Matchday: Kölner Haie vs. Löwen Frankfurt (20.09.26, GW 2)

Es geht Schlag auf Schlag in der Penny-DEL, denn nach dem Saisonstart am Donnerstag/Freitag steht Game Week 2 bereits in den Startlöchern. Der erste Spieltag begann furios mit Ergebnissen, die nicht zwingend zu erwarten waren. Die hochgelobten Kölner Haie kamen ordentlich unter die Räder, Frankfurt feierte einen hohen Auswärtssieg, Bremerhaven gewann das Duell der Artgenossen und München behielt gegen Mannheim die Oberhand. Für meine „Matchday“-Spieltagsanalyse richten wir den Blick auf die Domstadt, wo am Sonntagabend (19.00 Uhr) die Kölner Haie und Löwen Frankfurt den Spieltag abschließen. Die Kölner Haie, unter Neu-Trainer Thomas Berglund, starteten furios in die neue Saison. In der CHL wurden RB Salzburg, Klagenfurt und die europäischen Top-Teams Frölunda Göteborg und Tappara Tampere erfolgreich besiegt. Der Start in die DEL-Saison ging allerdings ordentlich in die Hose, denn gegen die Grizzlys Wolfsburg unterlag man mit 4:8. Die Gründe dafür schauen wir uns gleich genauer an. Die Löwen Frankfurt hingegen überraschten mit einem 0:5 Auswärtssieg in Schwenningen. Ein glücklicher Zufall oder ist Frankfurt nun ein Topteam? Auch hier richte ich die Lupe drauf.

Kölner Haie

Das 4:8 habe ich so nicht kommen sehen und war auch für mein Team beim DEL Fantasy Manager eine Katastrophe (Danke Janne für -11 Punkte). Ich empfinde die CHL Spiele vor Saisonbeginn eigentlich als Vorteil, da man sich so bereits unter Wettkampfbedingungen messen und einspielen kann. Den Kölnern hat es anscheinend nicht so gutgetan. "Es wirkt, als wären wir etwas verkatert gewesen vom tollen Auftakt in die Champions Hockey League. Wir waren nicht demütig genug und haben uns in vielen Situationen falsch entschieden. Es war ein hartes Spiel gegen ein gutes Wolfsburger Team, sie haben gut gespielt, das müssen wir anerkennen. Sie haben unsere Fehler dankend angenommen – wir müssen aus diesem Spiel lernen, es ist eines von 52. Hoffentlich können wir schnell den Schalter umlegen." Die Stimme von Coach Berglund nach dem Spiel trifft es auf den Punkt.

Wie erwarte ich die Kölner? Juvonen wird im Tor bleiben und ich bin mir sicher, dass ihm so eine Leistung nicht nochmal passiert (Er alleine hat keine Schuld, alle Kölner waren schlecht). Die Verteidigerpaare bilden Kemiläinen & Vittasmäki, Press & Austin, Müller & Sennhenn und Carlos Händel als 7. Verteidiger. Im Sturm wird die 1. Angriffsreihe um Russell – MacLeod – Noebels viel Druck machen. Reihe 2 und 3 bilden Niedenz-Ljungh-Storm, sowie Fischbuch-Tyrväinen-Kammerer. In Reihe 4 könnte Tim Fleischer neben Aubry und Münzenberger ins Team rutschen. Dominik Bokk fehlt mit einer Schulterverletzung. Beim Spiel gegen Frankfurt wird es nicht auf einzelne Spieler ankommen, sondern auf das Kollektiv. Köln agierte fahrig, fehleranfällig und wurde mehrfach ausgekontert – gegen ein Team mit deutlich weniger individueller Qualität. Sie müssen zwingend konzentrierter in die Partie gehen, damit es keinen bösen Fehlstart in die neue Saison gibt. Mein Player to Watch auf Kölner Seite ist Marcel Noebels. Der 34-jährige Nationalspieler wechselte nach 12 Jahren bei den Eisbären Berlin an den Rhein zu den Kölner Haien. Seit Start – überragend. 7 Tore und 4 Assists in 4 CHL‑Spielen. Auch gegen die Grizzlys gelang ihm ein sehenswerter Treffer. An der Seite von Patrick Russel und Gregor MacLeod, scheint der 2‑malige Spieler des Jahres wieder an alte Statistiken anknüpfen zu können. Seine größte Stärke hat er im Playmaking. Er sieht Passwege, kann den Puck perfekt auflegen und verfügt über ein starkes Puckhandling. Dank seines stabilen Körpers ist er stark in Zweikämpfen und sehr nützlich im „Cycling“.

