Der Zug hat keine Bremse! Das gilt leider nicht mehr für den Karawanken-Express, denn der hält nicht nur, er verliert auch zwei Waggons. Es ist eingetreten: Die Ära von Jan Urbas und Ziga Jeglic im Dress der Fischtown Pinguins ist vorbei. Beide entschieden sich dazu, in die slowenische Heimat zurückzukehren. Mit Ross Mauermann verlässt ein weiterer Ur-Pinguin den Verein. Also ein großer Umbruch an der Unterweser? Nicht wirklich. Die offenen Kaderplätze wurden positionsgetreu besetzt. Der neue Erstreihencenter heißt Alex Broadhurst. Den Urbas-Spot bekommt CJ Smith, der die Pinguins bereits im Saisonendspurt unterstützt hat. Zudem kehrt Parker Tuomie in die Stadt zurück, wo er einen Teil seiner Kindheit verbracht hat. Sein Vater Tray trug einst für den REV Bremerhaven die Schlittschuhe, während Parker seine ersten Schritte auf dem Eis machte. Ansonsten ist der Kern des Kaders zusammengeblieben und bietet eine gute Mischung aus Talent und Erfahrung.
Der Coach - Alexander Sulzer
Alexander Sulzer geht in seine dritte Saison als Cheftrainer der Fischtown Pinguins. Der 41-Jährige aus Kaufbeuren hat sich vom soliden NHL-Verteidiger zu einer der spannendsten Trainerpersönlichkeiten im deutschen Eishockey entwickelt. Nach dem Karriereende folgte zunächst ein Ausflug ins Funktionärsdasein: Sulzer wurde Geschäftsführer der Spielervereinigung SVE. Danach zog es ihn zurück aufs Eis – als Co-Trainer in Crimmitschau. 2024 übernahm er das Cheftraineramt in Bremerhaven und löste den erfolgreichen Thomas Popiesch ab. Seine Bilanz kann sich sehen lassen: Seit er hinter der Bande steht, schafften es die Pinguins immer in die Play-offs. Von 2022 bis 2026 war er Co-Trainer der deutschen Nationalmannschaft unter Harold Kreis und war Teil des Trainerteams bei den Olympischen Winterspielen 2026. Zuständig war er hier für die Defensive und das Unterzahlspiel. Die Verteidigung ist sein Markenzeichen. Sulzer betont immer wieder, dass eine stabile, kompakte Defensive essenziell für dauerhaften Erfolg sei – sie soll auch weiterhin Schwerpunkt und DNA seiner Mannschaften bleiben. Sehr spannend finde ich sein „datengetriebenes In-Game-Coaching“. Im Podcast „Eiskalt auf den Punkt“ erklärt er, dass er bereits während des Spiels Live-Daten verwendet, um gegnerische Muster zu erkennen und Reihen-Matchups im laufenden Spiel anzupassen. Dabei wird er unterstützt von seinem Co-Trainer Marián Bažány.

Tor: Hier sind Pinguins hervorragend besetzt. Die Nummer 1 ist weiterhin Kristers Gudlevskis. Der 2-malige DEL-Torhüter des Jahres verpasste zwar verletzungsbedingt große Teile der letzten Saison, zeigte aber spätestens bei der WM mit Lettland, dass er zurück ist (WM 2027 – 7 Spiele für Lettland – Fangquote 94,6%). Dahinter lauert Leon Hungerecker auf seine Chance.
Abwehr: In der Defensive gibt es keine personellen Veränderungen. Die Pinguins bauen auf eine eingespielte Achse. Viel Eiszeit „fressen“ wird weiterhin Philipp Bruggisser. Er ist ein „Offensiv-Defender“ mit einem starken Schlagschuss von der Blauen. Wenn du wissen möchtest, wie nah bei ihm Genie und Wahnsinn beieinanderliegen, schaue dir gerne unten die Player Card an. An seiner Seite verteidigt Akito Hirose. Er wurde am Anfang der letzten Saison nachverpflichtet und entpuppte sich als Top-Transfer. Der „2-Way-Defender“ hat seine Stärken im Spielaufbau (erster Pass), verfügt über eine agile Beinarbeit und hat eine gute Orientierung auf dem Eis. Zusammen mit Bruggisser bildet er eines der besten Offensiv-Verteidiger-Duos der DEL. Über einen starken Spielaufbau verfügt auch der zweite Import-Spieler in der Verteidigung: Ludwig Byström. Der Schwede verdiente sich mit 6 Toren, 14 Assists und einer Plus-Minus-Statistik von Plus 13 eine Vertragsverlängerung. Gespannt sein darf man auf die weitere Entwicklung von Rayan Bettahar, der eine U23-Position besetzt und aktuell mit einem Rating von 14 bewertet wird. Mit 1,88m und 91 kg bringt der Reihenpartner von Matthew Abt exzellente Maße mit. Er spielt sehr physisch, teilt gerne aus und spielt mit viel Leidenschaft. Weitere Defensiv-Akteure im Kader sind Vladimir Eminger, Maximilian Rausch und Nicholas B. Jensen.
