Letzte Saison endete eine Ära am Allersee. Nach 5 Jahren an der Bande war die Zeit von Mike Stewart in Wolfsburg vorbei. Über die Pre-Playoffs hinaus ging es für die Grizzlys trotzdem nicht. Nun steht Tyler Haskins an der Bande. Eine echte Identifikationsfigur und ehemaliger Kapitän der Grizzlys Wolfsburg. Er soll das Team verjüngen und für einen neuen, attraktiven Spielstil stehen. In den 10er Jahren ging es für die Grizzlys häufig ins Halbfinale oder Finale, die letzten Saisons allerdings zeigte der Trend nach unten. Der Kader wurde für den jüngsten Coach der Liga aber nicht komplett umgekrempelt, sondern nur punktuell verstärkt. Die Autostadt verlassen haben u. a. Matt White, Jacob Hayhurst und der „ewige“ Björn Krupp. Neu verpflichtet wurde eine Kombination aus ligaerfahren und Talent. Von den Augsburger Panthern holte man Madison Bowey, der immerhin einen Stanley-Cup-Sieg in seiner Vita vorzuweisen hat. Als Zukunftsprojekt holte man den wieselflinken Dustin Willhöft aus der kanadischen Entwicklungsliga „WHL“. Er besetzt eine U23-Stelle. Weitere Kaderbewegungen schauen wir uns gleich in der Kaderanalyse an.
Der Coach - Tyler Haskins
Der 40-jährige Amerikaner Tyler Haskins steht seit März 2026 bei den Grizzlys Wolfsburg an der Bande. Er war jahrelang Kapitän und kommt auf über 405 DEL-Spiele. Nach seiner Karriere blieb er den Grizzlys als Scout und Co-Trainer erhalten. Seine Trainerausbildung führte ihn danach ins nordamerikanische Junioreneishockey zu den Chicago Steel (USHL). Er gilt als moderner „Players Coach“. Er führt viele Einzelgespräche, fordert taktische Disziplin ein, lässt den Spielern in der Offensive aber gleichzeitig die kreative Freiheit, die er als smarter Center früher selbst geschätzt hat. In Chicago hat er einen Einblick, in eine der weltweit besten Talentschmieden im Eishockey bekommen. Dieses Wissen kann er jetzt an die durchaus vorhandenen Talente im Grizzlys-Kader weitergeben. Sein taktischer Ansatz wurde schon in den ersten Spielen deutlich. Haskins bricht mit dem oft als „bieder“ verschrienen defensiven Wolfsburger System der Vergangenheit und transformiert es in ein moderneres und laufintensiveres Eishockey. Haskins wird versuchen, die klassischen Wolfsburger Tugenden wie Härte, Fleiß und defensive Stabilität mit den taktischen Ansätzen des modernen Eishockeys (Puckkontrolle, Tempo, spielerische Lösungen) zu kombinieren. Ihn dabei unterstützen werden weiterhin Co-Trainer Heiko Vogler und Manager Charly Fliegauf.

Tor: Das Goalie Duo der Grizzlys bleibt unverändert. Dustin Strahlmeier dürfte einen Großteil der Spiele bekommen. Er wird auf eine starke Saison hoffen, um eine Chance auf die Heim-WM im nächsten Jahr zu bekommen. Hinter ihm lauert Hannibal Weitzmann auf seine Chance.
Abwehr: Um die Verteidigung zu stärken, haben die Grizzlys hier 4 Importlizenzen vergeben. Julian Melchiori und Keaton Thompson haben ihren Kontrakt um ein weiteres Jahr verlängert. Beide glänzen durch Ruhe und defensives Stellungsspiel. Aus Augsburg konnte man Madison Bowey an den Allersee locken. Mit im Gepäck hat er eine enorme Zweikampfstärke, solides Skating und die Fähigkeit, sich in jeden Schuss zu werfen (hoher Shot-Blocking Wert). Mit Les Lancaster konnte man einen deutschen Meister verpflichten. In München aussortiert, war er später eine wichtige Stütze im Berliner Meisterteam. Lancaster ist ein Offensiv-Defender und Powerplay-Spezialist. Er findet kreative Passwege, kann Überzahlsituationen kreieren und sich wie ein 4. Stürmer im Angriffsdrittel einschalten. Ebenfalls seine Qualitäten in der Offensive hat Fabio Pfohl. Der ehemalige Stürmer wurde vor zwei Jahren zum Verteidiger umfunktioniert. Sein Playmaking (erster Pass, Spielaufbau) ist oberes DEL-Niveau. Mit einem defensivstarken Partner an seiner Seite, wird er sein Potenzial als moderner Offensivverteidiger noch weiter entfalten können.
