Die Kölner Haie haben eine tolle Saison hinter sich. Als Hauptrundenerster ging es in die
Playoffs, dort blieb der Traum vom Titel allerdings noch unerfüllt. Im Halbfinale musste man sich dem späteren Meister aus Berlin mit 4:2 geschlagen geben. Trotzdem können die Kölner viel Positives aus der letzten Saison mitnehmen – neben der Hauptrundenmeisterschaft stellte man die Mannschaft mit den meisten Toren. Zudem schnappte sich der nachverpflichtete Torwart Janne Juvonen den Titel als „Spieler des Jahres“. Darauf können die Haie in der neuen Saison aufbauen. Dieses Projekt gehen sie mit einem neuen Trainer an, denn der bisherige Head Coach Kari Jalonen verlässt Köln in Richtung finnische Heimat. Neu an der Bande steht Thomas Berglund, der zuvor erfolgreich in Luleå (SHL) ein Spitzenteam geformt hat. Ihm steht ein eingespielter Kader zur Verfügung, denn der Umbruch fiel gering aus. Mit Robin Press und Markus Ljungh verpflichtete man zwei erfahrene Schweden. Dazu verstärken Daniel Fischbuch, Marcel Noebels und Tim Fleischer die deutsche Rotation. Sie ersetzen die abgewanderten Oliver Kaski, Nathan Schnarr, Parker Tuomie und Dominik Uher.
Der Coach - Thomas Berglund
Ulf Thomas „Bulan“ Berglund ist der neue Mann hinter der Bande. Den durchaus gemeinen Spitznamen „Bulan“ erhielt Berglund als Kind. Nach einem Fahrradsturz bekam er eine große Beule am Kopf, woraufhin man ihn Bulan („der mit der Beule“) taufte. Für „Bulan“ ist es die erste Trainerstation außerhalb Schwedens. 2017 wurde er Cheftrainer von Luleå HF. Die südschwedische Mannschaft formte er zu einem echten Spitzenteam. In der Saison 2024/25 konnte er die schwedische Meisterschaft gewinnen. In der Zeit wurde er 3 × zum Trainer des Jahres in der SHL gekürt. Berglund ließ in Luleå sehr strukturiert spielen. Defensiv setzt er auf enge Räume und kompakte Formationen. Der Gegner soll zu schlechten Entscheidungen gezwungen werden. Zudem agierte sein Team sehr physisch in an der Bande und im Torraum. Wenn man sich die Kanten im Kölner Kader um Juhani Tyrväinen (spielte 4 Jahre unter Berglund in Luleå), Louis-Marc Aubry oder Patrick Russell anschaut, könnte es ein echtes Match werden. Mit Berglund auf der Kommandobrücke gewinnt Köln noch mehr an Intensität und Aggressivität.

Tor: Im Oktober 2025 wurde Janne Juvonen nachverpflichtet. Dieser Transfer erwies sich
als absoluter Glücksgriff. Mit einer Fangquote von 93,2 % und einem Gegentorschnitt von nur 2,04 war der Finne kaum zu überwinden. Sein Backup ist der erfahrene Felix Brückmann. Hier brauchen sich die Kölner also keine Sorgen machen, die Torwartposition ist perfekt besetzt.
Abwehr: Hier müssen die Kölner den Abgang von Oliwer Kaski (58 Spiele – 13 Tore, 28
Assists) verkraften. Ihn ersetzen soll Robin Press. Der Landsmann von Coach
Berglund spielte zuletzt mehrere Jahre in der KHL. Press hat die Physis und
Statur eines klassischen „Abwehr-Hünen“, kombiniert dies aber mit einer starken
Übersicht und guter Scheibenbeherrschung. Zudem verfügt er über einen harten
Schlagschuss, den wir im Powerplay sicherlich häufiger bestaunen dürfen. Aus
meiner Sicht wurde Kaski hier nicht nur ersetzt, sondern man hat es geschafft,
sich nochmal zu verbessern. Press erhält in meinem Rating-System ein Rating von
18 (Wissmann- und Mattinen Level). Er wird die Kölner und die DEL begeistern.
Ein weiterer Skandinavier, der über eine hervorragende Spielübersicht und einen
starken „First Pass“ verfügt, hat seinen Kontrakt in der Domstadt verlängert:
Valtteri Kemiläinen. Für ein weiteres Jahr bleibt auch der ewige „Mo“ Moritz Müller. Trotz seines fortgeschrittenen Alters kompensiert er Tempodefizite durch antizipationsstarkes Stellungsspiel (auch Defensiv awareness) und sehr viel Willenskraft. Er wird als Kommunikator und als Kapitän die Haie anführen. Weiterhin in der Domstadt verteidigen auch Brady Austin (Rating=18) und Veli-Matti Vittäsmaki (Rating=17). Beide sind eigentlich viel zu stark, um nur am Rande erwähnt zu werden. Jan Luca Sennhenn, der U20-Nationalspieler Carlos Händel und 2 × Münzenberger (Luca und Noah) komplementieren die Kölner Defensive.