Marcel Noebels
PLAYSTYLE power forward
POSITION JAHRGANG GRÖSSE GEWICHT
Attacker 1992 192 cm 92 kg
Puck Skills 19
Skating 16
Hockey IQ 19
Physical 16
Shooting 17
Defense 17
OVERALL 18

Style of Play - Kölner Haie

Muster #1 - Tiefer Forecheck

Ein Muster was auch Luleå unter Berglund ausgezeichnet hat. Der F1 geht in der gegnerischen Zone auf den Puckführenden, hinter dem Tor oder an der Bande. Sein Ziel: ein Puckgewinn oder ein schlechter Pass des Verteidigers. F2 steht nah genug, um die lose Scheibe sofort aufzunehmen. F3 sichert hoch oder im Slot und ist der Abschlussspieler, wenn der Puck schnell kommt. Die Verteidiger halten die Blaue Linie oder schieben nach. Im Tactical Board (unten) siehst du das 3:1 in der CHL gegen Klagenfurt wo Russell den F1-Part übernimmt, MacLeod F2 und Noebels als F3 das Tor erzielt. Generell sind in dem Spiel meherere gefährliche Situationen aus gutem Forecheck entstanden.

Muster #2 - Powerplay über Kemiläinen & Press

In der Hauptrunde 2025/26 hatte Köln das beste Powerplay der Liga: 46 Überzahltore und eine Erfolgsquote von 31,29 Prozent. Ausschlaggebend hierfür – die starken Blueliner von Kemiläinen und Kaski (die Rolle hat nun Press eingenommen). Ein häufiges Muster – erst Zirkulation, Pässe durch die eigenen Reihen , Seitenverlagerungen und dann der Abschluss gegen die Laufrichtung des Torwarts. Kemiläinen und Press agieren aber nicht nur als Schützen, sondern auch als Spielmacher aus der Tiefe. Mit Russell, MacLeod, Noebels, Aubry, etc. gibt es genug offensiv-Power, die bedient werden möchte.

Wo sind die Kölner Haie verwundbar?

Puckverluste und Fehlentscheidungen. Wolfsburg stellte im Schlussdrittel innerhalb von drei Minuten von 3:3 auf 3:6. Zwei dieser Tore fielen im Abstand von nur 15 Sekunden (43:18, 43:33), und auf Kölns 4:6 folgte 27 Sekunden später das 4:7. Besonders auffällig: Wolfsburg hat Köln mehrfach ausgekontert. Berglund sagte nach dem Spiel selbst, die Mannschaft habe sich in vielen Situationen einfach falsch entschieden. Unnötige Scheibenverluste im eigenen Drittel samt missglückter Klärversuchen führten zu Gegentoren.

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Nachstellung des 3:1 durch Marcel Noebels gegen Klagenfurt.

Löwen Frankfurt

Die Löwen Frankfurt sind furios in die neue Saison gestartet. Bei den Schwenninger Wild Wings ging man mit einem 0:5 Auswärtssieg vom Eis. 2x Uba, 2x Wedman (ein Tor bei 5:3 Überzahl) und ein Shorthander von Pfaffengut sorgten für gute Laune in der Mainmetropole. „Just awesome“, sagte Keeper Adam Scheel nach der Partie, denn der Neuzugang feierte bei seinem DEL‑Debüt direkt einen Shutout. Er wird auch in der Lanxess-Arena das Tor der Frankfurter hüten. In der Verteidigung kristallisieren sich die Pärchen Matushkin & Wirt, Abeltshauser & Krupp, Joyaux & Fröberg, sowie Philipp Bidoul als 7. Verteidiger heraus. Im Angriff besteht die 1. Reihe aus Schweiger – Biro – Romano. Reihe 2, die für 4 Tore verantwortlich war, besteht aus Uba – Wedman – Leden. Die 3. Reihe ist die „Kämpfer & Läuferreihe“ der Löwen, bestehend aus: T.Kose – Pfaffengut und Wagner. In der 4. Reihe spielen Glover – van Calster – Dunham. Sind die Frankfurter jetzt ein Spitzenteam oder war das 0:5 ein positiver Ausrutscher? Ich würde den Sieg nicht überbewerten. 60:26 war das Schussverhältnis am Ende gegen die Schwenninger. Die xGoals lagen bei 2,89 zu 2,35. Frankfurt war einfach enorm abgezockt in dieser Partie. Wer 0:5 gewinnt, geht als verdienter Sieger vom Eis, allerdings spiegelt das Ergebnis nicht 1 zu 1 den Spielverlauf. Einer dieser „abgezockten“ Spieler am Freitag war Eric Uba. Er ist mein Spieler to watch. Uba ist 25 Jahre alt, Kanadier mit deutschem Pass und hat einen etwas ungewöhnlichen Karriereweg. Er verbrachte drei Jahre in der kanadischen „U‑Sports“-Liga, einer Liga, aus der sich die DEL nur selten bedient. Die Adler Mannheim gaben ihm trotzdem eine Chance. Hier kam er in zwei Saisons allerdings nur auf 22 Einsätze. Im Dezember 2024 wurde er im Rahmen des Spengler-Cups an Straubing verliehen – hier traf er erstmals auf Tom Pokel. Im Dezember 2025 folgte dann der Wechsel zu den Löwen Frankfurt (18 Spiele – 1 Tor und 7 Assists). Uba ist ein physisch robuster und hart arbeitender Außenstürmer. Er räumt in den Ecken auf, gewinnt Scheiben und verfügt durch seinen präzisen Handgelenkschuss auch über Scoring-Output. Uba hat eine starke Vorbereitung gespielt und konnte mit 2 Treffern gegen Schwenningen direkt daran anknüpfen.

