Saisonvorschau 2026/27 - Krefeld Pinguine

Am 30.03.2022 war es so weit: Eine 1:6-Niederlage gegen die Adler Mannheim besiegelte den Abstieg der Krefeld Pinguine. Ein unrühmliches Ende für den deutschen Meister von 1952 und 2003, nach einer Saison voller Geldnot und mysteriöser Manager. Nun ist die Stimmung eine andere, denn die Krefeld Pinguine sind zurück. Nach einer herausragenden Saison und einer 12:0-Bilanz in den Playoffs, steht am Ende ein verdienter Aufstieg in die DEL. Defensiv stellte die Mannschaft von Tomas Popiesch die stabilste Mannschaft der Liga, offensiv sorgten mehrere Reihen für konstante Torgefahr. Für die DEL bleibt ein Großteil der Meistermannschaft zusammen, u. a. das kanadische Trio um Vandane, Newton und Santos. Sie sollen auch im Oberhaus gemeinsam wirbeln. Verstärkt wurde der Kader punktuell, mit dem finnischen Torwart Juha Jatkola, den beiden Verteidigern Stuart Percy und Max Gildon sowie dem US-amerikanischen Außenstürmer Kevin Wall. Die Fans in der Yayla Arena träumen sicherlich schon von den spannenden Duellen gegen die Größen der Liga. Ob aber ein erfolgreicher Erstliga-Alltag ebenso gelingt wie der furiose Aufstieg, wird sich bald zeigen…

Der Coach - Thomas Popiesch

Thomas Popiesch, gebürtiger Ost-Berliner, floh 1989 über die ungarische Grenze aus der DDR – eine Geschichte, die ihn früh prägte. Als Spieler stand er dann unter anderem in Duisburg, Essen, Nürnberg und auch schon einmal in Krefeld auf dem Eis. Seine Trainerlaufbahn führte ihn acht Jahre lang zu den Fischtown Pinguins Bremerhaven, die er zu einem konstanten DEL-Team machte und später sogar ins Finale coachte. Seit Mai 2024 ist er wieder bei den Krefeld Pinguinen, seinem "Heimatverein", wie er selbst betont. Taktisch steht Popiesch für ein mutiges und offensives Eishockey: In der Meister-Saison waren seine Pinguine mit über fünf Toren pro Spiel das torhungrigste Team der Liga. Unterstützt wird er künftig vom neuen Co-Trainer Thomas Dolak sowie Torwarttrainer Danny aus den Birken.

mögliche Aufstellung Krefeld 26/27

Der Kader im Detail

Tor: Das Torhüter-Duo bilden Felix Bick und Juha Jatkola. Bick war letzte Saison die unangefochtene Nummer 1 und hielt besonders in den Playoffs mit einem Gegentorschnitt von 1,99 und einer Fangquote von 92 % seinen Kasten sauber. Er konkurriert mit dem finnischen Neuzugang Juha Jatkola um den Stammplatz. Jatkola wurde 2023 von den Nashville Predators gedraftet und verbrachte die letzten Jahre in der finnischen ersten „Liiga“. Für „KooKoo“ fing er letzte Saison in 24 Spielen konstante 90 %.

Abwehr: Mit 64 Punkten in 62 Spielen war Davis Vandane einer der Garanten für den Aufstieg der Pinguine. Der „Offensive Defender“, der seine Stärken im Passspiel hat, kennt die DEL bereits aus Frankfurt und soll besonders mit seinem offensiven Output begeistern. An seiner Seite verteidigen wird der Neuzugang Stuart Percy. Der Routinier verbrachte die letzten 5 Jahre in Tschechien und besticht durch seine Spielintelligenz, ein gutes Passspiel und eine starke Puckkontrolle. Meine Datenbank bewertet ihn mit einer 16, womit er der Krefelder Abwehr sehr guttun wird. Ein weiterer Neuzugang ist Max Gildon (letzte Saison HC Bolzano – 53 Spiele, 7 Tore und 34 Assists bei +33), der die DEL bereits aus Mannheim kennt. Das Kraftpaket (1,92m und 94 kg) agiert enorm physisch, räumt den Slot auf und verfügt trotz seiner Größe über eine feine Scheibenbehandlung. Generell haben einige Krefelder Verteidiger einiges an DEL‑Erfahrung vorzuweisen, zum Beispiel Oliver Mebus, Mick Köhler und Erik Buschmann. Zack Dybowski und Carl Konze vervollständigen die Abwehr.