Stürmer: Key-Player im Sturm ist weiterhin Tyler Gaudet. Der wuchtige Mittelstürmer lenkt das Spiel der Grizzlys auf beiden Seiten des Eises. Warum der Erstreihencenter so wichtig ist, kannst du dir unten in der Player-Card anschauen. An seiner Seite stürmt der Ur-Grizzly Spencer Machacek. Der 37-Jährige punktet seit der Saison 18/19 verlässlich in Wolfsburg und bringt Erfahrung in die erste Reihe. Daneben erwarte ich Luis Schinko. Er bringt alles mit, um in der DEL ein guter Spieler zu sein. Er hat Speed, ist wendig und verfügt über einen gefährlichen Handgelenksschuss. Die letzte Saison verlief für Schinko nicht zufriedenstellend (Wechsel nach München, dann zurück nach Wolfsburg – 15 Punkte). Wenn er seinen Platz im Team findet, halte ich eine Saison mit +30 Scorern für durchaus realistisch. Ein weiterer Rückkehrer in die Autostadt ist Tyler Morley, der in der Saison 22/23 noch 19 Treffer und 39 Assists auflegte. Danach führte ihn sein Weg in die Schweiz nach Kloten (zuletzt 42 Spiele – 24 Punkte). Der 1,73m große Angreifer kombiniert Speed, mit Playmaking und starken Skills am Puck. An seiner Seite agiert Bobby Lynch. Der technisch versierte Rechtsschütze hat seine Stärken ebenfalls im Playmaking. Er verfügt über einen hohen Hockey-IQ und besitzt ein exzellentes Auge für seine Mitspieler. Für mehr Physis im Wolfsburger Angriffsdrittel soll ein anderer sorgen – Will Graber. Mit einer Statur von 1,95 m und rund 87 kg ist er eine absolute Kante auf dem Eis. In Nürnberg hatte er verletzungsbedingt ein schwieriges Jahr, doch ich traue ihm zu, wieder der alte zu werden (12 Tore, 35 Assists – Saison 24/25). Er verfügt über eine große Übersicht und kann Chancen für seine Flügelstürmer kreieren. Ansonsten räumt er im Slot auf und nutzt seinen langen Schläger, um den Gegner im Forecheck zu stressen. Die mögliche Reihenkonstellation Ziegler – Graber – Chrobot (fehlt erstmal verletzt) ist sicherlich unangenehm für jeden Gegner. Die Center-Position komplett machen Justin Feser und Matt Choupani. Dustin Willhöft, Timo Ruckdäschel, Robin Veber und Til Raab kämpfen um die U23-Positionen.
Tyler Gaudet
PLAYSTYLE
| POSITION |
JAHRGANG |
GRÖSSE |
GEWICHT |
|
Attacker
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1993
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191 cm
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100 kg
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OVERALL
17
Die „neuen“ Wolfsburger wollen für Tempo und Konterstärke stehen. Dies ist das neue taktische Herzstück. Den Verteidigern, insbesondere den lauf- und technisch starken Les Lancaster und Fabio Pfohl, wird eine wichtige Rolle zuteil werden. Sie werden versuchen, einen schnellen ersten Pass zu spielen, oder alternativ selbst den Puck durch die neutrale Zone zu tragen. Das Ziel ist es, die gegnerische Defensive in der noch ordnungslosen Rückwärtsbewegung zu erwischen. Spieler wie Morley oder Schinko werden in diesem System aufblühen können, weil sie das Tempo mitbringen, um diese Umschaltmomente in Großchancen umzumünzen. Schnelles Umschaltspiel funktioniert nur, wenn man vorher die Scheibe gewinnt. Wolfsburg rennt nicht blind an, sondern ihr Forechecking ist aggressiv und strukturiert. Ziel sind Turnover des Gegners in der OZ oder NZ. Mit Graber, Feser oder auch Chrobot haben sie genug Spieler im Kader, die für den Gegner im Aufbau sehr unangenehm werden können.
mögliches Tormuster: Nachstellung des 3:1 im Pre-Playoff-Heimspiel gegen Schwenningen (mit anderen Spielern). Der Verteidiger (hier Pfohl) umkurvt das eigene Tor, um das aggressive 2-1-2 Forechecking der Schwenninger zu umgehen. Er findet den Pass zu Luis Schinko, der den Puck sofort in die Mitte zum freistehenden Tyler Gaudet weiterleitet. Gaudet und sein Flügelstürmer Machacek haben nun viel Eis und nur noch einen Gegenspieler vor sich. Gaudet legt ab und der One-Timer von Machacek landet im Tor. Zwei Pässe und das Pressing der Schwenninger ist ausgespielt.
Mir gefällt die mutige Trainerentscheidung. Nicht jeder Verein entscheidet sich für einen jungen und unerfahrenen Trainer, der sogar noch einen neuen Ansatz mitbringt. Ich kann mir vorstellen, dass sich die Entscheidung auszahlt und die Wolfsburger wieder attraktiveres Eishockey spielen werden. Die Frage ist: Wie weit nach oben kann es gehen? Mit Strahlmeier hat man weiter einen der besten Goalies zwischen den Pfosten. Die Verteidigung ist gut zusammengestellt aus defensiv verlässlichen Akteuren und Spielern, die das Aufbauspiel „leiten“ können. Die Offensive fällt aus meiner Sicht leicht ab. Spieler wie Gaudet, Machacek und Morley sind nicht mehr die Jüngsten. Was passiert, wenn sie mal ausfallen oder nicht liefern können? Kann Luis Schinko sein Potenzial abrufen? Wie stark kommt Sven Ziegler nach langer Verletzung zurück? Kann ein Matt Choupani wieder überraschen und zum Scorer mutieren? Diese Fragen werden sich im Laufe der Saison beantworten. Ich sehe die Grizzlys im Kampf um die Playoffs, für mehr (Top 6 aufwärts) wird es aber nicht reichen. Meine Prognose: Pre-Playoffs