Sturm: Der Karawanken Express wurde getrennt. Jan Urbas und Ziga Jeglic stürmen nun für Olimpija Ljubljana. Der dritte im Bunde, Miha Verlič, bleibt den Pinguins aber erhalten. Verlič kombiniert eine stattliche Körpergröße von 1,94 m mit hervorragendem taktischen Verständnis und Allround-Qualitäten (spielte phasenweise als Verteidiger). Sein neuer Center heißt Alex Broadhurst (neu aus Khabarovsk/KHL, letzte Saison – 45 Spiele, 8 Tore und 12 Assists). Broadhurst ist ein extrem erfahrener „Playmaker“. Er ist primär Vorbereiter statt Finisher, der lieber den Pass auf seinen Außenstürmer sucht, statt selbst abzuschließen. Seine größte Stärke ist sein „Hockey-IQ“. Er liest das Spiel schnell, findet freie Räume und kann unter Druck die richtigen Entscheidungen treffen. CJ Smith kam zum Saisonendspurt und überzeugte mit 6 Toren und 10 Assists in 14 Spielen. Er ist ein flinker Schlittschuhläufer und hat eine starke Schlägerführung. Im Eins-gegen-eins ist Smith nur schwer zu stoppen. Defensiv hat er noch Luft nach oben, ganz im Gegensatz zu Parker Tuomie. Nach Stationen in Berlin, Straubing und Köln trägt der „verlorene Sohn“ endlich das Trikot der Fischtown Pinguins. Tuomie zeichnet sich durch ein hohes Spielverständnis und eine enorme Laufbereitschaft aus. An lauf- und defensivstarken Spielern mangelt es den Pinguins ohnehin nicht, denn auch Nico Krämmer, Bennett Roßmy und Nico Kinder bleiben den Pinguins erhalten. Etwas überrascht, war ich über die Weiterbeschäftigung von Max Görtz. Der schwedische „Power Forward“ verpasste große Teile der letzten Saison verletzungsbedingt. Generell bringt er Skills mit, die den Pinguins helfen können. Er nutzt seine Statur im Slot, besitzt einen guten Handgelenkschuss und bringt als Rechtsschütze eine wichtige Facette ins Powerplay. Eine konstante und verletzungsfreie Saison von ihm, wäre wichtig für das Spiel der Pinguins. Ein weiterer Neuzugang im Sturm ist Roman Kechter. Der junge Center wechselt aus Nürnberg in die Seestadt und bekleidet eine U23-Position. Trotz seines noch jungen Alters hat er bereits reichlich Erstliga-Erfahrung sowie Länderspieleinsätze für Deutschland. Er verfügt über eine agile, moderne Schlittschuhtechnik und arbeitet mit einer hohen Intensität nach hinten. Er könnte für Fischtown eine wichtige Personalie werden und seinen Rating-Wert (liegt aktuell bei 14) noch weiter steigern. Weitere Spieler im Angriff sind Andy Miele, Colt Conrad, Alex Friesen, Christian Wejse und Lenny Boos.
Philipp Bruggisser
PLAYSTYLE
offensive defender
| POSITION |
JAHRGANG |
GRÖSSE |
GEWICHT |
|
Defender
|
1991
|
183 cm
|
85 kg
|
OVERALL
17
Die Fischtown Pinguins haben seit Jahren eine klare DNA. Kernstück ihres Systems ist ein aggressiver Forecheck. Zitat Sulzer, nach einem 5:2 Erfolg gegen Frankfurt: „Die Mannschaft ist aggressiv im Forecheck aufgetreten, hat Scheiben zurückerobert, viel Puckbesitz erzeugt und die Scheiben mit Präsenz vor dem Tor zum Abschluss gebracht.“ Die Pinguins setzen auf Tempokontrolle statt Hektik. Dies zeigt sich auch in den Zahlen. Bremerhaven hat einen sehr hohen Puckbesitz-Wert (insgesamt 15:43:08h), nur die Straubing Tigers hatten letzte Saison häufiger und länger den Puck. Ausbaufähig bleiben die Special Teams: In der Saison 2025/26 bewegte sich das Powerplay mit rund 21 Prozent Erfolgsquote im Mittelfeld, während das Unterzahlspiel mit etwa 76 Prozent zu den schwächeren der Liga zählte.
Ein typisches Tormuster. Miha Verlic und CJ Smith setzen die Verteidigung aggressiv unter Druck. Der Verteidiger versucht den Puck über die Bande zu seinem Flügelstürmer zu klären, doch Broadhurst kann die Scheibe abfangen. Der Center bedient CJ Smith, der ebenfalls über eine starke Übersicht verfügt und Akito Hirose auf der „Weak Side“ findet. Hirose zieht ab, Verlic hält den Schläger rein und der Puck landet im Netz.
Mein Fanherz schlägt für die Fischtown Pinguins und der Verlust von Urbas, Jeglic und Mauermann tut mir schon weh. Das „Homecoming“, der swb-Cup zur Saisonvorbereitung, wenn Ljubljana und Krefeld (mit Popiesch) zu Gast sind, wird sicherlich sehr emotional. Auf der anderen Seite muss ich aber auch sagen: Es war klar, dass die Ära irgendwann enden muss. Urbas ist 37 Jahre alt, Jeglic 38. Ich denke, es ist der richtige Zeitpunkt für Veränderung. Mit Broadhurst und Smith hat man sich verjüngt und enorm viel Qualität verpflichtet. Sie werden zusammen mit Miha Verlic eine tolle erste Reihe bilden (evtl. mit Tuomie). Auch dahinter muss man sich nicht verstecken. Gudlevskis ist wieder fit und die Abwehr ist eingespielt. Offensiv wird es darauf ankommen, dass Akteure wie Miele, Wejse, Conrad, Görtz und auch die Verteidiger Scoring-Output liefern können. Ich sehe die Pinguins zwischen den Plätzen 5 und 8. Die Liga Elite um Mannheim, Berlin, Köln und München ist qualitativ und monetär zu weit weg. Dahinter battled man sich aber mit Teams wie Ingolstadt, Straubing oder Wolfsburg um die Playoff-Plätze. Meine Prognose: Kampf um die direkten Playoffs.