Sturm: Der Königstransfer im Sturm heißt Tanner Kero. Der NHL-erfahrene „2-Way-Attacker“ wechselt aus Köln (letzte Saison in 41 Spielen – 11 Tore und 18 Assists bei +17) in die Seidenstadt. Er erhält ein Rating von 16 (bester Wert im Angriff) und hat seine größten Stärken im defensiven Backchecking sowie in einer starken Entscheidungsfindung. Ein weiterer Neuzugang ist Yannick Proske, der die U24-Position besetzen wird. Proske wechselt von den Adler Mannheim (letzte Saison in 51 Spielen – 4 Tore und 2 Assists bei +5) nach Krefeld und ist ebenfalls ein „2-Way-Attacker“. In Krefeld dürfte er seine Spielzeit weiter steigern. Für Tore sorgen soll in der neuen Saison der „Sniper“ Max Newton. Mit 38 Toren und 53 Assists war er maßgeblich am Aufstieg beteiligt. Der 29-jährige Kanadier verfügt über einen starken Handgelenkschuss, eine exzellente Scheibenbehandlung und einen hohen Hockey-IQ. An seiner Seite könnte eine echte DEL-Legende agieren, nämlich Philipp Gogulla. Der Routinier, mit über 1.100 DEL-Spielen verfügt immer noch über eine herausragende Spielübersicht, antizipatives Raumgefühl und über „feine Hände“. Über ähnlich viel Erfahrung verfügt Marcel Müller. Der „Power Forward“ bringt eine enorme Wucht (1,94m und 104 kg) aufs Eis und ist enorm abgezockt vor dem gegnerischen Gehäuse. Für etwas „frisches Blut“ soll der Neuzugang Kevin Wall sorgen. Der US-Amerikaner wechselt von den Tahoe Knight Monsters/ECHL nach Krefeld, wo er letzte Saison mit 21 Toren und 37 Assists in 51 Spielen überzeugte. Seine stärkste Kategorie ist sein Torabschluss, denn er verfügt über einen schnellen Release und einen starken One-Timer. Mit seiner Agilität bringt er eine weitere Facette ins Krefelder Spiel. Die weiteren Ausländerlizenzen gehen an Mathew Santos und CJ Suess. Die Kategorie „Deutsch und erfahren“ vervollständigen Alexander Weiß, Adam Payerl, Roope Mäkitalo, Mark Zengerle und Daniel Bruch. Die U-Positionen besetzen Luca Hauf und Tim Schütz.

Max Gildon
PLAYSTYLE two way defender
POSITION JAHRGANG GRÖSSE GEWICHT
Defender 1999 192 cm 94 kg
Puck Skills 15
Skating 14
Hockey IQ 16
Physical 18
Shooting 16
Defense 16
OVERALL 16

Der taktische Ansatz

Taktisch wird Popiesch seinen offensiven DEL2-Stil nicht eins zu eins mitnehmen können. Über fünf Tore pro Spiel waren ein Wert der zweiten Liga – in der DEL, wo jeder Gegner läuferisch stärker ist und die Zeit am Puck knapper bemessen, dürften diese Statistiken nicht zu halten sein. Krefelds Kader lebt von erfahrenen, spielintelligenten Akteuren, die läuferische Nachteile über Antizipation, cleveres Stellungsspiel und Abgeklärtheit in Überzahlsituationen kompensieren müssen. Entsprechend nüchtern fällt auch das Saisonziel aus: Es geht in erster Linie um den Klassenerhalt, nicht um die Fortsetzung der Offensivshow. Popiesch dürfte seine Mannschaft also disziplinierter und defensiv kompakter ausrichten, mit einem stärkeren Fokus auf Special Teams statt auf reinem „Fast-Transition-Hockey“.

0:00/0:00

Typisches Tormuster

Die Krefelder stehen gut gestaffelt im 1-2-2 Forecheck. Besonders die Reihe um Suess-Kero-Wall ist für den Gegner schwer zu bespielen. Suess macht den Passweg zu und der Gegner spielt D to D (zum anderen Verteidiger). Der Verteidiger (Nr. 3) versucht, seinen Stürmer anzuspielen, doch Percy bekommt den Schläger dazwischen. Keroschaltet am schnellsten, sammelt den Puck ein und geht in den Gegenangriff über. Plötzlich ergibt sich ein 3 auf 2. Kero gewinnt den Zweikampf und legt ab auf die andere Seite, wo Kevin Wall freisteht und mit einem Handgelenkschuss den Gegner überwindet. Der Puck zappelt im Netz.

Ausblick

Krefeld geht einen anderen Weg als letzte Saison Dresden, die ihren Kader nach dem DEL‑Aufstieg komplett umgekrempelt haben. Krefeld setzt stattdessen bewusst auf Kontinuität und den eingespielten Meisterkader. Die Fans freuen sich zu Recht auf die neue Saison, und mit Popiesch steht der perfekte Trainer für diese Aufgabe bereit – erfahren und taktisch flexibel. Der Krefelder Kader besitzt einen hohen Hockey-IQ und ist eingespielt. Sie werden definitiv ein unangenehmer Gegner sein. Doch die entscheidende Frage bleibt: Reicht die Cleverness gegen läuferische Überlegenheit? Der Kader ist alt, klug, aber nicht schnell – und in der DEL könnte am Ende genau diese fehlende Qualität den Unterschied ausmachen. Meine Prognose: Abstiegskampf

Beitrag teilen
Autor
Malte Petz
Beitrag vom
12. September 2026