Saisonvorschau 2026/27 - Iserlohn Roosters

Die Iserlohn Roosters gehen mit gemischten Gefühlen in die Saison 2026/27. Unter Stefan Nyman, der das erste Mal außerhalb der schwedischen SHL coachte, zeigte das Team in der Rückrunde deutliche Fortschritte. Für die Playoffs reichte es am Ende aber nicht (Platz 12). Trotzdem setzt der Verein an der Bande weiterhin auf Kontinuität und verlängerte mit dem kompletten Trainerteam um Nyman. Im Kader, besonders auf den Importstellen, gab es allerdings einige Veränderungen. Am schwersten wiegt sicherlich der Abschied von Kapitän Daniel Fischbuch, dem "Königstransfer" des Vorjahres: Den Nationalstürmer zieht es zu den Kölner Haien. Gleichzeitig verabschiedete man sich von Eric Cornel, Anthony Camara und Kyle Wood. Neu am Seilersee sind u.a. Peter Quenneville, Justin Scott und Cole Maier. Als Ersatz auf den Verteidigerpositionen verpflichteten die Roosters den Schweden Emil Johansson, den offensiv starken Verteidiger Mac Hollowell und Norwin Panocha. Spieler wie Colin Ugbekile, Tyler Boland oder Christian Thomas bilden weiterhin das Grundgerüst. Gelingt es der neu formierten Mannschaft, sich schnell zu finden und einzuspielen, ist eine erfolgreichere Saison durchaus möglich. Spannend: Bisher haben die Iserlohner erst 8 Importlizenzen vergeben. Kommt vor Saisonstart also noch ein 9. Importspieler an den Seilersee?

Der Coach - Stefan Nyman

Stefan Nyman, 1972 in Södertälje geboren, war bereits als Spieler am Seilersee aktiv: Von 1997 bis 1999 lief er als Verteidiger für den Iserlohner EC auf. Nach seiner aktiven Karriere sammelte der Schwede über 20 Jahre Trainererfahrung, größtenteils als Assistenzcoach in der ersten schwedischen Liga (SHL) – unter anderem bei Djurgården, HV71 und Örebro HK. Die Iserlohn Roosters sind sein erstes Engagement als Cheftrainer außerhalb Schwedens und außerhalb der SHL. Taktisch verspricht Nyman intensives und laufstarkes Eishockey, das die kämpferische Mentalität des Standorts widerspiegeln soll. Disziplin und harte Arbeit im täglichen Training sind dabei sein Credo. In seiner ersten Saison zeigte sich vor allem in der Rückrunde, dass diese Philosophie funktionieren kann. Sein Trainerteam bleibt komplett zusammen: Assistenzcoach Tony Zabel, Athletiktrainer Janne Kujala sowie Torwart- und Videocoach Santeri Hilli, alle seit Nymans Amtsantritt an Bord, sollen für Kontinuität und einen weiteren Entwicklungsschritt sorgen.

mögliche Aufstellung der Iserlohn Roosters in der Saison 26/27.

Der Kader im Detail

Tor: Hier herrscht weiterhin Kontinuität, denn das Duo Jenike & Hane geht in ihr drittes gemeinsames Jahr. Der 38-jährige Andi Jenike hütet seit 2019 das Tor am Seilersee und kam letzte Saison auf eine Fangquote von 89,6 % in 29 Partien. Der 25‑jährige Hendrik Hane kam in 23 Spielen auf 90 %. Ich gehe davon aus, dass die beiden sich die Spielzeit teilen werden, denn mein Ratingsystem bewertet beide gleich stark, mit einer Overall 15.

Abwehr: Colin Ugbekile geht in seine 5. Saison am Seilersee. Letzte Saison gelangen ihm in 52 Spielen 9 Tore und 34 Assists bei einer Plus/Minus-Statistik von +10. Ugbekile ist ein echter Allrounder, der seine Stärken im Skating und im Abschluss von der Blauen hat. In meinem Ratingsystem erhält er eine 17, was ihn zu einem der besten deutschen Verteidiger macht. Viel Offensivdrang erhofft man sich auch von der Neuverpflichtung Mac Hollowell. Hollowell ist ein überragender Schlittschuhläufer mit enormer Agilität. Mit seiner Ruhe und Puckkontrolle soll er in Zukunft das Powerplay am Seilersee leiten. Letzte Saison spielte der Kanadier für CSKA Moskau in der KHL, zuvor pendelte er zwischen NHL (Toronto Maple Leafs) und AHL. 2023 gelangen ihm in der AHL in 64 Spielen 44 Punkte – ein sehr starker Wert. In meinem Ratingsystem startet Hollowell mit einer 17, doch ich traue ihm zu, sich zu einem absoluten Top-Defender zu entwickeln und seinen Wert weiter zu steigern. Ein weiterer Neuzugang für die Defensive ist Emil Johannson. Auch Johansson ist ein exzellenter Schlittschuhläufer, doch im Gegensatz zu Hollowell liegt sein Fokus auf der Defensive. Er behauptet sich stark an der Bande, blockt Schüsse und spielt sehr diszipliniert. Gespannt bin ich auf die weitere Entwicklung von Lua Niehus. Der „2‑Way-Defender“ ist stark auf den Kufen, beweglich, und enorm gallig. Bereits letzte Saison kam er häufig auf eine Spielzeit von +15 Minuten – tolle Werte für einen 21‑Jährigen. Weitere Verteidiger im Aufgebot sind Robin Norell (AL, ebenfalls Schwede) und die Deutschen Peter Spornberger, Norwin Panocha und Gordejs Radionovs.

