Saisonvorschau 2026/27 - ERC Ingolstadt

Mit 32 Treffern und 31 Assists sicherte sich Riley Barber den Titel zum „Stürmer des Jahres“. Er war der Motor des starken Ingolstädter Offensivspiels in der letzten Saison. 3160 Schüsse gaben die Panther auf das gegnerische Gehäuse ab – Spitzenwert in der Liga. Im Playoff-Viertelfinale scheiterte man am EHC Red Bull München. Obwohl der große Wurf erneut ausblieb, haben sich die Panther als Spitzenteam in der DEL etabliert. In der neuen Saison kann Trainer Mark French auf einen eingespielten Kader bauen. Mit Alex Breton, Riley Barber, Kenny Agostino, Austen Keating, Myles Powell und Leon Hüttl bleiben die wichtigsten Stützen den Panthern erhalten. Verstärken konnte man sich u. a. mit Final-MVP Jonas Stettmer. Der Goalie wechselt aus Berlin zurück nach Ingolstadt und bildet zusammen mit Devin Williams das neue Torhüter-Duo. Ein spannender und auch ungewöhnlicher Transfer ist der von Emil Kvernmo Wasenden. Der junge Norweger (neu aus Frisk Asker, letzte Saison 43 Spiele, 3 Tore und 21 Assists) nimmt eine Ausländerposition ein und soll die Panther-Defensive weiter verstärken. Ihn schauen wir uns gleich in der Kaderanalyse detaillierter an. Verlassen haben die Panther u. a. Philipp Krauß, Chris Jandric, Matthew Boucher und Brett Brochu. Allesamt Spieler, die die Erwartungen zuletzt nicht komplett erfüllen konnten.

Der Coach - Mark French

Seit 2022 steht Mark French an der Bande des ERC Ingolstadt. Seine Ergebnisse seitdem: Finale – Viertelfinale – Halbfinale – Viertelfinale. Dazu ein dominanter erster Platz in der Hauptrunde 2024/25. Diese starken Leistungen brachten dem Kanadier 2 × den Titel als „Trainer des Jahres“ ein. Bereits im Alter von 25 Jahren startete French seine Trainerkarriere, als er 1996 an der Brock University den Posten als Co-Trainer übernahm. In der Folgesaison wurde der Kanadier zum Chefcoach befördert. Danach folgten Stationen im Profieishockey. 2009 konnte er als Co-Trainer der Hershey Bears den Calder-Cup gewinnen, also die Meisterschaft in der AHL. Seine erste Europa-Erfahrung machte French in der Saison 2013/14 als Cheftrainer des damaligen KHL-Clubs Medvescak Zagreb. Von 2017 bis 2019 leitete er dann die Geschicke beim Schweizer NL-Team Fribourg-Gotteron. French gilt als „Analytiker“. Er setzt auf Fitness, taktische Disziplin und ein modernes Offensiv-Eishockey. Passives Defensiv-Eishockey gehört nicht zu seinem Repertoire, denn er möchte ein schnelles Überbrücken der neutralen Zone und viele Rushes, sowie 1-gegen-1-Situationen sehen. Unterstützt wird er in Zukunft von Mike Kelly, der den offenen Posten als Co-Trainer einnimmt. Kelly ist extrem erfahren und wirkte von 2014 bis 2023 in der NHL. Der Posten wurde frei, weil sein bisheriger Co-Trainer Eric Dubois in Berlin der neue Cheftrainer wird. Manager ist weiterhin Tim Regan, der ebenfalls seit 2022 im Verein ist.

Mögliche Aufstellung des ERC Ingolstadt.

Der Kader im Detail

Tor: Wahrscheinlich etwas unerwartet konnte man einen Final-MVP verpflichten. Stettmer, eigentlich Back-up in Berlin, profitierte von Jake Hildebrands Verletzung und avancierte mit seinen Paraden zum Berliner Finalhelden. Der Mann aus der Ingolstädter Jugend bildet zusammen mit Devin Williams ein solides deutsches Torhüter-Gespann. Ich gehe davon aus, dass die beiden sich die Spielzeit teilen werden. Das Tor wird ergänzt von Bartholomäus Oswald.

