Es geht weiterhin Schlag auf Schlag in der Penny-DEL. Nur 48h nach Spieltag 3 steht bereits der nächste Spieltag in den Startlöchern. Am Sonntag um 14 Uhr sind die Fischtown Pinguins Bremerhaven zu Gast im Wolfsburger Allerpark. „Ich erwarte ein Duell auf Augenhöhe“, sagt der Wolfsburger Trainer Haskins am Freitagabend. Dies zeigen auch die Duelle in der letzten Saison, denn hier gingen 2× die Grizzlys und 2× die Pinguins als Sieger vom Eis. Eine besondere Begegnung wird es definitiv für Ross Mauermann. Der 35-jährige Amerikaner war von 2016 bis 2026 ein Pinguin und ist eine der prägenden Figuren in Bremerhavens DEL‑Geschichte. Für die Saison 2026/27 gab es keinen neuen Vertrag. Mauermann, der selbst noch im Bremerhavener Umland wohnhaft ist, profitierte von Chrobots längerfristigem Ausfall und wurde Anfang September als Neuzugang in Wolfsburg vorgestellt. Nun geht es zum ersten Mal gegen die alten Kollegen.
In dieser Matchday-Episode schauen wir uns also das sogenannte „Nordderby“ an. Ein richtiges Derby ist es allerdings nicht. Zum einen ist Wolfsburg für mich kein Nordclub, zum anderen sind beide Standorte intern gut befreundet. Charly Fliegauf und Alfred Prey pflegen seit Jahren ein gutes Verhältnis und Fischtown-Manager Sebastian Furchner war eine Grizzlys-Legende (spielte z. B. mit Tyler Haskins zusammen). Eigentlich ist es schade, dass es kein richtiges Nordderby gibt. Hamburg, als Metropolenstadt, besitzt nicht mal mehr eine richtige Eishalle, Bremen spielt in Liga 4 vor 150 Zuschauern und Hannovers Clubs scheitern seit Jahren am Aufstieg in Liga 2. Zumindest haben die Beach Devils Timmendorfer Strand mit SAP einen finanzkräftigen Partner an Bord, dort mangelt es allerdings an der fehlenden Infrastruktur. Während in Bayern in jedem Dorf eine Eishalle steht, müssen im Norden Hamburg und Bremen eine Spielgemeinschaft für die Jugend bilden. Das bedeutet für die Kids: lange Reisen, wenig Trainingszeiten (oder zu komischen Zeiten) und ganz viel Engagement der Eltern. Ich hoffe, dieser Umstand ändert sich in den nächsten Jahren und Eishockey gewinnt auch im Norden an Beliebtheit. Zumindest Bremerhaven ist schon eine Eishockeystadt – was uns zum Spiel zurückbringt: Grizzlys Wolfsburg vs. Fischtown Pinguins Bremerhaven.
Seit März 2026 steht nicht mehr Mike Stewart an der Bande, sondern der 40-jährige Tyler Haskins. Haskins bricht mit dem System der Vergangenheit und versucht es in ein modernes und laufintensives Eishockey umzutransformieren. Härte, Fleiß und defensive Stabilität kombiniert mit Tempo und spielerischen Lösungen. Die Transformation ist in vollem Gange und trug besonders gegen Köln (4:8 Auswärtssieg) und München (4:3 OT-Sieg) bereits Früchte. Am Freitag unterlag man Schwenningen mit 3:4, ebenfalls in der Verlängerung. Wolfsburg verbringt bisher von allen Teams die wenigste Zeit in der offensiven Zone, also der Zone des Gegners. In der eigenen defensiven Zone hingegen verbringen sie die meiste Zeit von allen Teams. Mit bisher 73 Schüssen liegen sie im ligaweiten Vergleich auf Platz 12. Die Kombination aus wenig O-Zone-Zeit + meiste D-Zone-Zeit + wenig Schüssen + trotzdem gutem Scoring ergibt ein klares Bild: Wolfsburg gewinnt aktuell nicht über Kontrolle, sondern über Umschaltmomente. Sie lassen dem Gegner bewusst oder unbewusst Puckbesitz und Zonenzeit, verzichten auf ausgedehnte „Cycles“ und Passspiel im gegnerischen Drittel und schlagen stattdessen dort zu, wo es am meisten wehtut: in schnellen, hochprozentigen Abschlusssituationen.
