Nach drei Meisterschaften in Folge und dem zwölften Gewinn der Trophäe insgesamt gehen die Eisbären Berlin als Titelverteidiger in die neue DEL-Saison. Die Ausgangslage allerdings hat sich verändert. Mit Serge Aubin verlässt der erfolgreichste Trainer der Vereinsgeschichte, den Klub in Richtung Schweiz. An seiner Stelle übernimmt mit Éric Dubois ein Trainer, der noch nie zuvor als Cheftrainer im Profibereich gearbeitet hat und selbst von „großen Schuhen“ spricht, die es zu füllen gilt. Hinzu kommt: In der Hauptrunde der Vorsaison reichte es nur zu Platz sechs, ehe die Mannschaft in den Playoffs ihre ganze Klasse zeigte. Kann Berlin unter neuer Führung an die Erfolge der Aubin-Ära anknüpfen, oder steht der Rekordmeister vor einem Umbruch?
Éric Dubois ist der neue Mann hinter der Bande. Der 56-jährige Kanadier bringt reichlich Erfahrung mit: Nach Jahren im kanadischen Nachwuchsbereich, war er neun Jahre lang Co-Trainer bei den Manitoba Moose (AHL), ehe er zur Vorsaison als Assistenztrainer zum ERC Ingolstadt in die DEL wechselte. Sportdirektor Stéphane Richer kannte Dubois bereits aus einer früheren Hospitation im Berliner Trainingslager. Eine spannende Entscheidung, denn Dubois war die letzten 14 Jahre als Assistenztrainer tätig. Taktisch verspricht Dubois eine Fortführung der erfolgreichen Linie mit eigener Note: Er setzt auf Eishockey mit viel Tempo und einem schnellen Umschaltspiel. Unterstützt wird er von einem neu geordneten Trainerstab. Mit Dan Lambert kommt ein weiterer Neuzugang nach Berlin. Der neue Co-Trainer ist ein ehemaliger NHL-Assistent bei u. a. Buffalo, Nashville und Calgary und soll künftig das Powerplay verantworten. Komplettiert wird das Team von Torwarttrainer Sebastian Elwing.

Tor: Die beiden Meister-Goalies, Jake Hildebrand und Jonas Stettmer, haben den Hauptstadtclub verlassen. Neu im Kasten wird Jack LaFontaine stehen, ein ehemaliger 2. Runden Pick der Carolina Hurricanes. Die „Kante“ LaFontaine (1,91m – 95kg) spielte zuletzt in der ECHL, wo er kaum zu überwinden war (letzte Saison – 92,8 % Fangquote in 29 Spielen). Sein Herausforderer heißt Jonas Neffin. Der 26-jährige wechselt aus der DEL2 zu den Eisbären.
Abwehr: Die Verteidigung der Berliner bleibt unverändert. Anführer und Kapitän ist weiterhin Kai Wissmann. Er ist einer der dominantesten und komplettesten Verteidiger der DEL. Er kombiniert die Statur eines physisch präsenten „Shutdown-Verteidigers“ mit der Spielübersicht und den Puck-Skills eines modernen Offensiv-Verteidigers. An seiner Seite agiert Jonas Müller. Müller ist der Traum jedes Trainers, wenn man nach Stabilität, Laufstärke und Führungsqualitäten sucht. Auf eine persönlich bessere Saison wird Korbinian Geibel hoffen, der letztes Jahr mit Verletzungen zu kämpfen hatte. Geibel hat sich von einem Talent zu einem verlässlichen festen Baustein in der DEL entwickelt. Seine Stärken hat er in der physischen Arbeit und im zweikampforientierten Spiel in der eigenen Zone. Den Eisbären erhalten bleibt auch Mitch Reinke. Der „2-Way-Defender“ schließt als Rechtsschütze nicht nur eine begehrte Marktlücke, sondern er überzeugt durch feines Scheibenhandling, eine hohe Spielintelligenz und hervorragende Qualitäten bei der Puckverteilung. Mit 20 Punkten in 44 Spielen erhält er in meinem Rating System eine „17“. Weitere Verteidiger sind Eric Mik, Brandon Davidson, Adam Smith und U23-Spieler Moritz Kretzschmar.
