Es ist das erste Wiedersehen seit dem Abstieg: denn, wenn die Krefeld Pinguine am Sonntag die Eisbären Berlin empfangen, treffen die beiden Klubs zum ersten Mal wieder aufeinander, seitdem die Seidenstädter 2022 aus der DEL abgestiegen sind. 1.694 Tage liegen zwischen diesem und dem letzten Duell. Krefeld ist nach vier Jahren in der DEL2 als amtierender Meister zurückgekehrt und hat sich im Oberhaus schnell eingefunden: Nach neun Spieltagen steht der Aufsteiger mit 13 Punkten auf Rang 8, zuletzt gab es ein 1:2 nach Penaltyschießen gegen Wolfsburg. Die Berliner reisen als Tabellenführer an (20 Punkte), kassierten am Freitag aber nach acht Siegen in Folge die erste Niederlage, ein 3:4 im Spitzenspiel gegen München. Auf dem Papier ist die Rollenverteilung in dieser Partie klar, statistisch gesehen aber enger als gedacht: Mathew Santos und Max Newton haben ihre Torgefahr aus der DEL2 mitgebracht und stehen bei je 13 Scorerpunkten, Santos’ sieben Treffer zählen zu den Top-Werten der Liga. Nur die Berliner Liam Kirk (19 Punkte, 8 Tore) und Ty Ronning (15 Punkte) liegen in der Scorerliste noch vor ihnen. Dazu kommt Neuzugang Juha Jatkola im Tor, der bisher 93,57 % der Schüsse hält. Besser ist ligaweit nur Berlins Jonas Neffin mit 96,86 %. Für Krefeld ist es also eine große Chance, sich gegen den Ligaprimus der letzten Jahre zu messen. Für die Hauptstädter gilt: Bei einem aggressiven Aufsteiger, der zu Hause stark ist und von Thomas Popiesch diszipliniert eingestellt wird, souverän und erfolgreich aufzutreten.
Krefeld Pinguine - Style of Play
Muster #1 - Verkehr vor dem Tor
Die Krefeld Pinguine haben den Puck im Vergleich relativ wenig, doch trotzdem haben sie bisher einen Corsi-Wert von über 50 %. Das bedeutet: Sie bringen trotz wenig Puckkontrolle in der OZ, viele Scheiben Richtung gegnerischen Torhüter. Ein Distanzschuss alleine bringt zwar häufig nicht die große Gefahr, doch die richtige Positionierung macht das Muster zur Waffe. Da gibt es zum einen den Screen: Ein Stürmer steht direkt vor dem Torhüter, sodass der Schuss erst spät sichtbar wird. Den Ablenker (Tip) – hier verändert der Stürmer die Flugbahn und macht den Puck für den Goalie unberechenbar. Und dann gibt es noch den Rebound: Der Torhüter lässt den Puck prallen, und ein zweiter Stürmer wartet im Slot auf den Nachschuss. Die Rollen sind klar verteilt, auch bei den Pinguinen: Verteidiger schießen (häufig Davis Vandane, aber auch Gildon & Percy sind gefährlich), die Stürmer stehen vor dem Tor und die dritte Option läuft in den Raum für Rebounds. Dieses Schema funktioniert nur mit körperlich präsenten Spielern, die Checks im Slot aushalten. Und diese hat Krefeld in Newton, Santos und der erfahrenen Riege um Gogulla, Müller und Payerl. Für Krefeld macht es Sinn häufig aus der Distanz abzuschließen und die Scheibe richtung Tor zu bringen. Zum einen ist es relativ einfaches Eishockey. Zum anderen erfordert es keinen technisch überlegenen Aufbau oder spezielle Plays die gegen qualitativ stärkere Gegner schiefgehen könnten. Zudem nutzt es perfekt die Stärken der vorhandenen Offensiv-Akteure.
Muster #2 - kompakte Defensive und Schüsse blocken
Krefeld verteidigt viel in der eigenen Zone und das tun sie sehr kompakt. Die Stürmer fallen zurück, die Verteidiger stehen eng zusammen, die Passwege ins Zentrum sind zugestellt. Das Team gibt die Außenbereiche und die blaue Linie preis und konzentriert sich auf den Bereich direkt vor dem Tor. Das tun sie, weil Schüsse von außen im Schnitt weniger gefährlich sind, als beispielsweise in der „Bully Area“. Zudem liegen die Pinguine im oberen Drittel der Liga bei den geblockten Schüssen. Das kostet Kraft und gibt Blessuren, hat aber enormen Value für das Krefelder Spiel. Der Torhüter bleibt aus dem Spiel und man kann ggf. direkt den Gegenangriff einleiten.