Ein typisches Angriffsmuster der Wolfsburger: Konter aus der eigenen Zone bzw. aus einem Turnover in der neutralen Zone. Sie verteidigen kompakt + forcieren Fehler und gehen dann mit wenigen, schnellen Pässen (z. B. Stretch-Pass auf einen Flügel) direkt in die Tiefe, statt lange aufzubauen. Generell kommen die Grizzlys meist mit Überzahlsituationen aus der Umschaltbewegung zum Abschluss. Die sogenannten „Odd-Man-Rushes“ (2-gegen-1, 3-gegen-2). Das 5:3 von Tyler Morley gegen Köln ist ein gutes Beispiel für dieses Tormuster. Nachschüsse/Rebounds und Tore im Powerplay (aktuell 0 von 6) sind noch nicht ihr Weg zu Toren.
Wo sind die Grizzlys verwundbar? Aktuell stehen 189 gegnerische Schüsse in 3 Spielen (63 pro Partie) zu Buche. Ein hoher Wert – der DEL-Schnitt liegt deutlich niedriger (es ging aber auch gegen Köln & München). Das bedeutet: Wolfsburg wird nicht nur "ein bisschen" in die eigene Zone gedrängt, sie stehen faktisch unter Dauerbeschuss. Es spricht dafür, dass die vorher beobachtete "meiste Zeit in der eigenen Zone" also keine bewusste „Low-Event-Taktik“, sondern ein strukturelles Problem ist. Sie gewinnen aktuell nicht, weil sie defensiv stabil sind, sondern obwohl sie defensiv massiv unter Druck stehen – getragen von Dustin Strahlmeier und ein paar sehr effizienten Offensivaktionen. Das ist ein instabiles Fundament. Daraus resultiert:
- Abhängigkeit vom Torhüter
- Ausdauer könnte ein Thema werden (viele Schüsse, Traffic vor dem Tor und viele Blocks/Klärungsaktionen kosten Kraft).
Wie laufen die Grizzlys auf? Im Tor sollte Dustin Strahlmeier den Vorzug vor Hannibal Weitzmann erhalten. Das erste Verteidigerpärchen bilden Melchiori und Lancaster. Beide Defender fressen wahnsinnig viel Eiszeit (20 Min+). Besonders Lancaster ist mit seinen offensiven Skills (gute Übersicht + Schlagschuss) ein wichtiger Baustein in Haskins System. Das zweite Pärchen bilden Bowey und Pfohl. Also auch hier ein Spieler mit Offensivdrang (Pfohl, vom Stürmer zum Verteidiger umfunktioniert) und ein defensivstarker Grinder, der absichert (Bowey, physisch stark + bekannt für Bandenchecks). Das dritte Pärchen bilden Thompson und Pasanen. Im Sturm ist der Einsatz von Spencer Machacek fraglich. Der 37-jährige Ur-Grizzly fehlte am Freitag im Line-up. Wenn er spielt, dürfte er neben Center Tyler Gaudet und Flügelstürmer Bobby Lynch auflaufen. Besonders Gaudet ist gut in die Saison gestartet (3 Spiele – 1 Tor, 3 Vorlagen). Gaudet ist ein physisch starker 2-Way-Attacker, der durch seine Übersicht besticht. Er ist nicht nur schwer vom Punkt zu trennen, sondern ist auch in der Lage, seine Mitspieler in Szene zu setzen. Reihe 2 bilden Schinko – Graber – Morley. Hier sind die Augen auf Luis Schinko gerichtet (3 Spiele – 3 Tore, 3 Vorlagen). Der 26‑Jährige kombiniert Speed mit einem gefährlichen Handgelenkschuss. Diese Skills sind wie gemacht für Wolfsburgs neue taktische Identität. Reihe 3 bilden Center Justin Fester und seine quirligen Außenstürmer Willhöft und Mauermann. In Reihe 4 erwarte ich Ziegler – Choupani – Ruckdäschel.