Angriff: Im Angriff verfügt Berlin über zwei Outstanding-Player – Ty Ronning und Liam Kirk. Ty– Sohn von NHL-Legende Cliff Ronning – ist einer der dynamischsten und gefährlichsten Torjäger der gesamten DEL. Nach 98 Punkten in 61 Spielen in 24/25, folgten letztes Jahr 57 Punkte in 51 Spielen. Was für überragende Werte! Auf ähnlichem Niveau agiert der britische Nationalspieler Liam Kirk. Seine Schusspräzision und sein blitzschneller Release sind Ligaweit gefürchtet. Letzte Saison gelangen ihm in 69 Spielen 71 Punkte. Ein gefühlter Neuzugang ist Patrick Khodorenko. Er wurde letzte Saison nachverpflichtet, hatte einen guten Start und verletzte sich dann schwer am Knie. Nun ist der Playmaker zurück. Mit seinem Spielverständnis und seiner Scheibenkontrolle wird er den Berliner Fans viel Freude bereiten. Die Kombination Khodorenko auf Ronning/Kirk/Pföderl, werden wir im 5-gegen 5 und auch im Powerplay häufig zu sehen bekommen. Ein weiterer Neuzugang, der die „Berliner Luft“ bereits kennt, ist Gabriel Fontaine. Der „2-Way-Attacker“ gehört zu den stärksten Schlittschuhläufern der Liga und besitzt ein herausragendes Gespür für die Defensivarbeit. In München kam Fontaine nur bedingt zurecht, nun soll es in der Uber Arena wieder bergauf gehen für ihn. Ein weiterer spannender Transfer ist der von Tobias Krestan. Krestan gilt als eines der spannendsten deutschen Offensiv-Talente des Jahrgangs 2008. Er kommt von der schwedischen Talentschmiede HV71 Jönköping in die Hauptstadt und verfügt bereits über einen beachtlichen Körperbau (1,88m, 88kg) für sein alter. Als größte Stärke gilt sein schneller gefährlicher Handgelenkschuss, den er zunächst bei den Lausitzer Füchsen zeigen darf. Könnte man Eishockey-Aktien kaufen, hätte ich großes Interesse in ihn zu investieren. Weitere Spieler im Kader sind Leo Pföderl, Freddy Tiffels, Lean Bergmann, Andreas Eder, Rihards Griva, Eric Hördler, Yannick Veilleux, Markus Vikingstad und Manuel Wiederer. Sie werden versuchen die Abgänge von Marcel Noebels und Blaine Byron zu kompensieren.
Ty Ronning
PLAYSTYLE
speedster
| POSITION |
JAHRGANG |
GRÖSSE |
GEWICHT |
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Attacker
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1997
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175 cm
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80 kg
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OVERALL
19
Die Eisbären-DNA bleibt trotz Trainerwechsel erkennbar: schnelles, druckvolles Umschaltspiel, hohe Laufwege und ein Forechecking, das den Gegner früh unter Stress setzt. Darauf ist der Kader ausgelegt. Zentral bleibt dabei Ty Ronning. Der Kanadier ist der kreative Kopf im Offensivspiel, verantwortlich für Tempo und Zug zum Tor. Ohne ihn, dass haben wir letzte Saison gesehen, fehlt Berlin spürbar Durchschlagskraft – seine Gesundheit könnte daher saisonentscheidend sein. Dubois selbst war seines Zeichens Verteidiger. Der Fokus könnte hier weiter erhöht werden. Ich erwarte die Berliner strukturiert und aggressiv. Reines Abwarten werden wir er weniger zu Gesicht bekommen.
Ein typisches Tormuster: Adam Smith geht aggressiv auf seinen Gegner und gewinnt einen sehr wichtigen Zweikampf. Wichtig, weil ansonsten der Gegner Überzahl in der Berliner Zone hätte. Stattdessen geht das Spiel mit Tempo in die andere Richtung. Leo Pföderl, bekommt den Puck in den Lauf und geht in vollem Tempo aufs gegnerische Tor zu. Liam Kirk läuft mir, bekommt den Querpass von Pföderl und sein Schlagschluss zappelt unhaltbar im Netz.
Die Eisbären gehen als Titelverteidiger mit einem breiten, erfahrenen Kader und einer stabilen Achse aus Torhüterduo, robuster Abwehr und dem weiterhin überragenden Ty Ronning in die Saison. Die größte Unbekannte bleibt der Trainerwechsel: Éric Dubois muss sich als Head Coach erst noch beweisen, auch wenn Philosophie und Trainerteam auf Kontinuität setzen. Verletzungssorgen um Schlüsselspieler wie letzte Saison um Ronning, Wissmann, Geibel und Khodorenko könnten dabei zum entscheidenden Faktor werden. Ein vierter Titel in Serie erscheint realistisch, ist aber angesichts der Umbrüche und der steigenden Qualität in der Spitze (Mannheim + Köln + München) keineswegs Selbstläufer. Ich erwarte die Eisbären am Ende unter den besten vier Teams der Liga. Meine Prognose: Meisterschaftskandidat