Saisonvorschau 2026/27 - Augsburger Panther

In Augsburg gibt es eine Institution, die seit den 80er Jahren große Erfolge feiert und die Menschen beglückt: Roy Bianco & Die Abbrunzati Boys! Nicht ganz so erfolgreich in dieser Zeit waren die Augsburger Panther. Zuletzt gab es mehrere schwierige Saisons, in denen am Ende sogar der sportliche Abstieg feststand (2023 + 2024). Den Ligaverbleib verdankte man nur dem Ausgang der DEL-2-Playoffs. Die letzte Saison allerdings verlief relativ sorgenfrei. Unter dem Gespann Bill Peters/Larry Mitchell stand am Ende ein „entspannter“ 11. Platz. Die Fans des AEV lechzen allerdings nach mehr und träumen von Playoffs im heimischen Curt-Frenzel-Stadion. Dafür gibt es einige Bewegungen im Kader. Mit Damiani, Louis und Grenier verlassen 97 Scorerpunkte den Verein. Zudem gehen mit Schemitsch und Bowey zwei Abwehrstützen zu direkten Konkurrenten. Dafür gibt es beim AEV aber einige neue Gesichter. So wurden u. a. mit Noel Hoefenmayer, Sean Malone und Cam Wright interessante Spieler verpflichtet. Die drei und einige andere schauen wir uns gleich im Detail an…

Der Coach - Bill Peters

Bill Peters bleibt Cheftrainer der Augsburger Panther und geht in seine zweite Saison. Peters hat eine beeindruckende Vita vorzuweisen (NHL-Erfahrung u. a. bei Carolina und Calgary sowie als kanadischer Weltmeister-Coach) und seine nordamerikanische Handschrift wurde sofort sichtbar. Er hat es geschafft, die Panther zu stabilisieren und sie fast in die Pre-Playoffs geführt. Unter ihm spielen die Panther kein wildes „Hurra-Eishockey“, sondern extrem diszipliniertes, physisches und taktisch gereiftes Eishockey. Seine Detailbesessenheit sorgt dafür, dass die Mannschaft auch gegen individuell stärker besetzte Gegner defensiv stabil steht und über die vollen 60 Minuten eine hohe Arbeitsrate aufs Eis bringt. Im Sommer wurde bei ihm das Guillain-Barré-Syndrom diagnostiziert, eine neurologische Immunerkrankung. In einem Interview mit der SZ am 9. Juli gab er Entwarnung und zeigte sich voller Tatendrang: „Wegen mir könnte es sofort losgehen. Am liebsten wäre ich schon heute auf Schlittschuhen.“ Trotzdem holte man sich zur Unterstützung Gerry Fleming ins Coaching-Team. Fleming ist in der DEL kein Unbekannter, denn er agierte lange als Co-Trainer in Berlin, später dann als Head Coach in Frankfurt und Dresden. Mit Peters, Fleming und Manager Mitchell steht auf jeden Fall einiges an Eishockey-Sachverstand an der AEV-Bande.

Mögliche Aufstellung der Augsburger Panther für die Saison 2026/27.

Der Kader im Detail

Tor: Mit Michael Garteig beendet ein erfahrener DEL-Goalie seine Karriere. Seinen Platz im Kader nimmt Tobias Ancicka ein, der in Köln keine Chance mehr erhielt. Der 2te Goalie im Line-Up ist Peyton Jones. Jones agierte in seiner ersten Saison durchaus solide, mit einer Fangquote von 88,70 % in 24 Spielen. Dennoch bleibt das Panther-Tor für mich ein Fragezeichen. In meinem Ratingsystem haben beide Goalies einen Overall-Wert von 15. Das ist zwar Ligadurchschnitt, aber nicht herausragend. Einer von beiden wird überraschen müssen, wenn der AEV in die Playoffs kommen möchte.

Abwehr: Mit Noel Hoefenmayer konnte man einen echten Offensiv-Motor in die Fuggerstadt lotsen. Nach mehreren Jahren in der AHL und KHL (zuletzt Sochi, 52 Spiele – 23 Punkte) soll er nun das Spiel der Panther an der blauen Linie orchestrieren. Ihm zur Seite steht weiterhin der agile Offensivverteidiger Kyle Mayhew (49 Spiele – 25 Punkte), der seinen Vertrag verlängerte. Kyle Wood hingegen, der aus Iserlohn kommt, bringt spektakuläre Maße nach Augsburg: Mit 2,00 Meter Körpergröße und weit über 100 kg Gewicht ist der Kanadier eine gewaltige Erscheinung auf dem Eis. Seine größte Stärke, der Slap Shot, soll für Tore von der blauen Linie sorgen. Für Physis und harte Checks werden Alec McCrea, Maximilian Glötzl und Ryan Button im Line-Up stehen. Pilu und der erst 17-Jährige Pellizzari komplementieren die Abwehr.