Player to Watch - Pinguins Urgestein „Ross Mauermann“
Ross Mauermann
PLAYSTYLE
two way attacker
| POSITION |
JAHRGANG |
GRÖSSE |
GEWICHT |
|
Attacker
|
1990
|
175 cm
|
77 kg
|
OVERALL
15
Fischtown Pinguins Bremerhaven
Alexander Sulzer geht in seine dritte Saison als Cheftrainer der Fischtown Pinguins. Der 41-Jährige aus Kaufbeuren hat sich vom soliden NHL-Verteidiger zu einer der spannendsten Trainerpersönlichkeiten im deutschen Eishockey entwickelt. Sulzer betont immer wieder, dass eine stabile, kompakte Defensive essenziell für dauerhaften Erfolg sei – sie ist Schwerpunkt und DNA seiner Mannschaft. Die Pinguins sind erfolgreich in die neue Saison gestartet. Zum Auftakt konnte man das schwierige Auswärtsspiel beim Aufsteiger Krefeld mit 1:3 gewinnen. Auch das darauf folgende Heimspiel gegen Iserlohn wurde siegreich gestaltet. Gegen die starken Münchener musste man sich am Freitag allerdings mit 1:4 geschlagen geben. Die Pinguins verbringen 44,9% des Spiels in der gegnerischen Zone (aktuell ligaweit Platz 3). Ein wichtiges spielerisches Mittel der Pinguins: der Schuss von der Blauen (bisher 57 Schüsse von hier, Platz 3 im Ligavergleich) – meist durch Philipp Bruggisser. Die Hoffnung dabei: der direkte Treffer oder Rebounds durch physisch starke Akteure wie Verlic oder Wejse. Fischtown ist kein Konterteam. Sie erarbeiten sich ihre Vorteile über Zeit und Präsenz im gegnerischen Drittel, nicht über schnelle Umschaltmomente. Ein weiteres Muster, welches zu Chancen führt: „sneaky Playmaking“. Fischtown hat einige technisch starke Spieler in den eigenen Reihen – CJ Smith, Andy Miele, Akito Hirose. Ihre Einzelaktionen und gewonnenen Dekes/Dribblings sorgen immer wieder für Raum und Torchancen.
Wo sind sie verwundbar? Bremerhaven verbringt viel Zeit in der gegnerischen OZ, doch ihr Corsi Rating liegt nur bei knapp über 50 % (der Corsi-Wert ist eine Statistik, die misst, wie gut ein Team das Spielgeschehen durch Puckbesitz und Schussversuche dominiert). Das heißt: Die Zonenkontrolle ist da, aber sie beherrschen die Scheibe nicht so dominant, wie ihre Zonenzeit suggeriert. Der Gegner kommt trotz weniger Zeit im Angriffsdrittel zu einem nahezu gleichwertigen Schussaufkommen – das deutet auf schnelle, effiziente Gegenangriffe hin, sobald sie den Puck verlieren. Ihre Kontrolle ist also fragiler, als die reine Zonenzeit-Statistik zeigt. Daraus resultiert:
- Verwundbarkeit durch individuelle Fehler (Fehlpässe, verlorene Duelle, Bruggisser und seine Aussetzer können nicht immer kompensiert werden)
- Probleme in Unterzahl (eigentlich eine Spezialität von Sulzer-Mannschaften, doch gegen die starken Münchener klingelte es gleich 2 × im Kasten)
Line-up: Ich erwarte auch im vierten Saisonspiel den lettischen Nationaltorwart Kristers Gudlevskis, der wieder hervorragend in die Saison gekommen ist (92,77% Fangquote). Dahinter wird Leon Hungerecker ungeduldig auf seine Chance warten. Das erste Verteidigerpaar bilden Bruggisser und Hirose. Beide verbindet: ein starker Offensivdrang. Bruggisser ist der klassische „Shooter“ von der Blauen, Hirose ein quirliger „2-Way-Defender“ mit starker Puckkontrolle. Pärchen Nummer 2 bilden Rausch und Byström, da Matt Abt eine Sperre aus dem Iserlohn-Spiel absetzen muss. Das dritte Pärchen bilden Eminger und Bettahar. Eminger ist ein Spieler, der selten erwähnt wird, da er nicht so oft im Rampenlicht steht – doch ich finde, völlig zu Unrecht. Der 34-jährige Deutsch-Tscheche ist seit Jahren eine feste Größe in der Pinguins-Abwehr. Er spielt