Angriff: Die erste Reihe „centern“ wird weiterhin Gregor MacLeod. Der Kanadier liefert seit 5 Saisons verlässlich ab. Seine Stärken liegen in der Beschleunigung, dem herausragenden Deking (enge Scheibenführung bei hohem Tempo) und dem Gespür für den entscheidenden Pass. Von ihm profitieren wird weiterhin Patrick Russell. Der dänische Nationalspieler konnte in seiner ersten DEL-Saison in 61 Spielen 31 Tore und 35 Assists beisteuern. Russell ist nicht nur ein Scorer, mit seiner starken Physis und Arbeitsmoral wird der Power Forward perfekt in das neue Kölner Offensivsystem passen. Die erste Reihe perfekt macht Marcel Noebels. Er ist so ein bisschen die Kombination aus beiden. Er nutzt seinen großen Körper zur Scheibenabschirmung, steuert das Offensivspiel aber mit der Filigranität und Ruhe eines klassischen Spielmachers. Ich kann mir vorstellen, dass der 34-Jährige in dieser Konstellation punktemäßig nochmal aufblühen kann. Noch ein Jahr älter ist ein anderer Neuzugang, nämlich Markus Ljungh. Den 1,76m großen 2-Way-Attacker konnte man aus Linköping losreißen. Ljungh bringt einen hohen Hockey-IQ, starke Bully-Qualitäten und hohe Passgenauigkeit mit nach Köln. Er wird mit seiner Erfahrung eine der hinteren Reihen anführen. Gespannt bin ich auch auf die mögliche Reihenkonstellation um Fischbuch – Aubry – Bokk. Aubry passt mit seiner Körperlichkeit perfekt in das Forechecking-System von Berglund. Daneben geht mit Dominik Bokk ein technisch hochbegabter Flügelstürmer in sein zweites Jahr im Kölner Dress. Der dritte im Bunde, Daniel Fischbuch, wechselt aus Iserlohn in die Domstadt. Bei den Roosters (49 Spiele, 18 Tore und 27 Assists) war das Spiel auf ihn zugeschnitten. In Köln bringt er mit seinem starken One Timer und seinem sauberen Stickhandling weitere Facetten ins Spiel. An dieser Stelle nicht vergessen, möchte ich Maxi Kammerer. Er gehört seit Jahren zu den spielstärksten und konstantesten deutschen Offensivakteuren der DEL. Die Offensive komplett machen die zweikampfstarken Frederik Storm, Juhani Tyrväinen (in meinem Rating-System einer von 2 Spielern mit dem Label „Hooligan“), Ryan MacInnis, Kevin Niedenz und Tim Fleischer (neu aus Straubing, 56 Spiele – 11 Tore, 20 Assists).
Patrick Russell
PLAYSTYLE
power forward
| POSITION |
JAHRGANG |
GRÖSSE |
GEWICHT |
|
Attacker
|
1993
|
186 cm
|
92 kg
|
OVERALL
19
Ein aggressiver und intensiver Forecheck. Das ist das Herzstück im „Bulan“ (den
Spitznamen hat er weg) System. Er möchte, dass sein Team Druck macht im gegnerischen Angriffsdrittel und den Gegner zu Fehlern zwingen. Mit Leuten wie Patrick Russell, Marcus Ljung oder Arbeitsbienen wie Kevin Niedenz hat er auch das richtige Spielermaterial für dieses System. Kombiniert wird sein Forechecking mit einem sehr physischen Spiel. Sie wollen nicht nur den Schläger reinhalten, sondern den Gegner an den Banden zermürben. Mit Schwergewichten wie Juhani Tyrväinen, Louis-Marc Aubry oder Ryan MacInnis lässt sich auch diese Idee umsetzen. Ich erwarte die Kölner als physisch unangenehmen und laufintensive Mannschaft, der Spiele über Druck in der gegnerischen Zone gewinnen wird. In der Fairnesstabelle werden die Kölner aber nicht auf dem ersten Rang landen.
Ein mögliches Tormuster. Der Gegner ist nicht gut sortiert und Noebels macht Druck hinter dem gegnerischen Tor. MacLeod bindet den gegnerischen Center und Russell kämpft um seinen Platz im Slot. Von hinten haben Austin und Press viel Platz und machen Druck. Noebels kann die Scheibe gewinnen und spielt die Scheibe hoch zu seinem „Quarterback“ Robin Press. Der kann nun die Scheibe von „D to D“ (zu Austin) spielen oder abschließen. Press entscheidet sich für einen Schlagschluss. Der Goalie hält zwar den abgefälschten Schuss, doch der besser positionierte Russell drückt die Scheibe über die Linie.
Ich bin von den Kölner Haien begeistert. Für mich haben sie auf dem Papier die beste Verteidigung. Juvonen wird auch in der neuen Saison dominieren und mit Press + Kemiläinen hat man die wahrscheinlich besten „Aufbauspieler“ der Liga. Dazu Mo Müller, der seine Karriere sicherlich mit einem Erfolg beenden möchte. Auch offensiv sind sie breit und qualitativ gut aufgestellt. Ihre Saison startet schon etwas früher, da sie nach 12 Jahren Pause wieder auf europäischer Bühne ran dürfen. Besonders die Partie gegen Tappara Tampere und Ex-Coach Jalonen dürfte hier höchst interessant werden. Interessant wird auch ihre Endplatzierung in der DEL-Saison. Meine Prognose: Meisterschaftskandidat.