Eric Uba
PLAYSTYLE two way attacker
POSITION JAHRGANG GRÖSSE GEWICHT
Attacker 2000 183 cm 91 kg
Puck Skills 14
Skating 15
Hockey IQ 15
Physical 17
Shooting 15
Defense 14
OVERALL 15

Style of Play - Löwen Frankfurt

Muster #1 – Fast Transition

Pokels Idee: defensiv und kompakt stehen + Chancen konsequent nutzen. Der Ablauf im Kern: Slot dichtmachen, Gegner nach außen drängen, Puck gewinnen und mit wenigen Pässen vertikal nach vorn. Der puckführende Verteidiger oder der tief stehende Center sucht nach dem Scheibengewinn sofort den direkten Steilpass entlang der Bande. Während der erste Stürmer (F1) die gegnerische Defensive bindet, startet der zweite Stürmer (F2) mit hohem Tempo auf der schwachen Seite. Ziel dabei: Geschwindigkeit ausnutzen und Chancen kreieren. Spieler wie Matushkin oder Neuzugang Biro sind für dieses Aufbauspiel prädestiniert.

Muster #2 - Low-to-High Cycle

Pokel setzt auf eine klassische, physische Struktur, die gegnerische Abwehrreihen durch ständige Rotation an der Bande müde spielt. Die Außenstürmer behaupten die Scheibe tief in den Ecken und nutzen kurze Bandenpässe (Cycle). Sobald sich eine Lücke auftut, wird der Puck zügig nach oben auf die Blauen Linie zum Verteidiger gespielt. Während der Pass unterwegs ist, besetzt der körperlich starke Center sofort das Sichtfeld des Torwarts (und setzt den Screen. Das Ziel dabei: Der Verteidiger schießt nicht zwingend auf ein direktes Tor, sondern bringt flache, harte Schlagschüsse oder Handgelenkschüsse auf Kniehöhe vor das Tor, damit der Center oder der einlaufende F3 den Puck abfälschen oder den Rebound verwerten kann. Michael Joyaux und Maxim Matushkin sind die Verteidiger, die diese Rolle an der Blauen einnehmen. Der perfekte Screen ist vor dem gegnerischen Tor ist Matthew Wedman, der seine Tore überwiegend durch Rebounds und Tip-Ins erzielt.

Wo sind die Löwen Frankfurt verwundbar?

Die Löwen Frankfurt agieren unter Pokel in der Offensive Zone häufig aggressiv und rücken mit ihren Verteidigern weit auf. Dadurch können Lücken entstehen. Gelingt es dem gegnerischen Team, in diesem Moment die Scheibe zu gewinnen und einen schnellen, flachen Pass aus der Zone herauszuspielen, ist die Verteidigung der Löwen überspielt. Der zweite Löwen-Verteidiger (meist Wirt und Krupp) sichert meist mittig ab und hat dann im Rückwärtslaufen dann Tempo-Nachteile.

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Nachstellung des 0:5 durch Eric Uba gegen Schwenningen.

Statistischer Vergleich

Was sagen die Zahlen? Bei den Buchmachern sind die Kölner Haie Favorit. Die Wahrscheinlichkeit für einen Sieg (inkl. OT/Penalty) liegt bei 77,5%. Gegen Wolfsburg kamen die Haie auf 31 Torschüsse (13 High Danger, 5x Mid Range, 13 Long Shot). Frankfurt kam gegen Schwenningen auf 15 Schüsse (8 High Danger, 2 Mid Range, 5 Long Range). Die Kölner Haie verbrachten 45,7% der Spielzeit in der Wolfsburger Zone, die Löwen Frankfurt 35% in der Schwenninger Zone. Mein Rating System errechnet für Köln einen Gesamtscore von 415. Die Löwen Frankfurt kommen auf 387. Kölns bester Spieler ist Patrick Russell mit einem Rating von 19. Bei Frankfurt kommt Maksim Matushkin auf eine 17. Die Zahlen sprechen deutlich für die Kölner Haie.

Fazit

Es ist eine Partie der Gegensätze. Der Titelfavorit aus Köln, der fatal in die Saison gestartet ist, und mit den Löwen Frankfurt ein Team, das einige Experten auf Rang 14 sehen, aber erfolgreich in die Saison gestartet ist. Ich bewerte diese beiden Spiele nicht über und gehe morgen Abend vom „Normalzustand“ aus. Die Kölner werden kein zweites Mal so auftreten und deutlich fokussierter in die Partie gehen. Sie sind auf allen Positionen stark und besser besetzt und werden diese Partie erfolgreich gestalten.

Köln gewinnt, wenn… sie konzentriert agieren und sich auf ihre Stärken (Überzahlspiel, Forecheck, Abschlussqualitäten) besinnen.

Frankfurt gewinnt, wenn… Köln wie gegen Wolfsburg auftritt und Frankfurt die enorme Effizienz beibehält.

Mein Kicktipp-Tipp: 3:1 für Köln

Mein DEL-Fantasy-Manager Tipp: Marcel Noebels (3 Pucks)

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Autor
Malte Petz
Beitrag vom
04. Oktober 2026