Robin van Calster (91 kg), Daniel Wirt (98 kg), Konrad Abeltshauser (105 kg) oder Björn Krupp (92 kg) sind alles schwere Jungs, die enorm viel Masse mitbringen. Dazu kommen harte Arbeiter wie Austin Wagner, Markus Schweiger oder Daniel Pfaffengut. Der Plan der Löwen wird lauten: aggressiver Forecheck + blitzschnelles Umschalten und physische Wucht im Slot. Mit Austin Wagner hat man eine Waffe, um den Gegner unter Druck zu setzen und zu Fehlern zu zwingen. Er (und seine Reihenpartner) werden versuchen, Scheibenverluste zu provozieren und die Scheibe schnell Richtung Tor zu bringen. Ansonsten werden die Löwen versuchen, den Gegner in Bandenduelle zu verwickeln, Spieler in den Slot zu bekommen und defensiv die Mitte dichtzuhalten.

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Ein mögliches Tormuster: Offensivbully für die Löwen Frankfurt und die erste Reihe steht auf dem Eis. Der Gegner gewinnt das Bully, aber die Scheibe geht in die Ecke. Austin Wagner stürmt los und gewinnt den Zweikampf gegen den Verteidiger. Er läuft hinter das Tor und hat nun mehrere Optionen. In dem Fall setzt sich Brandon Biro durch und schiebt die Scheibe ins Tor. Mit Matushkin und Wirt hat er aber noch zwei Optionen von der Blauen. Zudem kämpft Romano um seinen Platz im Slot.

Ausblick

Ich finde die Löwen Frankfurt besser aufgestellt als letzte Saison. Im Tor gibt es ein klares Upgrade. Ich halte Adam Scheel für eine sinnvolle Verpflichtung und traue ihm zu, ein überdurchschnittlich guter DEL-Goalie zu werden. Auch die Abwehr gefällt mir. Mit Matushkin, Joyaux und Fröberg hat man drei Akteure, die über eine hohe Puckkontrolle verfügen, die die Scheibe bringen können (Deking) und einen starken Schuss von der Blauen haben. Dazu hat man mit Wirt, Abeltshauser und Krupp die passenden Gegenparts. Wenn Fabio Kose zurückkommt, gewinnt man hier noch mehr Qualität. Das mir Brandon Biro sehr gefällt, konnte man schon herauslesen, aber generell finde ich die erste Reihe ziemlich stark. Ich halte die Kombination aus 2-Way-Attacker + Playmaker + Sniper für die beste, die man machen kann, und genau das verkörpern die drei. Aber bevor ich die Frankfurter zu einem Playoff-Team mache, kommt jetzt der Downer – ab Reihe 2 fehlt’s mir an Qualität. Cameron Brace ist der einzige Spieler mit Scoring-Output, der Rest ist fürs Verteidigen angestellt. Zumindest bisher – ich traue Spielern wie Pfaffengut, Wedman oder Schweiger durchaus zu, ihre Torquote zu steigern, und dann kann es für die Löwen eine gute Saison werden. Meine Prognose: Kampf um die (Pre)-Playoffs.

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Autor
Malte Petz
Beitrag vom
12. September 2026