Sturm: Stärkster Spieler laut meinem Ratingsystem ist hier Christian Thomas – mit einem Rating von 17. Er hat in der Eishockeywelt fast alles gesehen, von NHL über NL und Liiga bis hin zur Olympiabronzemedaille mit Kanada (2018). Thomas gehört läuferisch zu den besten Akteuren der Liga. Zudem verfügt er über Scoring-Touch und einen extrem schnellen und präzisen Handgelenkschuss. Schwächen hat der 34-Jährige in der defensiven Konstanz. Diese ausgleichen könnte in Zukunft Cole Meier, der aus Nürnberg an den Seilersee wechselt. Maier ist der Inbegriff eines „2-Way Attackers“, der seine Stärken im Stick Cheking und im defensiven Stellungsspiel hat. Ein weiterer Neuzugang hört auf den Spitznamen „Pistol Pete“. Peter Quenneville (letzte Saison für Kiekko/Liiga – 14 Tore und 12 Assists in 45 Spielen). Diesen Namen verdiente er sich zuvor als Topscorer in der DEL2 und für Storhamar in Norwegen. Quennevilles größte Waffe ist sein extrem präziser Handgelenks- und Schlagschuss. Den deutschen Sektor führt weiterhin Julian Napravnik an. Letzte Saison gelangen dem 29-Jährigen in 49 Spielen 31 Punkte für die Roosters. Napravnik ist agil, hat ein gutes Auge für seine Mitspieler und antizipiert Spielsituationen blitzschnell. Ein Neuzugang für den deutschen Sektor ist Johannes Krauß. Krauß ist ein extrem fleißiger Zwei-Wege-Stürmer, der über ein unermüdliches Forechecking kommt. Letzte Saison hat er bewiesen, dass er in wichtigen Spielen einen Gang hochschalten kann und auch offensiv „produzieren“ kann. Seine starke Playoff-Statistik für Ingolstadt (5 Punkte in 6 Playoff-Spielen 2025/26). Weitere Spieler für die deutsche Rotation sind Maximilian Eisenmenger, Dennis Lobach, Jakub Borzecki und Daniel Neumann. Kevin Bicker, Daniel Geiger, Bence Farkas und Maximilian Strauß kämpfen um die offenen U‑Positionen. Die weiteren AL-Positionen besetzen Tyler Boland und Justin Scott.

Colin Ugbekile
PLAYSTYLE two way defender
POSITION JAHRGANG GRÖSSE GEWICHT
Defender 1999 187 cm 89 kg
Puck Skills 17
Skating 16
Hockey IQ 16
Physical 17
Shooting 18
Defense 16
OVERALL 17

Die taktische Identität

Unter Headcoach Stefan Nyman haben die Roosters eine klare Philosophie. Eine gut strukturierte Defensive als Fundament, gepaart mit einem schnellen Umschaltspiel. Mit der Antrittsstärke von Hollowell und Ugbekile, sowie der Dynamik von Napravnik und Thomas strahlen die Sauerländer ständige (Konter-)Gefahr aus. Gleichzeitig bringen robuste 2-Way-Akteure wie Scott, Boland oder Maier die nötige Physis auf das Eis, um den gegnerischen Aufbau früh zu stören. Nymans System verbindet schwedische Struktur mit der traditionellen „Sauerländer Härte“.

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Ein typisches Tormuster: Der Gegner hat den Puck im eigenen Drittel, allerdings mit Gesicht zum eigenen Tor. Maier und Napravnik machen Druck im Forecheck und der Verteidiger versucht, seinen RW an der Bande anzuspielen. Der RW verliert den Zweikampf gegen Spornberger, der den Puck zu Maier spitzeln kann. Der schaltet sofort um und schickt Napravnik lang. Es ergibt sich ein 2 auf 2 – Napravnik legt auf Quenneville ab, der lässt einen Gegenspieler aussteigen und sein verdeckter Handgelenkschuss zappelt im Netz.

Ausblick

Als Überschrift für diese Saisonvorschau schwirrt mir seit Wochen der Satz „Pistol Pete muss liefern“ im Kopf herum… aber fangen wir erstmal hinten an. Das Tor ist mit Jenike & Hane solide besetzt – nicht mehr, nicht weniger. Die Defensive der Roosters gefällt mir wirklich sehr. Ugbekile und Hollowell gehören zu den stärksten offensiven Verteidigern der Liga. Dazu hat man mit Norell, Johannson und Spornberger die richtigen Akteure, um die beiden abzusichern. Mit Niehus, Panocha und Radionovs hat man zudem einiges an Entwicklungspotenzial und ich finde es gut, dass man diesen Jungs vertraut. Im Angriff bin ich noch nicht restlos überzeugt. Man hat viele Spieler, die läuferisch und im „2-Wege-Spiel“ wirklich klasse sind, mir fehlt aber der Akteur, der verlässlich punktet. Ich bin mir nicht sicher, ob es Quenneville wird. Er hatte in der DEL2 und in Norwegen brutale Werte, die DEL ist aber nochmal ein anderes Kaliber. Mir fehlt einfach ein Spieler, der die Position von Daniel Fischbuch einnimmt. Mit der noch offenen 9. Ausländerposition würde ich dringend diese Position besetzen (ein Spieler mit dem Spielstil „Scorer“ oder „Sniper“). Wenn diese letzte Kaderposition sitzen sollte, traue ich den Roosters durchaus eine Überraschung zu. Stand jetzt - ohne 9. Ausländer ist meine Prognose allerdings: Abstiegskampf

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Autor
Malte Petz
Beitrag vom
12. September 2026