Player to Watch - Alexander Weiß
Es ist eine besondere Partie für Alex Weiß. Der „2-Way Attacker“ debütierte 2005 für die Eisbären, da war Tobias Krestan -3 Jahre alt. In der Hauptstadt konnte Weiß 4x den Titel holen und avancierte zum deutschen Nationalspieler. Seit 2021 stürmt Weiß für die Krefeld Pinguine und hielt ihnen auch in der DEL2 die Treue. Die Stärken des Routiniers sind sein Hockey IQ und seine starke Physis. Thomas Popiesch nennt ihn den „absoluten Führungsspieler“. Seine Schwächen: Mit 39 fehlt es langsam an Spritzigkeit und auch seine Werte für „Puckskills“ liegen unter dem Liga-mittelwert.
Alexander Weiß
PLAYSTYLE
two way attacker
| POSITION |
JAHRGANG |
GRÖSSE |
GEWICHT |
|
Attacker
|
1987
|
188 cm
|
93 kg
|
OVERALL
14
Muster #1: "Odd-Man Rush" durch Kirk und Ronning
Ein Odd-Man Rush ist ein Angriff in Überzahl, etwa 2-gegen-1 oder 3-gegen-2. Er entsteht meist nach einem Puckgewinn im neutralen oder eigenen Drittel, wenn der Gegner mit mehreren Spielern vorne steht. Bei den Eisbären kann man das besonders häufig beobachten. Kirk und Ronning laufen mit Tempo über die Flügel. Der puckführende Spieler bindet den Verteidiger, der zweite Läufer bekommt den Pass in den Halbraum und schließt im Anlauf ab, bevor die Box steht und der Gegner sortiert ist. Kirk und Ronning verfügen über Speed, gutes „Deking“ und sie sind eiskalt im Abschluss. Einmal in Fahrt gekommen, sind sie kaum zu stoppen.
Muster #2: Starke Defensive mit Neffin als Rückhalt
Berlin stellt aktuell die beste Abwehr der Liga. Jonas Neffin hat dreimal zu Null gespielt und hält 96,86 % der Schüsse, der Ligabestwert. Der Corsi-Wert von 52 % zeigt: Die Eisbären kontrollieren das Spiel leicht, ohne zu dominieren. Die Verteidigung beginnt dabei schon im Angriffsdrittel, mit aggressivem Forecheck und schnellen Puckgewinnen. Kommt der Gegner doch durch, dann eher von außen. Dahinter wartet Neffin, der Rebounds verhindert und dem Gegner damit die Nachschüsse nimmt.
Player to Watch - Liam Kirk
Der 26-jährige Engländer aus Maltby wurde 2018 von den Arizona Coyotes gedraftet. Es folgten Stationen in Tucson, Finnland und im tschechischen Litvínov, 2024 wechselte er nach Berlin und wurde 2025 und 2026 Meister. In der Titelsaison 2025/26 erzielte er in 52 Spielen 32 Tore und 23 Vorlagen, dazu kamen neun Playoff-Treffer. Aktuell führt er die DEL mit 19 Punkten und acht Toren an. Seine Stärken hat er im Abschluss. Auch läuferisch gehört er zur Liga-Spitze.
Liam Kirk
PLAYSTYLE
sniper
| POSITION |
JAHRGANG |
GRÖSSE |
GEWICHT |
|
Attacker
|
2000
|
185 cm
|
83 kg
|
OVERALL
19
Für die Buchmacher sind die Eisbären klarer Favorit. Mit einer Wahrscheinlichkeit von ca. 70% gehen die Hauptstädter als Sieger vom Eis. Für mich ist Berlin auch der Favorit, aber kein klarer. Der Tabellenführer hat mit Kirk und Ronning die gefährlichsten Angreifer der Liga, die beste Abwehr und mit Neffin (96,86 %) den sichersten Rückhalt. Krefeld ist als Aufsteiger gut gestartet und spielt zu Hause ein unbequemes Eishockey. Ich denke Berlin wird dominant auftreten und Krefeld in die eigene Zone drücken. Die Pinguine verteidigen eng um den Slot, blocken Schüsse und suchen den Weg über Distanzschüsse mit Verkehr vor dem Tor. Die Frage ist, wie lange die Box hält. Berlin braucht Tempo und schnelle Seitenwechsel, um sie aufzubrechen. Dagegen ist jeder Krefelder Scheibenverlust eine Einladung für Kirk und Ronning, um im Umschaltspiel zuzuschlagen. Auf der anderen Seite müssen die Eisbären Neffin (oder LaFontaine) die Sicht freihalten und Rebounds wegräumen. Das ist Krefelds einzige realistische Chance, gegen diesen Torhüter zu treffen.
Krefeld gewinnt, wenn es das erste Tor erzielt, die Box zusammenhält und Jatkola einen Sahnetag erwischt.
Berlin gewinnt, wenn sie die Box früh durch Tempo öffnen, Strafzeiten vermeiden und den Slot sauber halten.
Mein Tipp: ein enges Spiel mit wenigen Toren und einem knappen Berliner Sieg.