Abwehr: Alex Breton ist der Prototyp „Offensive Defender“. Seine Statistiken der letzten Spielzeiten (48 Punkte und 20 Tore in 24/25, gefolgt von einer 50-Punkte-Saison in 25/26) zeigen: Breton dominiert. Er agiert als 4. Stürmer und hat ein exzellentes Auge für seine Mitspieler. Er frisst viel Eiszeit und stellt mit seinem „Slap Shot“ eine ständige Gefahr für den Gegner dar. Sein Gegenpart ist Morgan Ellis. Mit seiner defensiven Stabilität, Physis und Erfahrung unterstützt er seinen offensiv denkenden Reihenpartner. Eine ähnliche Dynamik entwickelt auch das zweite Verteidigerpärchen – Leon Hüttl und Sam Ruopp. Hüttl ist der klassische „2-Way-Defender“. Defensiv unterlaufen ihm kaum Stellungsfehler und er agiert enorm abgeklärt (hoher Rating-Wert „Def. awareness“). Zudem verfügt der Rechtsschütze über einen gefährlichen Schuss von der Blauen. Sein Partner, Sam Ruopp, bringt Physis in die Reihe. Der Brite ist ein klassischer „Grinder“, der harte Checks fährt und seinen langen Schläger (Poke Check) nutzt. Dahinter kämpfen mehrere Spieler auf einem ähnlichen Niveau um Spielzeit. Edwin Tropmann befindet sich nach einem überharten Check im Playoff-Viertelfinale von Fabio Wagner wieder im Aufbautraining. Sein neuer Partner könnte Emil Wasenden werden. Der 22-jährige norwegische Nationalspieler ist ein moderner „2-Way-Defender“. Er bewegt sich flink, verfügt über eine gute Übersicht und scheut sich nicht vor Körperkontakt. Bei ihm ist die Frage, wie er das Niveau der DEL annehmen kann, da es im Vergleich zur norwegischen Liga nochmal deutlich physischer, schneller und taktischer zugeht. Philipp Rosa-Preto, Nicolas Appendino und Dominik Zerhoch ergänzen die Abwehr.

Sturm: Riley Barber ist der Ausnahmespieler des ERC. In meinem Rating-System erhält er eine Overall 20, also das höchste Rating. Der Flügelstürmer ist der klassische „Sniper“. Barbers größte Waffe ist sein extrem präziser und harter Schuss. Egal ob One-Timer im Powerplay oder Handgelenkschuss aus vollem Lauf – er findet einen Weg am Torwart vorbei (letzte Saison, 58 Spiele – 36 Tore, 35 Assists). In der Player-Card (siehe unten) siehst du, warum er einer der besten Spieler der DEL ist. Sein Center-Kollege hat einen der coolsten Namen der Liga – Peter Abbandonato. Er ist ein kreativer und spielstarker Angreifer, der nach starken Stationen in der AHL und Finnland eine gute erste Saison in Ingolstadt hatte. Ein weiterer gefährlicher „Scorer“ ist Kenny Agostino. Mit der Erfahrung von 86 NHL-Spielen, einer KHL-Vergangenheit, dem Gewinn des AHL-MVP-Awards (2017) sowie einer Olympia-Teilnahme für die USA (2022) im Gepäck, geht er in seine dritte Panther-Saison. Er verfügt über eine gute offensive Spielintelligenz und sieht Räume, die andere Spieler gar nicht wahrnehmen. Sein Reihenpartner wird wahrscheinlich Abbott Girduckis. Nachdem der Deutsch-Kanadier 2024 als DEL2-Meister und bester Vorlagengeber aus Regensburg nach Ingolstadt gewechselt war, brauchte er zunächst etwas Zeit, um sich an das höhere Tempo zu gewöhnen, doch in der letzten Saison ging sein Stern auf. Der fleißige Arbeiter glänzte mit 12 Toren und 23 Assists in 55 Spielen und war stets in den oberen Reihen zu finden. Center dieser Reihe ist weiterhin Myles Powell. Mit 42 Punkten (darunter 20 Tore) in der Hauptrunde 25/26 bewies er einmal mehr, wie wichtig er für die Panther-Offensive ist. Seine größte Stärke ist seine Quirligkeit (Agility) und sein explosiver Antritt. Die vierte Reihe wird angeführt von einer echten DEL-Legende – Daniel Pietta. Mit weit über 1000 DEL‑Spielen auf dem Buckel geht der Rekord-Vorlagengeber der Liga auch im hohen Eishockeyalter immer noch als Leistungsträger voran (zuletzt 33 Punkte in 52 Spielen der Saison 25/26). Er ist ein Playmaker der alten Schule. Ihn bringt absolut nichts aus der Fassung und er antizipiert Spielzüge weit im Voraus. Seine Übersicht und die Fähigkeit, selbst unter Gegnerdruck millimetergenaue Pässe zu spielen, machen ihn zum besten Vorlagengeber der DEL-Geschichte. An seiner Seite agieren wird der 20-jährige Paul Vinzens. Ausgebildet in der Red Bull Hockey Academy, verkörpert Vinzens perfekt den Typus des modernen „2-Way-Attackers“. In Weiden/DEL2 gelangen ihm in 52 Spielen 8 Treffer und 13 Assists. Er erhält in meinem Rating-System einen Overall-Wert von 13, was einem soliden DEL-2-Spieler entspricht. Ich traue ihm durchaus zu, diesen Wert in den nächsten Jahren weiter nach oben zu upgraden. Den Angriff komplett machen Daniel Schmölz, Austin Keating, Nathan Burns (neu aus Frankfurt), Elias Pul, Nicolas Schindler und Jakin Smallwood.