Angriff: Der Transfer von Cameron Wright ist durchaus ein Ausrufezeichen. In der starken finnischen Liga legte er letzte Saison in 49 Spielen 23 Treffer und 18 Assists auf. Er verfügt über einen harten und platzierten Handgelenkschuss aus der Bewegung und agiert als Power Forward mit enorm viel Energie und ohne Scheu vor physischem Kontakt (letzte Saison 134 PIM). Ebenfalls mit viel Energie agiert weiterhin DJ Busdeker. Das Energiebündel, welches letzte Saison seinen Scoring-Touch entdeckt hat, geht in sein drittes Panther-Jahr. Als neuen Erstreihencenter konnte man Sean Malone verpflichten. Er ist ein spielintelligenter 2-Way-Attacker, der das Spiel in beide Richtungen lenkt. Der 31-Jährige agierte jahrelang sehr erfolgreich in der AHL und NL/Schweiz. Das er nun in Augsburg landet, liegt an einer eher ruhigen letzten Saison in der schwedischen SHL. Wenn er sich in Augsburg wohlfühlt, hat er definitiv das Potenzial, ein Top-Spieler in der DEL zu sein. Weitere interessante Spieler hat der AEV in der Kategorie „deutsch-entwicklungsfähig“. Alexander Blank, Philipp Krauß und Tim Wohlgemuth werden hochmotiviert in die neue Saison gehen. Trevor Parkes passt zwar nicht mehr so ganz in die Kategorie „entwicklungsfähig“, doch auch er wird auf eine bessere Saison hoffen (zuletzt abgestiegen mit Dresden, 51 Spiele – 27 Punkte). Jimmy Lambert (Ausländer, neu aus Wolfsburg) und Luke Toporowski (Ausländer, neu aus Colorado/AHL), zwei laufstarke Flügelstürmer, vervollständigen die AEV-Offensive.

Cameron Wright
PLAYSTYLE power forward
POSITION JAHRGANG GRÖSSE GEWICHT
Attacker 1998 185 cm 88 kg
Puck Skills 16
Skating 16
Hockey IQ 16
Physical 17
Shooting 18
Defense 14
OVERALL 17

Die taktische Identität

Die Augsburger Panther kommen über Physis, disziplinierte Struktur, furchtlosen Forecheck und die Bereitschaft, dorthin zu gehen, wo es wehtut. Peters fordert von seinem Team, dass sie im Angriffsdrittel dem Gegner keine Zeit lassen. Spieler wie D.J. Busdeker, Cameron Wright, Moritz Elias oder Luke Toporowski sind dafür prädestiniert, tief zu gehen und die gegnerische Abwehr unter Dauerstress zu setzen und so Turnover zu erzwingen. Zudem bringt der Kader einiges an Physis mit – allen voran Trevor Parkes, Kyle Wood und Philipp Krauß. Sie wollen das Spiel „eklig“ gestalten und möglichst unangenehm für den Gegner sein. Die Hoheit vor dem eigenen Tor ist das größte Ziel.

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Ein mögliches Tormuster. Augsburg provoziert einen Scheibenverlust tief in der Zone des Gegners. In meinem Beispiel gewinnt Cameron Wright hinter dem gegnerischen Tor im Zweikampf an der Bande den Puck. Er spielt einen schnellen Pass zu Trevor Parkes, der im Slot Platz hat und mit rechts abziehen kann. Center Sean Malone steht zum Rebound bereit, von der Blauen machen McCrea und Mayhew Druck.

Ausblick

Augsburg ist für mich eine kleine Wundertüte. Wie viel Rückhalt gibt das Goalie-Duo Ancicka/Jones? Reicht die Qualität der Abwehr oder muss man hier nochmal nachlegen? Knüpfen Trevor Parkes und Sean Malone nochmal an alte Leistungen an? Können die deutschen Mid-20er um Krauß und Blank nochmal einen Leistungssprung machen? Für mich sind das zu viele offene Fragen, um die Augsburger in die (Pre)-Playoffs zu tippen. Wenn alles optimal zusammenspielt, können die Fans im Curt-Frenzel-Stadion sicherlich einige Siege feiern. Wenn nicht, kann es genauso gut in die andere Richtung gehen. Aufgrund der aktuellen Verletzungssituation und der fehlenden Qualität in der Breite lautet meine Prognose: Abstiegskampf

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Autor
Malte Petz
Beitrag vom
13. September 2026