physisch, blockt Schüsse und verfügt über ein brillantes defensives Stellungsspiel. Das er mehr kann als nur verteidigen, zeigte er gegen Iserlohn. Sein Schlagschuss im ersten Drittel erreichte 154,08 km/h – damit führt er die interne Pinguins-Rangliste an. Im Sturm besteht die 1. Reihe aus Verlic – Broadhurst – Tuomie. Nicht nur Tuomie ist deutlich offensiver eingebunden als bei seinen vorherigen Stationen, auch Miha Verlic hat seinen Scoring-Touch wiedergefunden (2 Treffer bereits). Die 2. Reihe bilden CJ Smith – Miele – Krämmer. Die Augen sollten hier auf CJ Smith gerichtet sein. Der US-Amerikaner stieß im Laufe der letzten Saison zu den Pinguins und überzeugte mit 16 Punkten in 14 Spielen (inkl. Playoff-Serie vs. Mannheim). Der ehemalige Spieler der Buffalo Sabres verfügt über ordentlichen Scoring-Touch. Er hat Speed, ist wichtig im Transition-Spiel (bringt den Puck in die gegnerische Zone) und ist gefährlich im Abschluss. CJ Smith mehr einzubinden, wäre wichtig für das Spiel der Pinguins. Aktuell kommt er auf nur 4 Abschlüsse und einen xG-Wert von 0,3. In Angriffsreihe 3 erwarte ich Görtz – Wejse – Kechter, die gegen München für den einzigen Pinguins Treffer verantwortlich waren. In der 4. Reihe könnte Florian Reinwald seine 2. DEL‑Partie machen – neben Friesen und Kinder. Obwohl die Saison noch sehr jung ist, haben die Pinguins schon einiges an Verletzungssorgen. U23-Talent Lenny Boos fällt nach einer Verletzung im Iserlohn Spiel länger aus. Conrad und Jensen sind fraglich. Dazu fehlt Roßmy langfristig.
Player to Watch – Scorer mit Ladehemmung „CJ Smith“
C.J. Smith
PLAYSTYLE
scorer
| POSITION |
JAHRGANG |
GRÖSSE |
GEWICHT |
|
Attacker
|
1994
|
180 cm
|
83 kg
|
OVERALL
17
Fazit - Clash der Systeme
Wolfsburg geht mit einer Wahrscheinlichkeit von 55,5% als Sieger vom Eis (inkl. OT/Penalty), zumindest laut den Buchmachern. Also eine sehr enge Partie am Wolfsburger Allerpark. Was sagt mein Ratingsystem? Wolfsburg kommt auf einen Gesamtscore von 390. Die Pinguins kommen auf 396. Auch hier eng. Ein „dynamischer Faktor“, den wir uns definitiv anschauen müssen, ist der Heimvorteil. Für die Pinguins ist es eine kurze Anreise (gut 2–3 h Busfahrt), also deutlich entspannter als sonst. Hinzu kommt… die Pinguins-Fans machen das Nordduell regelmäßig zu Heimspielen. Was als Wolfsburger Vorteil bleibt, ist die Gewöhnung an das Eis und die eigene Kabine. Ich würde den Heimvorteil, aber ein wenig herabsetzen, im Vergleich zu anderen Partien. Dann sehe ich nicht nur eine enge Partie, sondern eine taktisch hochspannende. Eine Mannschaft, die gerne in der eigenen DZ spielt, auf Turnover wartet, blitzschnell umschalten kann und bisher wahnsinnig effektiv war. Gegen eine Mannschaft, die sich gerne im gegnerischen Drittel festsetzt, den Puck „cyclen“ lässt und oft den Abschluss sucht. Es ist auch ein Duell zweier absoluter Top-Goalies – Gudlevskis vs. Strahlmeier. Wer hat die bessere Tagesform? Auch darauf wird es ankommen. Ich erwarte eine Partie, in der Fischtown augenscheinlich dominiert, zu vielen Schüssen kommt, aber Wolfsburg immer wieder durch z. B. Schinko oder Gaudet empfindliche Nadelstiche setzen kann.
Wolfsburg gewinnt, wenn… wenn Strahlmeier einen guten Tag hat, man die defensive entlasten kann und die Überzahlsituationen effektiv verwertet.
Bremerhaven gewinnt, wenn… Gudlevskis einen guten Tag hat, man viel Zeit in der OZ verbringt & Volumen erzeugt und Wolfsburg müde spielt.
Mein Ergebnis-Tipp: 2:3 für Fischtown
Mein DEL-Fantasy-Manager Tipp: CJ Smith (3 Pucks)