Riley Barber
PLAYSTYLE sniper
POSITION JAHRGANG GRÖSSE GEWICHT
Attacker 1994 183 cm 90 kg
Puck Skills 17
Skating 16
Hockey IQ 19
Physical 15
Shooting 20
Defense 14
OVERALL 19

Die taktische Identität

Die primäre Identität der Ingolstädter ist das Umschaltspiel. Ihr System basiert darauf, Fehler des Gegners in der neutralen Zone oder an der eigenen blauen Linie gnadenlos auszunutzen. Spieler wie Powell, Sheen oder die offensiv denkenden Verteidiger lauern genau auf diese Turnover. Die Scheibe wird nicht lang gehalten, sondern mit Geschwindigkeit vertikal tief geschickt. Sobald dieser schnelle Umschaltmoment, der Rush, nicht direkt zum Torerfolg führt, schaltet das Team in einen strukturierten Puckbesitz um. Akteure wie Agostino oder Pietta sind dafür prädestiniert, den Puck an den Banden (Cycling) zu behaupten und geduldig zu warten, bis die Struktur des Gegners auseinanderbricht. Statistisch auffällig: Die Panther gaben in der Saison 2025/26 die meisten Torschüsse aller Teams ab. Dies unterstreicht die offensive Qualität der Panther.

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Ein typisches Tormuster. Dem Gegner verspringt im Aufbauspiel in der neutralen Zone die Scheibe. Morgan Ellis spitzelt die Scheibe zu Peter Abbandonato, der sofort den Puck zu Riley Barber weiterleitet. Der Gegner kommt nicht schnell genug in die Rückwärtsbewegung und Barber kann alleine Richtung Tor gehen. Sein Wristshot landet im Tornetz. Dieses Muster zeigt: Das Umschaltspiel der Panther ist schnell und gnadenlos.

Ausblick

Ich zähle die Ingolstädter zum erweiterten Favoritenkreis der DEL. Der Kader verfügt über enorm viel Qualität. Im Tor ist Stettmer ein klares Upgrade zu Brochu. Das deutsche Torhüter-Duo könnte noch wichtig werden – Stichpunkt: Ausländer-Lizenzen. Mit Breton und Hüttl hat man zwei der besten offensiv denkenden Verteidiger im Line-up und der Offensivkern um Barber, Agostino, Powell und Sheen wird weiterhin abliefern. Das Wichtigste: Die Mannschaft ist eingespielt, sie kennt das System von Mark French in- und auswendig. Das macht sie enorm gefährlich. Die einzige Schwachstelle, die ich sehe, ist die Qualität in der Breite. Vielleicht öffnet sich ja bei Wojciech Stachowiak, wenn der Traum von der NHL sich nicht erfüllt, nochmal ein Fenster. Aktuell sehe ich Mannheim, Berlin, Köln und München noch vor den Panthern. Danach kämpfen sie mit Teams wie Straubing und Fischtown um Platz 5. Meine Prognose: Kampf um die direkten Playoffs.

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Autor
Malte Petz
Beitrag vom
12. September 2026